Ist unser Wald in Gefahr, weil immer mehr Menschen in Kachelöfen oder Hackschnitzelheizungen heimisches Holz verfeuern? Gerhard Hofmann, Leiter des Forstreviers Wachenroth, beantwortet diese Frage mit einem klaren Nein. Im Gegenteil: "Bei uns wird immer noch weit weniger Holz genutzt als nachwächst", sagt der Förster und betont, dass eine Übernutzung der Wälder kein Thema ist. Vor allem die privaten Waldbesitzer sollten und könnten mehr Holz aus ihren Beständen herausholen.

In ihren Wäldern schlummert jede Menge bares Geld, das sie einnehmen könnten, ohne eine Hand zu rühren. "Von wirtschaftlicher und politischer Seite sind die Bedingungen derzeit ideal", sagt Hofmann. Wer beispielsweise seinen privaten Kiefernwald von einem Forstunternehmen durchforsten lässt, darf nach Abzug aller Kosten einen Reinerlös von 40 Euro pro Festmeter erwarten. Bei einem Hektar geht man von 80 Festmetern Kiefernholz aus, was 3200 Euro einbringt. Wer seinen durchforsteten Wald dann noch "natürlich verjüngt", indem er verschiedene Laubbäume hochkommen lässt, bekommt 1000 Euro Zuschuss pro Hektar. Nachpflanzen von Bäumen wird mit einem Euro pro Pflanze gefördert.


Fünf verschiedene Baumarten sollen hier wachsen



Revierleiter Hofmann wundert sich, dass bei diesen Bedingungen "nicht mehr geht". Er hat rund 3000 Waldbesitzer in seinem Revier, aber es nutzen nur die wenigsten die Chance, mit ihrem Wald Geld zu verdienen und gleichzeitig etwas für den Wald und die Nachhaltigkeit zu tun. Dabei habe man alles vor Ort: Die fachliche Beratung durch das Forstamt ebenso wie die Forstunternehmen, die den Waldbesitzern die Arbeit abnehmen.

Aus Sicht der Forstexperten wäre es dringend nötig, die heimischen Wälder umzubauen und sich von den Reinbeständen mit nur einer Baumart zu verabschieden. Mindestens drei, besser fünf verschiedene Baumarten sollten in den Wäldern wachsen, findet Hofmann. Um das zu ermöglichen, muss in den Beständen kräftig ausgeforstet und verjüngt werden.

Der Förster appelliert an die Waldbesitzer, aktiv zu werden, zumal auch ein ordentlicher Holzertrag in Euro lockt. Hofmann hat kürzlich erst eine Statistik erstellt, wonach von den über 1000 in der Waldbauernvereinigung Erlangen-Höchstadt zusammengeschlossenen Kleinwaldbesitzern nur 120 Holz verkauft haben.

Die Wald- und Holzwirtschaft setzt auf Nachhaltigkeit. Darunter verstehen die Forstexperten die Weiterentwicklung eines Waldes. Es müsse mehr Licht hineingebracht und neue Bäume gepflanzt werden. "Wenn wir mit der Verjüngung so weitermachen wie bisher, brauchen wir 400 bis 500 Jahre", rechnet Gerhard Hofmann hoch - außer der bestehende Wald werde durch Sturm oder Insekten schlagartig zerstört.


Natürliche Verjüngung



Überhaupt müsse man Waldbau langfristig sehen, meint Waldbesitzer und Unternehmer Gerhard Schmidt. Die Aktivitäten sind "auf hundert Jahre" angelegt. Schmidt hat vor einigen Jahren eine Fläche im Wald oberhalb von Unterwinterbach "natürlich verjüngt". Hier wachsen unter anderem Buchen, Eichen, Kiefern und auch Fichten nebeneinander. Nach Hofmanns Schätzung hat die Natur hier 10.000 Pflanzen auf einem Hektar hochkommen lassen.

Dies aber auch nur, weil Schmidt um die Fläche einen Zaun gezogen hatte. Vor allem die jungen Laubbäume hätten sonst kaum eine Chance, stattliche Exemplare zu werden. Rehe würden die jungen Triebe abfressen, wie sich außerhalb von Einzäunungen immer wieder zeigt. "Für eine natürliche Waldverjüngung haben wir zu viel Wild", stellen Hofmann und Schmidt unisono fest.

Dies entspreche auch nicht den gesetzlichen Vorgaben, sagt Förster Hofmann. Danach müssten Wild und Wald im Gleichklang sein. Der Wildbestand müsse es immer noch ermöglichen, dass bei der natürlichen Waldverjüngung auch Laubbäume eine Chance haben groß zu werden.


Der Wald müsste lichter sein



"Wir müssen überhaupt unser Waldbild ändern", fordert Gerhard Hofmann. Der ganz dichte, dunkle Wald sei nicht ideal, er sollte viel lichter sein. Naturfreunde sollten sich auch keine Sorgen machen. Hofmann: "Ein heute abgeholzter Wald steht in 20 Jahren wieder da."