Zwei faustdicke Überraschungen gab es in der Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Großenseebach.
Der Vorsitzende Hans Hofmann hatte bereits im Dezember 2012 nach über 27-jähriger Tätigkeit im Vorstand nicht mehr kandidieren wollen und ließ sich damals nur mangels Nachfolger überreden, noch ein Jahr dranzuhängen. "Ein Jahr mach' ich noch, bis dahin müsst ihr einen neuen Vorsitzenden finden", hatte Hofmann vor einem Jahr erklärt.
Das Jahr war nun um und die Neuwahl des Vorsitzenden stand auf der Tagesordnung. So wie damals wurde Bürgermeister Bernhard Seeberger (FW) zum Wahlleiter bestimmt, und wieder wurde die vorher muntere Versammlung sehr schweigsam, als Seeberger um Vorschläge bat. "Der Hans könnte schon noch ein bisschen weitermachen, jetzt hat er doch mehr Zeit", murmelte Zweiter Bürgermeister Herbert Müller (FW) am Tisch.
Erst beim dritten Aufruf um Vorschläge kam eine Reaktion. "Na der Hans, wer auch sonst", rief ein Mitglied.
Der Vorsitzende meinte zwar, dass es bestimmt bessere Leute mit neuen Ideen geben würde, während sich alle Blicke auf ihn richteten. Erwartungsgemäß meldete sich aber weder ein Freiwilliger noch gab es weitere Vorschläge. Einstimmig sprachen sich die Mitglieder für ihren Vorsitzenden aus. Hans Hofmann nahm die Wahl an. "Die Umstände haben sich geändert, ich bin jetzt im Ruhestand, dann mache ich es halt nochmal bis 2019", meinte Hofmann und beantragte, die Amtszeit ab 2019 auf vier Jahre zu verkürzen.

Steuerrechtliche Gründe

"Und jetzt pack' ich den Hammer aus", kündigte Hofmann nach seiner Wahl an. "Wir müssen uns von der Jugendkapelle trennen. Ich werde das auch begründen, und wir können heute gleich eine Satzungsänderung beschließen." Die Feuerwehr-Jugendkapelle wurde 1978 als eigenständige Abteilung der Freiwilligen Feuerwehr gegründet, was nach Hofmanns Worten vor 35 Jahren eine gute Idee war und der Jugendkapelle den Start erleichtert, aber zu nicht voraussehbaren Folgen geführt habe. Sowohl die Feuerwehr als auch die Jugendkapelle haben im Laufe eines Jahres viele Veranstaltungen. Die Jugendkapelle ist bemüht, aus den Einnahmen die Ausbildung und die Nachwuchsarbeit zu finanzieren, und der Feuerwehrverein unterstützt in vielfältiger Weise die aktive Mannschaft.
Darauf nehmen Steuerrecht und Finanzamt aber wenig Rücksicht, und die beiden Vereine erfahren bei der Steuer eine Zusammenveranlagung. "Wir haben schon wieder 1000 Euro an Steuern abgeführt, und dazu kommen noch die Kosten des Steuerberaters", stöhnte Hofmann. Deshalb müsse die Jugendkapelle ausgegliedert und als eigenständiger Verein geführt werden.
Die Satzungsänderung wurde beschlossen und alle Passagen, die mit der Jugendkapelle zu tun haben, werden gestrichen. Nach der Genehmigung durch das Registergericht tritt die Satzung in Kraft und die Jugendkapelle wird einen eigenständigen Verein gründen. Auch die Vorsitzende der Jugendkapelle sah darin einen Schritt in die richtige Richtung. Sandra Ebersberger und Hans Hofmann sicherten zu, dass sich die beiden Vereine auch in Zukunft unterstützen und gemeinsame Aktionen durchführen werden.

Viele Kinder in der Ausbildung

Im vergangenen Jahr hatte die Jugendkapelle 14 größere Auftritte, berichtete Sandra Ebersberger, hinzu kämen die Bemühungen um eine gute Ausbildung. Im Hauptorchester spielen derzeit rund 40 Musiker, im Vororchester sind 30 Kinder und Jugendliche aktiv, außerdem werden noch zwei Bläserklassen betreut. Und zusätzlich versucht die Jugendkapelle, 60 Kinder unter sechs Jahren an ein Instrument heranzuführen. "Die Arbeit mit den Kleinen lohnt sich, und sie sind für Musik zu begeistern", erzählte Sandra Ebersberger voller Stolz. Sie verhehlte aber auch nicht, dass diese Aufgabe einen erheblichen Arbeitsaufwand mit sich bringt, aber immer noch Spaß mache. Dafür zollten ihr sowohl Vorsitzender Hans Hofmann als auch Bürgermeister Bernhard Seeberger größten Respekt und Anerkennung.
"Die Feuerwehr ist für die Gemeinde unverzichtbar, nicht nur bei Einsätzen und Hilfe für die Bevölkerung, sondern auch fürs kulturelle Leben in unserer Gemeinde", lobte Seeberger die Aktivitäten. So verfüge Großenseebach über eine hoch motivierte und gut ausgebildete Mannschaft sowie über eine moderne Ausrüstung.
Diese wurde im vergangenen Jahr bei zehn Einsätzen benötigt, berichtete Kommandant Bernhard Schmitt, zudem nahmen die 51 aktiven Feuerwehrleute an 48 Übungen sowie verschiedenen Schulungs- und Weiterbildungsmaßnahmen teil. Zu Schmitts Zielen gehört unter anderem, die Zahl der derzeit fünf Jugendlichen auf Gruppenstärke zu bringen. Außerdem stehen in diesem Jahr die Schulung im Digitalfunk und eine Leistungsprüfung auf dem Terminplan.