"Kebab, Hummus und Taboulé" stand auf dem Plakat, mit dem in Oberreichenbach lebende Flüchtlinge und der Helferkreis "Oberreichenbach hilft" am Sonntag die Oberreichenbacher zu einem Abend mit arabischen Spezialitäten ins SC-Sportheim eingeladen hatten.

In der Küche werkelten Ahmed, Rian und Ayad. "Der Ahmed ist der Küchenchef", stellte Klaus Hahn vom Helferkreis den Küchenmeister vor, der gerade Falafel (frittierte Bällchen aus pürierten Bohnen oder Kichererbsen, Kräutern und Gewürzen) zubereitete. Ayad steckte die Kebab-Spieße für den Grill und Rian machte Taboulé, einen Petersiliensalat. Dabei wurde viel gelacht, wenn sich Klaus Hahn und Sven Pomowski vom Helferkreis in der Küche umschauten. Derweil kamen die ersten Gäste aus Oberreichenbach, aber auch weitere Neu-Oberreichenbacher aus Syrien, dem Irak und Äthiopien an und wurden am Eingang von Abdullah, Rami, Ivan und Salim empfangen.

Die Gäste bekamen ein Namensschild und die Damen eine rote Rose, schließlich war Valentinstag, und schon von Beginn an war die Herzlichkeit zwischen Alteingesessenen und Neu-Oberreichenbachern zu spüren. Unter den Gästen waren auch Vertreter des Paketzentrums Feucht und des Briefzentrums Nürnberg. Bei der Post erhielten nämlich Soudi Youna Adem, Abdu Mohammed, Jamal Osmann und Mohammed Aliyyi al Hamid nach einem Praktikum bereits einen Arbeitsvertrag, und das musste natürlich gefeiert werden. Der Abend war eigentlich wie ein großes Familienfest, zu dem die gesamte Verwandtschaft eingeladen war, und Flüchtlinge und Einheimische saßen nicht getrennt, sondern bunt durcheinander.

"Ohne die Ehrenamtlichen würde überhaupt nichts funktionieren, die Menschen hätten wahrscheinlich noch keine Arbeitsstelle und die Sprache sowie Sitten und Gebräuche wären für sie auch noch ein Buch mit sieben Siegeln", erklärte Bürgermeister Klaus Hacker (FW). Für ihn, aber auch für die meisten Dorfbewohner gehören die Neuankömmlinge bereits zum Dorf und werden vor allem wegen ihrer Freundlichkeit und Herzlichkeit geschätzt. Hacker und Hahn sind sich sicher, wenn der Sprachunterricht erfolgreich abgeschlossen ist, dass der sehnlichste Wunsch der Neuankömmlinge in Erfüllung geht, nämlich eine Arbeitsstelle zu bekommen.

"Schwimmen lernt man nicht am Beckenrand. Und Integration passiert nicht im Klassenzimmer", heißt es bei Oberreichenbach hilft. Deshalb sind die Ehrenamtlichen dem Spediteur Markus Peetz aus Weisendorf sehr dankbar dafür, dass Achmed und Abdullah ein Orientierungspraktikum anfangen konnten.


Bildung und Perspektiven

Klaus Hahn erklärte dazu: "Die beiden wichtigsten Integrationswerkzeuge sind Bildung und Perspektiven. Das eine geht nicht ohne das andere. Bildung ist die Voraussetzung für Perspektiven. Bildung ohne Perspektiven führt zu Frustration. Bildung vermitteln wir, so gut es geht. Bleibt die Frage, wie Perspektiven entstehen. Auch hier fällt die Antwort nicht schwer. Perspektive heißt nichts anderes, als ein freies und selbstbestimmtes Leben führen zu können. Das bekommt man nicht geschenkt. Möglich wird dies durch Erwerbsarbeit."

Bürgermeister Hacker bezeichnet die Oberreichenbacher als sehr hilfsbereit. Egal ob Einkaufsfahrten, Arztbesuche, Behördengänge, Deutschunterricht: Die Helfer seien immer zur Stelle. "Wir sind so froh, hier sein zu dürfen und von so netten Menschen in Oberreichenbach empfangen worden zu sein", dankten die Neu-Oberreichenbacher.