Den Ministerpräsidenten Horst Seehofer live und direkt erleben - das soll das neue Veranstaltungskonzept der CSU möglich machen. Das Publikum bestimmt bei "Seehofer Direkt", worüber geredet wird.
Nach dem Auftakt der neuen Veranstaltungsreihe in Deggendorf kam der CSU-Chef ins Puma Brand Center zu einer Art "Jetzt red i" der Moderne. Auch über Facebook, Twitter oder Mails sollten sich die Bürger in die Diskussion einschalten können.

Begegnung mit dem Vorsitzenden

So funktioniert die neue Kommunikationsmöglichkeit: Bei so genannten Town Hall Meetings soll unter dem Motto "Seehofer direkt" eine "ungeschminkte" Begegnung mit dem Vorsitzenden angeboten werden. Trotz aller Kanäle und Medien via Internet gibt es bei diesem Angebot den direkten und persönlichen Dialog mit dem Parteichef. In Deggendorf schien er selbst zu lange geredet zu haben.
Denn Seehofer kündigte an: "Ich werde mich heute zurückhalten, Sie haben das Wort."

Jede Menge Besucher, darunter die Mandatsträger und Kandidaten für die Wahlen 2013 und 2014, sowie Politprominenz aus Land und Bund nahmen an dem Abendprogramm bei Puma teil, moderiert von Ralf Exel von Sat1. Nachdem Horst Seehofer eingetroffen war, begrüßte ihn der neue Chief Operating Officer bei Puma, Andy Köhler. Der Ministerpräsident wurde mit einem neuen Shirt fotografiert. "Das war eins von Borussia Dortmund, so hat mich noch nicht mal die Bundeskanzlerin über den Tisch gezogen", erzählte Seehofer schmunzelnd auf der Bühne.

Zeitgemäße Verkehrsinfrastruktur für Großraum Nürnberg unerlässlich

Bei der Frage von Kurt Zollhöfer, wie es denn mit der Stadtumlandbahn weitergehen werde, kam etwas Unruhe ins Brand Center. "Ich merk' schon, das ist ein Thema, das Sie bewegt", meinte Seehofer, als er die Reaktionen des Publikums mitbekam. Er sagte, für den Großraum Nürnberg und damit für die Metropolregion sei eine zeitgemäße Verkehrsinfrastruktur unerlässlich.

Die Bayerische Staatsregierung stehe hinter der Stadtumlandbahn. "Die ist notwendig, förderungswürdig und ein berechtigtes Anliegen", erklärte Seehofer. Deshalb habe die Staatsregierung das Vorhaben beschlossen und in Berlin angemeldet. Denn gerade im Großraum müsse der Nahverkehr besser ausgebaut werden. "Der Verkehr wird dramatisch zunehmen und deshalb muss der Ausbau der Infrastruktur vorangetrieben werden."

Seehofer weiß auch, dass die Umlandbahn keine billige Angelegenheit werden wird. Das Vorhaben stehe zwar außer Frage, die Finanzierung sei aber schwierig. Deshalb werde er, im Falle seiner Wiederwahl, in Berlin vorstellig werden und die Bundesregierung von dem Vorhaben überzeugen. "Da müssen dann alle mitziehen, angefangen von den Gebietskörperschaften, das Land Bayern und nicht zuletzt die Bundesregierung."

"Herzogenaurach ist ein Juwel Bayerns"

Dann kam er auf den Ort der Zusammenkunft zu sprechen. "Herzogenaurach ist ein Juwel Bayerns", schmeichelte Seehofer den Herzogenaurachern. Er wusste das aber auch zu begründen und verwies auf die hervorragenden Firmen, einen funktionierenden Mittelstand und auf die "wunderbaren Menschen" in der Region. Außerdem sei er schon öfter in Herzogenaurach gewesen, als die Menschen überhaupt wüssten, so habe er schon früher bei den Sportartikelfirmen für seinen Verein gebettelt, gestand er.

Auch der Fall Gustl Mollath war ein Thema. Seehofer stellte klar, dass in einer Demokratie kein Politiker, auch kein Ministerpräsident, auf die Justiz Einfluss nehmen dürfe. Gleichwohl erwartet der Ministerpräsident, dass das Verfahren nicht noch weiter verzögert wird, sondern die Gerichte zeitnah entscheiden sollten.

Eine Fülle an Themen

Noch viel mehr Punkte sprach der CSU-Chef an, zum Beispiel die Grundschulen und die Förderschulen. Auch zur Windkraft nahm er Stellung, nachdem ihn Günther Doliwa als Wendehals tituliert hatte. "Meine Position zur Energiewende muss ich nicht mehr begründen", betonte Seehofer. So sei der Ausstieg aus der Atomenergie richtig gewesen und die Erneuerbaren Energien müssten vorangebracht werden. Seehofer plädiert aber für den Einsatz von Gaskraftwerken, bis die erforderliche Speichertechnologie verfügbar ist. Aber auch er wolle keine "Verspargelung unseres Landes": "Was ich vor meiner Terrasse nicht haben will, das mute ich auch keinem anderen zu."

Überall die gleichen Chancen

Fazit der vielen Fragen: Seehofer möchte die ländlichen Räume, insbesondere Nordbayern, stärken und überall gleiche Bedingungen schaffen. "München ist überhitzt, und wir können den Norden nicht ausbluten lassen", sagte er. Deshalb würden wohl künftig noch weitere Behörden und Ämter in den Norden Bayerns verlagert. "Die Leute dürfen nicht wegziehen und wir müssen erreichen, überall gleiche Chancen zu schaffen", erklärte Seehofer.

Die Bürger wurden in der dreistündigen Veranstaltung nicht nur beschallt, Seehofer hörte geduldig zu und konnte auch einige spezielle Fälle, die ein Mitarbeiter notierte, mit nach München nehmen.
Im Foyer waren zwei junge Damen ganz begeistert. "Das war eine super Veranstaltung, er hat sich wacker geschlagen - ein wunderbarer Ministerpräsident", meinte eine der Damen zu ihrer Bekannten.