Keine Gewänder, Krone und Turbane mussten heuer hergerichtet, gebügelt und nach Größen für angemeldete Sternsinger sortiert werden. In der Höchstadter St.-Georgs-Pfarrei liefen sonst jedes Jahr rund 100 Kinder und Jugendliche alle Häuser und Wohnungen im Pfarrgebiet inklusive Lonnerstadt mit seinen Ortsteilen an und überbrachten den Segen. Die Verantwortlichen waren alljährlich dankbar für die Unterstützung so vieler Familien, so dass auf keinen Bestellmodus umgestellt werden musste.

Sollte Corona dieses ehrenamtliche Engagement verhindern? Nach der Übereinkunft der bayerischen Staatsregierung mit der katholischen Kirche Bayerns war klar: Hausbesuche von Sternsingergruppen kann es in diesem Jahr nicht geben. So setzten sich die Verantwortlichen der Pfarreien Höchstadt, Gremsdorf und Sterpersdorf zusammen, um ein kreatives, der Situation angepasstes Konzept zu entwickeln. Schlussendlich wollte man die Menschen "nichts abholen lassen, den Neujahrssegen muss man bringen, schenken und sternförmig verteilen", wie Stadtpfarrer Kilian Kemmer hervorhob. Als Christ müsse man Hoffnungsträger statt Bedenkenträger sein, betonte Kemmer bei der Bewerbung der ganz anderen Aktion.

So konnten Marianne Mader in Gremsdorf, Kerstin Buisker in Sterpersdorf sowie Martina und Lukas Schwägerl für Höchstadt mit ihren Helferteams tatsächlich so viele ehrenamtliche Unterstützer finden, dass der Segensspruch auf einem Klebeband zusammen mit einer Spendenbitte für Kinderprojekte in der Ukraine an alle Haushalte verteilt werden konnte. Das bedeutete nicht weniger Vorbereitungsarbeit im Vorfeld.

In Höchstadt konnte das Ehepaar Schwägerl das Pfarreigebiet in 50 Bezirke aufteilen, die von weit mehr als 100 Segensbringern zum Verteilen aufgesucht werden. Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Familien, ehemalige Sternsinger, die Ordensschwestern und die Geistlichen übernahmen die Aufgabe der Segensverteilung. Die Kalkulation nach Haushalten und Straßenzügen sowie die Aufteilung der 5000 Segenssprüche und Grußkarten nahm in Höchstadt sehr viel Zeit in Anspruch.

Klebeband über der Rathaustür

Bei der Segnung der Segensbringerpakete auf dem Höchstadter Marktplatz zeigte sich am Dreikönigstag Bürgermeister Gerald Brehm (JL) mehr als beeindruckt, dass in Zeiten der Pandemie soviel an "Wir-Gefühl" spürbar sei.

Am Beginn eines neuen Kalenderjahres stelle dieses ehrenamtliche Engagement eine mit dem Impfstoff vergleichbare Hoffnung dar so Brehm. "Wo Menschen so solidarisch denken und handeln, gehen wir in eine behütete Zukunft", meinte das Stadtoberhaupt. Zugleich rief Brehm auf, den Einsatz so vieler Kinder, Jugendlicher und Erwachsener mit einer großzügigen Spende für Kinder im Kriegsgebiet der Ukraine zu bedenken.

Den ersten gesegneten Klebestreifen brachte Brehm selbst über der Eingangstür des Rathauses an, nachdem Stadtpfarrer Kemmer im Neujahrssegen um Schutz vor Pandemie und um den Erhalt der Arbeitsplätze bei Schaeffler gebeten hatte. Die Haussegnungen des Krankenhauses, des Seniorenzentrums und des Landratsamtes am Schlossberg nehmen die Geistlichen heuer in separaten Zeremonien vor.