Als Andrej Ulrichs mit seinen beiden Kindern und dem Familienhund spazieren geht, ist er vorsichtig. "Yannick, halt die Leine kurz", ruft er seinem elfjährigen Sohn zu. Das Gassi gehen ist für den Familienvater zurzeit kein Vergnügen. Denn genau dort, an dem Fußweg zwischen der Sonnenstraße in Niederndorf und der Berufsschule, hat Finchen, die dreijährige Hündin, etwas Schlimmes gefressen und wäre daran fast gestorben. Da war am Montagabend.

Andrej ist sicher: Das war ein Giftköder. Der Tierarzt bestätigte ihm seinen Verdacht. "Die Symptome deuteten auf Strychnin" hin, sagt der 38-jährige Niederndorfer. Er hat deswegen Anzeige bei der Polizei erstattet und auch selbst die Initiative ergriffen. Mit drei Hinweisschildern warnt er die Bevölkerung vor einem möglichen Gifttäter. Und hat aus eigener Tasche sogar eine Belohnung von tausend Euro ausgesetzt.

Ein Tag später.
Dienstag gegen 20 Uhr. Erich Günther führt seine Hündin Olga aus. Ihr Weg führt vom Schützengraben hinab zu Möbel Fischer. Irgendwo in Höhe des Autowaschplatzes muss es passiert sein. Auch die Mischlingshündin hat sich dort irgendetwas geschnappt, es gefressen. "Sie war einfach länger im Gebüsch als üblich",sagt Günther im FT-Gespräch. Zwei Stunden später sei sie ganz plötzlich zusammengebrochen, erklärt der Hundebesitzer und schildert die gleichen Symptome wie bei Finchen. Zwei Tage lang habe der betagte Vierbeiner (Olga ist fast 13 Jahre alt) "massive Erscheinungen" gezeigt. Günther: "Ihr haben plötzlich die Zähne geklappert, das hab ich noch nie gesehen." Inzwischen geht's der alten Dame wieder besser.

Auch ihm gegenüber habe der Tierarzt bestätigt, dass es sich vermutlich um Gift handelt. Und zwar um ein Nervengift, möglicherweise Strychnin. Wie die Ulrichs auch hat Günther eine Urinprobe des Tieres abgegeben. Erst nach deren Auswertung könne man gesicherte Fakten erhalten, sagt er. Wichtig aber sei schon jetzt, die Bevölkerung und auch andere Hundebesitzer zu warnen. "Ich habe meine Bekannten alle schon angerufen", sagte der Herzogenauracher. Auch er hat inzwischen Anzeige erstattet.

Die Polizei nimmt die beiden Vorfälle ernst. Auch Inspektionsleiter Norbert Hacker geht offensiv an die Bevölkerung. Für ihn ist wahrscheinlich, dass "ein ein wahllos agierender Täter" die Hunde vergiftet hat. Darauf deutet der räumliche und zeitliche Zusammenhang hin. Beide Fälle waren in der Nachbarschaft auf öffentlichem Grund, beide waren fast zur gleichen Zeit und in beiden Fällen gab es die gleichen Symptome. Eine gezielter Angriff sei eher auszuschließen, denn sonst hätte jemand Gift über den Zaun geworfen, mutmaßt der Polizeihauptkommissar weiter. Mit einem dritten Fall, der sich bereits Ende Februar zwischen Hauptendorf und Niederndorf ereignet hat, sieht Hacker jedoch keinen direkten Zusammenhang.

Intensive Ermittlung

Die Polizei Herzogenaurach ermittelt nun intensiv wegen Verstößen nach dem Tierschutzgesetz und mahnt vorsorglich alle Hundebesitzer zu erhöhter Aufmerksamkeit beim Gassi gehen. Sie bittet außerdem um Hinweise zur Ermittlung des Täters. Wer Verdächtiges beobachtet hat, möge sich bei der Polizei melden (Tel. 78090).
Die Vergiftungserscheinungen der beiden Tiere deuten laut Andrej Ulrichs eindeutig auf ein Nervengift hin. Er habe zuschauen können, wie qualvoll das für Rinchen gewesen sein musste. "Sie zitterte, krampfte, verlor die Kontrolle und hatte Panikattacken", beschreibt es der Hundebesitzer. Sie riss sich das Fell aus und wies auch alle weiteren Symptome auf, die auf ein Nervengift, und da vermutlich Strychnin, schließen lassen. Ulrichs weist auf seinen Täfelchen auch darauf hin, dass selbst spielende Kinder in Gefahr seien. Das Tier habe in der Tierklinik in Bruck eine Infusion und ein Gegenmittel bekommen. Dieses Antidot habe dann angeschlagen und den Hund ruhig gestellt.

Am Freitag Nachmittag war ein Hundeführer der Hundestaffel aus Nürnberg gemeinsam mit Schäferhund Harry vor Ort. Das soll in den kommenden Tagen ein paar Mal geschehen, schlicht um Präsenz zu zeigen. Einmal soll ein möglicher Täter dadurch abgeschreckt werden, sagte PI-Leiter Hacker. Zum anderen habe man die Möglichkeit, mit Hundehaltern ins Gespräch zu kommen.

In diesem Zusammenhang weist die Polizei vorsorglich darauf hin, dass Hinweisen im Internet, zum Beispiel auf Facebook, nicht nachgegangen werde. Im Internet, so sei die herrschende Meinung der Gerichte, könne jeder - auch unter falschem Namen - Behauptungen in den Raum stellen, deren Wahrheitsgehalt für Norbert Hacker fragwürdig ist. Der PI-Chef: "Für die Ermittlungsarbeit ist es unerlässlich, dass Hinweise von realen Personen kommen müssen, die ihre Aussage am besten unterschriftlich bei der Polizei zu Protokoll geben."