Zu einem halbtägigen Workshop trafen sich die Ehrenamtlichen der Herzogenauracher Flüchtlingsbetreuung im Pfarrzentrum Sankt Magdalena. Dazu konnte Ille Prockl-Pfeiffer vom Leitungskreis auch Bürgermeister German Hacker und die Referenten Konrad Körner, Diplom-Jurist und CSU-Stadtrat, Franziska Böhm vom ASB sowie Diplom-Pädagogin Michaela Herchenhan begrüßen.


Bislang keine größeren Probleme

An die Ehrenamtlichen der Flüchtlingsbetreuung ging ein besonderer Dank des Bürgermeisters und er bot an, bei möglichen Problemen die Stadt mit einzubinden. So sei die Zahl der anerkannten Asylbewerber derzeit noch sehr niedrig, dies werde sich allerdings noch ändern. Und die Kommunen müssten für Unterkünfte sorgen. Schließlich seien die Flüchtlinge nach dem Verlassen der zentralen Unterkünfte obdachlos.
Im "Praktiker" werden aktuell noch rund 70 Personen betreut und dezentral sind bereits 340 Personen untergebracht, berichtete Franziska Böhm vom ASB.
Das Ziel sei es, so Bürgermeister Hacker, möglichst viele Menschen in Lohn und Brot zu bringen. Der Bürgermeister berichtete auch, dass es mit den Flüchtlingen in Herzogenaurach keine gravierenden Probleme geben würde, was zum großen Teil ein Verdienst der Ehrenamtlichen sei. In diesem Zusammenhang verurteilte Hacker auch die Anschläge auf Asylunterkünfte. "In einer Stadt, in der Menschen jubeln wenn eine Unterkunft brennt, möchte ich nicht Bürgermeister sein", erklärte Hacker abschließend.
Innerhalb der Landkreise erfolgt die Verteilung auf die einzelnen Gemeinden in der Regel nicht nach bestimmten Schlüsseln, sondern nach den vorhandenen Kapazitäten. Im Landkreis Erlangen-Höchstadt leben derzeit rund 1500 Asylbewerber, darunter auch 86 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, hauptsächlich aus Syrien, Afghanistan und dem Irak.
Der Jurist Konrad Körner beleuchte in einer Präsentation ausführlich das Asyl- und Ausländerrecht. So genießen politisch Verfolgte nach dem Grundgesetz grundsätzlich Asyl. Als subsidiär Schutzberechtigter wird anerkannt, wer stichhaltige Gründe für die Annahme vorgebracht hat, dass ihm in seinem Herkunftsland ein ernsthafter Schaden droht. Als ernsthafter Schaden gilt: Die Verhängung oder Vollstreckung der Todesstrafe, Folter oder unmenschliche oder erniedrigende Behandlung, eine ernsthafte individuelle Bedrohung des Lebens oder der Unversehrtheit einer Zivilperson infolge willkürlicher Gewalt im Rahmen eines internationalen oder innerstaatlichen bewaffneten Konflikts. Dies sei bei einer Reihe von Flüchtlingen gegeben, erklärte Körner. Daher müsse zwischen Migrations- und Asylrecht unterschieden werden. Körner belegte dies auch mit Zahlen und Fakten und zeichnete dabei auch den Weg der Flüchtlinge in die deutschen Kommunen. Ausführlich erläuterte der Referent dabei auch die Unterschiede zwischen Asyl, Flüchtlingsschutz und subsidiären Schutz sowie Abschiebungsverbot und Duldung.


Populismus bringt nichts

In der Diskussion kam natürlich auch zur Sprache, dass sich eine große Anzahl von Asylsuchenden in Deutschland aufhalten, obwohl sie das Land schon längst hätten verlassen müssen. Die Forderung aus dem Teilnehmerkreis nach einer Änderung des Zuwanderungsgesetzes erteilte Körner eine Absage: "Die bestehenden Gesetze decken alles zur Migrations- und Integrationspolitik sowie des Aufenthaltsrechts von Nichtdeutschen ab, sie müssen nur angewandt werden." So seien auch populistische Äußerungen von mehr oder weniger bekannten Politikern wenig hilfreich und würden mehr schaden als nützen, zudem würde damit auch die Arbeit der Ehrenamtlichen erschwert.
Die Ehrenamtlichen der Helferkreise müssen mit den Unterschieden der Gesellschaftsformen zurechtkommen. Unterschiede, die oft zu Missverständnissen und Verständnisproblemen führen. "Es gibt eigentlich keinen Leitfaden des Handelns", sagt Michaela Herchenhan dazu. Standardisierte Lösungen gebe es nicht. Vielmehr gehe es darum, mit dem vermittelten Wissen - etwa über die kulturellen Unterschiede - Verständnis zu gewinnen für unterschiedliche Verhaltensweisen. Die Referentin gab Impulse, sich selbst zu hinterfragen, wie das jeweilige kulturelle Umfeld Denkweisen beeinflusst.