Die Zeit heilt nicht alle Wunden. Einen geliebten Menschen zu verlieren, schmerzt - heute, morgen, auch nach Jahren, vielleicht ein ganzes Leben lang. "Zu dem Schmerz kommt die Einsamkeit, oft auch Wut, Verzweiflung, die bohrende Frage nach dem Warum", erklärt Verena Kubin, Leiterin der Sozialberatung der Caritas im Landkreis. "Zu uns in die Beratungsstelle kommen immer wieder Menschen, die jemanden verloren haben und mit diesen Gefühlen konfrontiert sind. Für sie haben wir das Trauercafé geschaffen."

Gefühle zulassen

Ein geschützter Ort soll das Trauercafé sein, an dem über genau diese Gefühle und Fragen gesprochen werden kann, ohne Angst vor Verurteilung oder verständnislosen Blicken. Ein Treffpunkt, an dem Trauernde sich mit anderen Trauernden austauschen und über ihre Erfahrungen reden können.
"Uns ist wichtig zu vermitteln, dass all diese Gefühle sein dürfen, dass man sie zulassen, dass man trauen darf", sagt Kubin. "Wir wollen auch Wege und Möglichkeiten aufzeigen, wie man mit der Trauer umgehen kann, wie man Zeiten durchsteht, in denen es einem besonders schlecht geht."

Kommen darf zu den Treffen jeder, der will. "Egal wen man verloren hat oder wie lange der Verlust her ist, unsere Türe steht jedem offen", sagt Kubin. Man kann außerdem kommen wann und so oft man möchte. "Das ist der Unterschied zwischen einem Trauercafé und einer Trauergruppe", erklärt Kubin. "Bei der Gruppe gibt es feste Mitglieder, die zu allen Treffen kommen. Bei uns ist das so: Wer Redebedarf hat oder wem es nicht gut geht, der kommt, wer nicht kommen möchte, ist nicht verpflichtet."

Auch Alter oder Religionszugehörigkeit spielen keine Rolle. "Hier muss niemand offenbaren, ob er oder ob er nicht gläubig ist." Auch seinen Namen und seine Geschichte kann, wer das will, für sich behalten. "Am Anfang jedes Treffens gibt es eine Vorstellungsrunde", erklärt Kubin. "Da stellen sich zunächst die Verantwortlichen vor." Außer ihr sind meist auch Pfarrer Torsten Bader und Karin Kolberg für die Diakonie dabei. "Dann kann jeder der Teilnehmer sich vorstellen, wenn er das möchte." Ein Text, den Kubin oder einer der anderen Verantwortlichen vorliest, gibt den Impuls zu Gesprächen und Diskussionen. "Oft geht es da um bestimmte Aspekte der Trauer. Etwa um die Reaktionen der Umwelt, der Nachbarn, der Arbeitskollegen."

Gut gemeinte Sätze helfen nicht

In der ersten Zeit nach dem Tod des Partners, der Eltern, eines Geschwisters oder eines Kindes sei das Angebot an Hilfe und Unterstützung meist groß. "Nachbarn bringen Essen, oder fahren die Kinder in die Schule." Nach einer Zeit erwarte die Umwelt aber meist, dass man sich "wieder fängt", erzählt Kubin. "Gut gemeinte Sätze wie ,Das wird schon wieder‘ oder ,Die Zeit heilt alle Wunden‘ trösten aber nicht, sondern schmerzen eher. Anders als der Tod selbst, der in den Medien immer präsent ist, hat die Trauer in unserer Gesellschaft kaum Platz."

Viele Trauernde fingen an, an sich selbst zu zweifeln, daran, ob sie nicht normal seien, wenn sie nach einer bestimmten Zeit immer noch trauern. "Oft ziehen sich die Mitmenschen nach einer Zeit auch zurück, weil sie nicht genau wissen, was sie sagen sollen und Angst haben, etwas falsches zu sagen." Dabei sei es gar nicht so wichtig, viel zu sagen. "Am besten ist, da zu sein, den Trauernden nicht allein zu lassen."

Wo die Trauer lauert

Besonders jetzt, im Herbst und Winter, sei es für viele Trauernde schwer, mit ihrem Verlust umzugehen. "Wer Angst hat und traurig ist, für den sind die Nacht und die Dunkelheit besonders schlimm." Auch spezielle Tage, wie etwa Allerheiligen beschwören die Trauer oft mit aller Macht herauf. "Ganz schwer ist auch die Weihnachtszeit, oder Anlässe wie der Hochzeitstag, Geburtstag oder Todestag", erklärt Kubin. "Bei unseren Treffen beschäftigen wir uns auch damit, wie man diese Tage bewältigt."

Dafür gibt es zum einen die Impulse der Café-Leiter, zum anderen aber auch die aus der Gruppe. "Es geht ja auch darum, dass die Trauernden miteinander ins Gespräch kommen, sich gegenseitig Rat und Unterstützung geben können." Das Gespräch kann dabei entweder in der großen Runde mit allen Anwesenden stattfinden, oder aber in kleineren Gruppen, die sich auf mehrere Tische verteilen. "Je nachdem, was sich ergibt. Es soll ein zwangloses Treffen sein", sagt Kubin. Sie greife nur moderierend ein, um sicherzustellen, dass jeder zu Wort kommt, der möchte, und dass der, der spricht, Gehör findet.

Die Zeit heilt nicht einfach so alle Wunden. "Aber die Trauer zuzulassen und sich mit ihr auseinanderzusetzen hilft bei der Heilung", sagt Kubin. "Auch wenn die Narbe vielleicht immer bleiben wird."


Das offene Trauercafé

Das Trauercafé findet jeden vierten Montag im Monat von 18 bis 20 Uhr statt. Die nächsten Termine sind der 24. November und der 22. Dezember. Veranstaltungsort ist das Haus der Caritas in Höchstadt, in der Steinwegstraße 2. Kommen kann jeder, unabhängig von Alter oder Religionszugehörigkeit. Eine Anmeldung ist nicht nötig.

Ansprechpartner sind Verena Kubin, erreichbar unter 09131/88560 oder info@caritas-erlangen.de oder Pfarrer Torsten Bader und Karin Kolberg, Telefon 09548/206, pfarramt.muehlhausen@elkb.de