Kurzschwert und Schild gehören zusammen. Beidhänder oder Lanze? Und Q-Tip? Eine eigenwillige Waffensammlung, wenn man so will. Der Morgenstern entpuppt sich als gepolsterter Ball an einer Plastikkette. Seine Handhabung ist gar nicht so einfach. Über den Kopf schleudern, die Kette loslassen und dann sollte der "Ball" den Körper eines Gegenspielers berühren. Röttenbachs Jugendpfleger Frank Schulte erklärt ihnen die "Waffen" und die Regeln des Juggerns. "Wer getroffen wird, muss sich hinknien und fünf Trommelschläge abwarten."

Als eine Mixtur aus Knappenausbildung und Rugby könnte man die Sportart bezeichnen, muss doch ein Werfer den "Jug", ein ovales Schaumstoffgebilde, zu einem Mal am gegenüberliegenden Spielfeldende bringen. Bei seinem Lauf schützen ihn seine Mannschaftskameraden mit ihren "Waffen".

Faszination Ritterspiele


Schwertkampf, Lanzenstechen, Ritter spielen - davon geht eine gewisse Faszination aus, zumindest für eine Altersgruppe zwischen zehn und 16. Schulte kennt die Anziehungskraft martialischen Tuns auf Jungen in diesem Alter. Und bietet ihnen mit Juggern eine ungefährliche, aber ganz schön Kraft und Erngie kostende Variante.

Bevor aber das Turnier startet, probieren die Jungs aus Herzogenaurach, Bubenreuth, Heroldsberg, Eckental und Röttenbach die "Waffen" und die dazugehörige Einsatztaktik aus. "Verboten sind alle Hiebe von oben", erklärt Schulte. Stöße gegen den Kopf sowieso.

Der Jug liegt in der Mitte


Ben greift zu Kurzschwert und Schild. "Du musst das Schild mehr zur Seite halten", rät ihm Schulte. "Nicht, dass die Kante dein Gesicht trifft, wenn du einen Stoß abwehrst."

Zwei Mannschaften zu je fünf Buben stellen sich hinter die Male an den Spielfeldenden. In der Mitte liegt der Jug. Schulte pfeift an und ein langsamer Trommelschlag setzt ein. Wie der des Sklaventreibers auf dem Piratenschiff, das Asterix und die Gallier in etlichen Heften versenken. Mit dem Bild im Kopf kommt man der Spielwelt des Juggerns ziemlich nahe.

Trommelwirbel. Ein Werfer hat den Jug auf dem Mal abgelegt. "Ein Schädel zu null Schädel", kommentiert Schiedsrichter Schulte. Die Jungen kehren in die Ausgangsposition zurück. Anpfiff, und wieder sausen Werfer und Bewaffnete los. Langsam kristallisieren sich Kampfstrategien heraus. Den Werfer auszubremsen, erweist sich als effizient. Pinnen heißt das, wenn nach einem Schlag der Waffenträger sein Gerät auf die Schulter des anderen legt. Und solange der berührt wird, muss er unbewegt am Boden bleiben.

Den Gegner festpinnen


"Ein bisschen wie Stehbock, Freibock", lacht Ralf Hingler von der mobilen Jugendarbeit in Heroldsberg. Je mehr Runden gespielt sind, desto größer wird die Ähnlichkeit, denn das schnelle Laufen strengt an. Dann lieber den Gegner ausbremsen und festpinnen. Bis plötzlich nichts mehr geht. Der Jug liegt auf dem Feld; beide Werfer sind blockiert und die anderen Spieler halten sich gegenseitig in Schach.

Doch nicht das Wahre, die Blockadetechnik. Eine schnelle Attacke, Werfer Ben kommt frei und trägt den Ball ungehindert zum Mal. Die Siegesfeier - für alle - ähnelt auch ein wenig der aus den Asterix-Comics. Schließlich gibt es Grillwürstel und Steaks. Nur einen Barden müssen die Jungen nicht am Singen hindern.