Nach und nach sind die Bürger am Dienstagabend in der Grundschule Süd eingetroffen. Als der Musiksaal voll besetzt war, mussten sie sogar in das Foyer der Grundschule umziehen. Vor Polizeichef Jürgen Schmeißer saßen schließlich rund 65 Höchstadter - er blickte in besorgte Gesichter. Denn die Einbruchsserie in Höchstadt-Süd reißt nicht ab. Viele Hauseigentümer fragen sich, wie sie sich wirksam vor Einbrüchen oder Einbruchsversuchen schützen können. Initiiert wurde das Treffen von einer beunruhigten Anwohnerin, die selbst schon Einbruchsopfer war. Ort und Zeitpunkt des Treffens habe man nicht öffentlich bekannt gegeben, weil man Angst hatte, dass in dieser Zeit Einbrecher zuschlagen könnten.

Polizeichef Schmeißer wollte die aufgewühlten Anwohner beruhigen. "Ich möchte den Leuten die Vorbehalte und die Angst nehmen. Natürlich sind sie jetzt sehr unsicher", sagt Schmeißer. Besonders schlimm sei es im Jahr 2015 gewesen. 23 Einbrüche musste die Polizeiinspektion damals in Höchstadt-Süd verzeichnen. Aber warum ist ausgerechnet der Höchstadter Süden von so vielen Einbrüchen betroffen? "Höchstadt-Süd liegt für Einbrecher am günstigsten", erklärt Schmeißer. Schnell könnten die Diebe auf eine der vielen umliegenden Autobahnen auffahren und flüchten. Deswegen habe er bereits seit dem Jahr 2011 angeordnet, dass sich Polizisten vermehrt am Karpfenkreisel und im Bereich Gremsdorf positionieren, um potenzielle Täter abzuschrecken.

Als weitere Maßnahme schicke er seine Beamte mehrmals wöchentlich sowohl uniformiert als auch zivil auf Streife in Höchstadt-Süd. Diese seien dann nur dafür zuständig, mögliche Einbrüche zu beobachten. Günter Schiffmann, ein besorgter Bürger, äußert dazu im Gespräch mit dem FT: "Ich bin beunruhigt, weil ich in Höchstadt-Süd nie Streifenwagen sehe. Weder in zivil noch uniformiert. Ich habe da schon aufgepasst."


Das Misstrauen wächst

Eine andere Bürgerin sagt in die Runde, dass auch das Misstrauen zwischen den Bürgern immer mehr wachse. "Ich traue mich nicht mehr, beim Bäcker zu sagen, dass ich in Urlaub gehe. Es könnte ja jemand mithören", sagt sie. Wieder wird das Stimmengemurmel im Saal lauter. Die Einbrüche würden vor allem von reisenden Banden begangen werden, nicht von Bürgern aus Höchstadt, entgegnet Schmeißer.


Geld und Schmuck im Visier

Das Ziel der Einbrecher sei vor allem Geld und Schmuck. Teure Geräte wie Fernseher werden nicht gestohlen, weil es zu auffällig sei. So etwas habe es vielleicht früher gegeben, in der heutigen Zeit sei das den Einbrechern aber zu risikoreich.

Geändert habe sich außerdem die Art und Weise einzubrechen. Einen Stein durch ein Fenster zu werfen sei durchaus üblich, berichtet Schmeißer. Dadurch findet die Polizei bei Verdächtigen kein Einbruchswerkzeug im Auto.

Um Geld, Schmuck oder Wertpapiere sicher zu verwahren, können Bürger bei Banken ein Schließfach mieten. Das bietet sowohl die Sparkasse Höchstadt, als auch die VR Bank Erlangen-Höchstadt-Herzogenaurach ihren Kunden an. Den Schlüssel für das Fach bekomme der Kunde. In den Raum, in dem die Schließfächer stehen, gelange man aber nur mit einem Mitarbeiter, erklärt Sparkassensprecher Christian Enz. Seit dem letzten Vierteljahr verzeichne die Sparkasse wegen der Einbruchsserie eine höhere Nachfrage nach den Schließfächern, so Enz.

Um sich vor Einbrüchen zu schützen, gibt Schmeißer folgende Tipps:

1. Wachsame Nachbarn: "Der beste Einbruchschutz ist ein aufmerksamer Nachbar." Das betont Jürgen Schmeißer immer wieder. Deshalb sei es wichtig, dass Nachbarn Merkwürdiges sofort der Polizei melden. Einen Fehlalarm müsse der Bürger nicht selbst zahlen, wie Schmeißer auf die Frage einer Bürgerin antwortet.

2. Fenster schließen: Wichtig sei es, Fenster immer zu schließen. Selbst ein gekipptes Fenster stelle für Einbrecher kein Problem dar, so Schmeißer. Außerdem sollten Türen immer abgeschlossen werden. Sie nur ins Schloss fallen zu lassen, bringe nicht viel.

3. Licht anlassen: Nützlich sei es, bei Abwesenheit ein Licht brennen zu lassen. Bewegungsmelder könnten dabei helfen, eventuelle Einbrecher zu verscheuchen. Einbrecher schlagen vor allem während der Dämmerung zu, wenn es noch dunkel ist oder gerade dunkel wird.

4. Sicherheitstechnik: Besorgte Bürger können in Sicherheitstechnik investieren. Viele Firmen seien darauf spezialisiert, Häuser und Wohnungen auf Schwachstellen zu prüfen. Ein Mitarbeiter schaue sich die Gegebenheiten vor Ort an und macht dann Vorschläge, was man alles verbessern könne. Finanziell seien dabei natürlich keine Grenzen gesetzt, so Schmeißer. Zeitschaltuhren, Bewegungsmelder und abschließbare Fensterhebel sind nur einige Sicherheitsmaßnahmen.