Der 21-jährige Dennis Zeilmeier aus der Oberpfalz war der Erste. Was zuvor im Reagenzglas im Labor und in Tierversuchen bestens funktionierte, hat sich erstmals auch in der klinischen Praxis bei ihm bewährt - die Transplantation von B-Lymphozyten des Spenders, um so die Infektionsgefahr beim Patienten deutlich abzusenken.

Der junge Oberpfälzer wirkte am Donnerstag bei der Pressekonferenz zwar ein wenig blass, er fühle sich inzwischen jedoch pudelwohl, versicherte er. Die Blässe rühre daher, dass er sich UV-Licht nicht aussetzen darf.

Andreas Mackensen, Direktor der Klinik für Hämatologie und Internistische Onkologie, präsentierte das Ergebnis jahrelanger Forschungsarbeit seiner Kollegen natürlich nicht ohne Stolz.
"Unsere vorklinischen Laborergebnisse haben klar gezeigt, dass das Erlanger Verfahren die Infektionsrate nach einer Stammzellen-Transplantation entscheidend senken kann", so Mackensen.


Hohes Infektionsrisiko

Und genau darauf kommt es in der Praxis an. Zur Vermeidung einer Abstoßungsreaktion nach einer Stammzellen-Transplantation sind Medikamente erforderlich, die das Immunsystem des Patienten erheblich unterdrücken. Die Folge: Ein sehr hohes Infektionsrisiko. Das neue Immunsystem baut sich erst wieder im Lauf von Monaten und Jahren auf. Julia Winkler, die bei der praktischen Erprobung in der Klinik federführende Ärztin, wies darauf hin, dass nach einer Stammzellen-Transplantation die Gefahr einer Infektion für die Patienten bei rund 50 Prozent liege. Bei etwa 15 bis 20 Prozent dieser Fälle nehme die Infektion einen tödlichen Ausgang.

Mit Hilfe des neuen Verfahrens möchte man derlei Fälle um bis zu 30 Prozent reduzieren. Die bisher hohe Mortalitätsrate rührt auch daher, dass es unmittelbar nach einer Stammzellen-Transplantation für wichtige Immunreaktionen beispielsweise gegen Pilze oder Herpesviren keine Impfstoffe gibt. Hier setzt das Erlanger Verfahren an. "Bei diesem neuartigen Verfahren werden Patienten wenige Wochen nach der klassischen Stammzellen-Transplantation funktionsfähige aufgereinigte B-Lymphozyten desselben Spenders übertragen", so der Klinikchef.


Erfolgreiche Tierversuche

Auf die Idee mit den B-Lymphozyten war eine Arbeitsgruppe um die Professoren Thomas Winkler und Michael Mach gekommen, der eine Biologe, der andere Virologe. Warum B-Lymphozyten? Der Biologe erklärt, dass es sich dabei um die Immunzellen handelt, die Antikörper gegen Bakterien, Viren sowie Pilze produzieren und damit eine sehr wichtige Rolle bei der Abwehr von Infektionen einnehmen."Wir konnten in Tierversuchen eine deutlich schnellere Wiederherstellung der B-Zell-Immunität und eine Reduzierung der Infektionsgefährdung nach der Stammzellen-Transplantation feststellen", so Julia Winkler.

Die Erfahrungen mit dem ersten Klinikpatienten bestätigen die im Labor gemachten Erfahrungen. Nachdem der die Immunzellengabe sehr gut vertragen hat, wird die Studie mit weiteren Patienten fortgeführt. So werden neben Patienten aus Erlangen auch solche der Unikliniken Essen, Regensburg und Würzburg an der Studie teilnehmen. Bleiben die Ergebnisse stabil, dürfte das Erlanger Verfahren auch weltweit zum Einsatz kommen.

Und Dennis Zeilmeier? Das von ihm so geliebte Fußballspielen geht nicht mehr. Sein Ziel ist ein anderes: Nach monatelangen Klinikaufenthalten wieder so richtig am Leben teilhaben können. In diesem Jahr wird er noch nicht arbeiten, aber ab 2015 soll auch das wieder möglich sein, gibt sich Dennis zuversichtlich. Zwar nicht mehr als Maler und Lackierer, seinem erlernten Beruf. Aber er wird umschulen. Dennis schaut optimistisch in die Zukunft. Auch dank der Erlanger Ärzte, die ihm mit ihrem neuen Verfahren geholfen haben.