Schiller soll geschwäbelt haben, Goethe soll man die Frankfurter Mundart auch deutlich angehört haben - manchen Menschen ist es am regionalen Dialekt unverkennbar anzuhören, wo sie herkommen, andere könnten sowohl in Hamburg, als auch in Südbayern zu Hause sein.

Der Dialekt freut sich in der Kunst und Kultur großer Beliebtheit. In Burgbernheim gibt es beispielsweise das fränkische Mundartfestival "Edzerdla", Bands wie "Kellerkommando" mischen fränkische Volksmusik mit modernen Elementen.

Am 1. Juni lädt außerdem der Kulturverein "Bänkla" in Uehlfeld zu einer ersten Mundartnacht ein. Dieser vielfältige Abend ist ein "Versuch, bei uns mehr Mundart zu bringen", sagt Walter Kirsch, erster Vorsitzender des Vereins. Doch wie steht es abseits der Bühne um den fränkischen Dialekt?

Mundart in Schulen

"Die Entwicklung des Dialekts muss man im großen Zusammenhang sehen. Es ist ein globaler Trend, dass kleine Sprachen weltweit verschwinden", erklärt Helmut Haberkamm, bekannter Schriftsteller aus dem Aischgrund. "Der fränkische Dialekt reiht sich da ein", vermutet er.

Für Rosi Wagner, Schulleiterin der Anton-Wölker-Grundschule in Höchstadt, ist es eine Selbstverständlichkeit, wenn ihre Schüler im Unterricht Dialekt sprechen. "Wir finden das gut", sagt sie und fügt an: "Auch wir Lehrer sprechen kein perfektes Hochdeutsch."

"Jeder Mensch erlebt seine eigene sprachliche Sozialisation, die im Elternhaus, im Freundeskreis, in der Schule und im Arbeits- und Freizeitleben erfolgt", erklärt Privatdozentin Almut König von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg über die Ausprägungen der Mundart, die von Person zu Person unterschiedlich ist.Je nach Interesse, Ausbildung und Wunsch könne man sich dann anders ausdrücken. "Die meisten sprechen, wie sie sprechen, nicht weil sie nicht anders können, sondern weil sie es so wollen", so die Dozentin vom Lehrstuhl für Germanistische Sprachwissenschaft.

Ein großer Stellenwert

Auch Rektor Christian Scharting von der Mittelschule Mühlhausen betont: "Der Dialekt hat bei uns einen großen Stellenwert." Vom Kultusministerium sei es sogar gezielt gewollt, dass dieser gefördert und im Lehrplan verankert wird.

"In Lesebüchern sind hin und wieder fränkische Gedichte", sagt auch Rektorin Wagner. Diese bespreche man anschließend in den Klassen. Das mache den Schülern Freude. "Sie haben Spaß daran, auch mal anders reden zu dürfen", so Rektor Scharting. "Wir achten aber darauf, dass die Schüler das Hochdeutsche im Laufe der Zeit erlernen."

Autor Haberkamm blickt hingegen kritischer auf die Entwicklung vom Dialekt und dessen Gebrauch bei den Kindern. In der Schule und im Kindergarten sei das Fränkische schon lange auf dem Rückzug. "Wenn ein Kind stark Dialekt spricht, dann wird es automatisch eingeordnet oder gar belächelt", meint er. Auf lange Sicht werde sich der Dialekt wohl nach und nach zurückziehen.

Nutzen der Mundart

Doch Wissenschaftler seien überzeugt, dass zwei zugleich erlernte Muttersprachen für Kinder am besten seien, erläutert Haberkamm. Denn dadurch lernen sie bereits von Kindesbeinen an, dass es zwei oder mehr Begriffe für nur eine Sache geben kann. "Man wird dadurch sensibler für neue Sprachen", so Haberkamm.

Charakteristisch für den Dialekt im Aischgrund sei es, dass die harten Konsonanten verweicht ausgesprochen werden, sagt der Schriftsteller. Zudem setzen Sprecher oft die Verkleinerungsform ein, zum Beispiel bei den typisch fränkischen Wörtern "Seidla" oder "Männla". Auf der grammatikalischen Seite sei das Fehlen des Genitivs zu nennen.

Beim Lesen- und Schreibenlernen mache der fränkische Dialekt für die Grundschüler wenig Probleme, so Wagner.

Rektor Scharting hingegen merkt an, dass es dem ein oder anderen Schüler schon schwer falle, die korrekte Schriftsprache zu erwerben, wenn er oder sie stark "fränkelt". "Gerade hier machen die harten und weichen Konsonanten Probleme."

Auch falle es den Schülern dann gerade in den Anfängen tendenziell schwer, den Dativ-Artikel "dem" und den Akkusativ-Artikel "den" zu unterscheiden, da diese sich im Sprachgebrauch klanglich oft vermischen.

Sich abzeichnender Widerspruch

Haberkamm sieht im Bestehen des fränkischen Dialekts einen Widerspruch. Auf der einen Seite werde die Mundart gerade im künstlerischen Bereich zunehmend beliebter, während er sich in der Alltagssprache wohl zu einer "Standardsprache mit regionalen Einsprengseln" entwickeln wird.

Es komme letztlich auf die eigene Haltung und Einstellung an, die einen für den Dialekt begeistern kann, findet der Schriftsteller. "Die Offenheit entscheidet."

Mundart auf der Bühne

Der Dialekt ist beliebt in der Kunst und Kultur. Das Stück "Glopf an die Himmelsdür - Ein fränkischer Westen" von Helmut Haberkamm wird am 22. Juni und 27. Juli im Theater Kuckucksheim in Heppstädt aufgeführt.

Die Vorstellung am 8. Juni ist bereits ausverkauft.