Am meisten freut sich Heike Faber über die Wiederkehrer. Wenn die Frauen ihre Scheu abgelegt haben "und sich trauen, auch zu Hause was zu machen." Denn das ist das eine Geschäftsmodell, das die gelernte Damenschneiderin anbietet, frei nach Maria Montessori, die einst gesagt hat: Hilf mir, es selbst zu tun. So können die Kunden zu ihr in die "Nähbar" am Kirchenplatz kommen und die Unternehmerin zeigt ihnen, wie es geht mit dem Nähen, und dann setzen sie das auch gleich vor Ort um und kommen wieder, wenn sie wollen.

Die "Nähbar", das ist ein Ein-Zimmer-Laden mit einer hohen Decke, der etwas anmutet "wie eine kleine Nähhalle mit dem Charme einer Manufaktur", wie Faber sagt. Darin befinden sich mehrere Nähmaschinen, auch oder gerade für die schwierigeren Aufgaben, eine kleine Theke mit Café, und Regale voll mit Wolle und Stoffen. Und da greifen die anderen Modelle der Geschäftsidee: Die Kunden dürfen nicht nur selber nähen, sie können auch Kursangebote nutzen und bei einer Tasse Kaffee mit der Chefin oder ihren Mitarbeiterinnen fachsimpeln oder einfach nur plaudern oder etwas lesen. Und weil man heutzutage auch digital aufgestellt sein muss, findet man alles auf einer modern gestalteten Homepage.

Für die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittelfranken war das Grund genug, dieses "kreative Multichannel-Marketing" besonders zu würdigen. Zum zweiten Mal wurde 2017 die Auszeichnung "IHK-Zukunftshändler" vergeben. Nur drei Betriebe in Mittelfanken wurden damit bedacht. Ziel ist es laut Udo Raab vom IHK-Geschäftsbereich Standortpolitik und Unternehmensförderung, "Mut zu machen, diese Herausforderung aktiv anzugehen und mit kreativem Multichannel-Marketing, originellen Internet-Portalen und einem attraktiven Ladengeschäft Kunden anzusprechen und zu gewinnen."


Seit 18 Monaten

Und diese kreative Vielfalt hat man in dem Herzogenauracher Laden offenbar gefunden, den es erst seit 18 Monaten am Kirchenplatz gibt. Heike Faber sieht ihre "Nähbar" demnach als einen "etwas anderen Stoff- und Kreativladen". Als Schnittdirektrice hat sie langjährige Erfahrung in der Bekleidungsindustrie und war unter anderem bei Adidas und Puma in leitender Position. Der IHK gefiel auch, wie es in der Begründung heißt, dass die Unternehmerin Schnittmuster für das eigene Label "Trinchen & Klacks" oder für andere Firmen entwickelt. Zur "Nähbar" gehören auch ein Verkauf von Nähmaschinen und ein Reparaturservice. Die Jury prämierte des Weiteren die Homepage und das Marketing über Social Media.

Heike Faber bietet regelmäßig Handarbeitskurse an. Kleine Gruppen sollen es sein, sagt sie im FT-Gespräch, willkommen sind Kinder ab acht Jahren genauso wie Erwachsene. "Denn immer mehr Menschen wollen selbst kreativ werden", sagt Heike Faber. Und sie sollen das auch in dem kleinen Laden tun dürfen. So wie der junge Mann, der jüngst in den Laden kam, um sein Smiley-Kissen fertig zu nähen, erinnert sich ihre Mitarbeiterin Kristin Hegner. Sie ist Damenschneiderin und unterstützt zusammen mit Barbara Meerwald die Chefin. Auch sie ist als ausgebildete Gewandmeisterin eine Fachkraft.


Mädchen nähen Handtasche

Begeistert waren auch Lilly, Lisa und Laila. Die drei Mädchen nähten sich ihre eigene Handtasche und zeigen auf einem Filmchen auf Youtube ihre Freude. "Ich mag basteln und ich bin kreativ und deswegen mag ich das eigentlich gern", sagt die eine. Und ihre Freundin ergänzt: "Und man hat davon was, du kannst die Sache ja dann auch benutzen." Also alles in allem kommt Heike Faber ihrem Wunsch schon sehr nahe, den die IHK-Pressemitteilung beschreibt: "Ein Treffpunkt zum Wohlfühlen, und der Kreativität freien Lauf lassen und das Ganze in einem ansprechendem Ambiente."