In der Innenstadt hat eine Kneipe geschlossen. Wieder mal. Ein Treffpunkt weniger, vor allem für die jungen Leute. Schon werden provokante Äußerungen laut. "Herzogenaurach verkommt zur Schlafstadt", heißt es da in einem Forum auf Facebook. Und: Die Stadt möge etwas dagegen tun.
Fakt ist, dass sich die Gäste in dem Doppel-Lokal in der Kellergasse sehr wohl gefühlt haben müssen. Sonst wäre es nicht so gut gegangen, sonst gäbe es jetzt nicht den Aufschrei. Tagsüber "Time Out", ein Bistro mit Mittagstisch, abends " Downtown", eine Kneipe mit Snacks - das Konzept schien aufzugehen. Bis es den Nachbarn zu laut wurde und die Pächter sich entschlossen, das "Abenteuer Kneipe" zu beenden.
Nachdem der Hausbesitzer darauf gedrängt hatte (der FT hat ausführlich berichtet).
Der 19-jährige Andreas Brandl ist einer der jungen Gäste, die den beiden Wirten Stelios Ziogas und Robby Balbinot bis zum letzten Tag treu blieben. Und darüber hinaus, denn am Mittwochabend war Brandl mit seiner Familie noch privat eingeladen. Das Erfolgsrezept im "Downtown"? Der Koch "verstand es, in einer kleinen Bierkneipe etwas essbares zu zaubern, das sich auch Schüler jede Woche leisten konnten", stellt Brandl fest. So habe sich seine Clique gern dort getroffen.
Es habe sich im Lauf der Zeit herumgesprochen, dass die Jugend dort willkommen war. Seine Bekannte Nina Hartwig (15) bestätigt das: "Man musste nie etwas ausmachen. Es war immer jemand da, den man gekannt hat". Und Katrin Embacher (16) lobt vor allem die Worte: "Ich fand die beiden sofort nett und sympathisch" (mehr dazu lesen Sie unten stehend).

Die Wünsche der Jugendlichen

Und genau das ist es, was die Jugend offenbar in der Stadt vermisst. "Es fehlt einfach ein neues Downtown", stellt der 19-Jährige fest. "Eine Kneipe, in der die Jugend durch und durch willkommen ist, auch wenn wir mal lauter werden oder ein lautes Lachen niemanden stört". Man wolle ja auch selbst niemanden stören oder gar streiten, sagt Brandl. "Wir wollen nur einen Ort, an dem wir uns wie Jugendliche benehmen können und dort so gemocht werden wie wir sind".
Das berichtet auch Katrin Embacher. Die 16-Jährige fühlt sich durch das vorwiegend ältere Publikum in den meisten Lokalen eingeschüchtert. Man habe Angst, die zu stören wenn man mal lauter lacht. Mehr Treffs für Jugendliche wünscht sich auch die 18-jährige Studentin Michelle Strasser. "Für meinen Geschmack hat Herzogenaurach wenig zu bieten", sagt sie. Das Jugendhaus nennt sie, wie auch andere aus der "Downtown"-Clique, aber nicht als Alternative. Gemütlich und klein soll es sein, findet Patrick Schottner. Zwei Räume wie in dem Lokal in der Kellergasse, mit vielleicht mal 20 Leuten jeweils.

Was spricht der Kultwirt?

16 Jahre lang hat Rainer Porsche, schon gewissermaßen eine lebende Legende unter den früheren Herzogenauracher Gastronomen, das dortige Lokal unter dem Namen "Bistro Central" geführt. Stress mit Nachbarn hatte er dort nie, wie er sagte. Und auch nicht, als er die "Kleine Welt" an der Schütt führte. Er habe sich immer arrangieren können.
Doch vielleicht habe den Pächtern auch der Mut gefehlt weiterzumachen. Denn Porsche weiß, dass sich die Zeiten geändert haben. "Ich habe mit der Zeit mehr und mehr die Lust verloren, in Herzogenaurach jemals wieder was zu machen", stellt er fest. "Ich möchte mit keinem Wirt in Herzogenaurach tauschen. 30 Jahre in diesem Metier haben gereicht, wobei ich auch viele wunderschöne Jahre dabei verbracht habe".
Rainer Porsche, der jetzt in einem Altenheim jobbt, bricht für die Herzogenauracher Gastronomen aber eine Lanze. Zum Glück gebe es ja noch Wirte in der Stadt, "die sich noch Mühe um den Gast geben, mit allem, was damit verbunden ist", sagt er. Und das war auch früher nicht immer einfach, denn "uns Wirten ist das Leben ja schon immer schwer gemacht worden". Besser sei das in all den Jahren nicht geworden, und auch das Publikum sei nicht mehr so leicht zufrieden zu stellen. Für ist die Gastro-Kultfigur ist klar: "Überleben werden auf Dauer nur die paar wirklich guten Gastwirte, die auch wissen, was sie tun. Es gibt ja so viele, die meinen, das könne jeder".
Viel kaputt gemacht an der alten Kneipensituation haben laut Porsche die ganzen finanziellen Verhältnisse. Zugelangt hätten schon immer die Gema, das Finanzamt und noch viele andere. Aber heutzutage komme noch dazu, dass schon die laufenden Kosten zum Beispiel fürs Personal (Krankenkasse, Versicherungen ...etc) fast nicht mehr zu bewältigen seien. Porsche resümiert: "Ich bin froh, als Gast in eine Kneipe gehen zu können, und mich um nichts kümmern zu müssen."

Debatte in Facebook

Seit der "Downtown"-Schließung ist auch in Facebook eine Debatte über die gastronomische Lage in Herzogenaurach entbrannt. Auf der Seite "Mein Herzogenaurach" äußerten sich, inspiriert durch den Link auf den FT-Artikel "Künftig kocht Stelios für Kinder" auf infran ken.de , mehrere Bürger. Viele halten Herzogenaurach für eine Schlafstadt, einer sprach von einer "langweiligen Rentnerstadt", ein Dritter stellte fest: "Die jüngeren Herzogenauracher bleiben auf der Strecke bzw. werden mit Nachdruck dazu genötigt, Freizeit und Spaß mit Freunden in anderen Städten zu genießen."
Und Michaela Dovermann, die im Restaurant "Roter Ochse" am Marktplatz arbeitet, bekommt oft die Kommentare von auswärtigen Gästen mit. "Die registrieren sehr wohl, dass in der sogenannten Sportstadt abends die Gehsteige hochgeklappt werden", schreibt sie. Nicht nur, dass dies für Bürger und Jugend ein unbefriedigender Zustand sei, es werfe auch ein schlechtes Bild auf die Stadt.
Dovermann: "Ich werde regelmäßig gefragt, wo man denn hier noch hingehen könnte und da steh ich dann vor den Leuten und kann fast keine Alternativen anbieten. Peinlich!"