"Wir feiern mit, auch wenn wir nicht dabei sein können", hatte eine Familie auf ein Foto geschrieben, das sie, wie viele andere, auf die Bänke der St.-Georg-Kirche gelegt hatte. "Das war auch bewegend für mich", sagt Pfarrer Kilian Kemmer, der in den letzten acht Wochen den sonntäglichen Gottesdienst nahezu allein feiern musste. So konnte er die Gläubigen wenigstens visuell wahrnehmen. Keine einfache Situation für Pfarrer und Gläubige: Der Kontakt zwischen Kirche und Gemeindegliedern wurde massiv eingeschränkt.

Gottesdienst unter freiem Himmel

Das ist ab sofort anders, wenn auch nicht wie vor der Krise. Auch wenn nur 70 Personen im Gottesdienst anwesend sein können und jede zweite Kirchenbank gesperrt ist, sagt der Pfarrer: "Hauptsache, wir können wieder zusammenkommen." Die Kommunion schenkt er mit Handschuhen und geht dafür die Bankreihen ab, in denen die Gläubigen am Rand sitzen, sodass der Mindestabstand stets eingehalten werden kann.

Zur Sicherheit liegen Holzlatten in der Mitte der zugänglichen Bänke. In Bänken, die man nur vom Gang betreten kann, darf nur eine Person sitzen. Ausnahmen sind Familien und Paare. Auch zelebriert Kemmer nun elf Gottesdienste in der Woche, um den Andrang etwas zu entzerren.

Er sieht aber auch, dass viele noch zurückhaltend in die Kirche kommen. Anders unter freiem Himmel an der Lourdes-Grotte. "Das wurde sehr dankbar angenommen", berichtet Kemmer von der ersten Messe dort nach Aufhebung der Einschränkungen.

Pfarrer Kemmer zieht positive Schlüsse

Trotz der immer noch schwierigen Situation kann Kemmer den letzten Wochen etwas Positives abgewinnen: "Es waren wunderschöne Erfahrungen in einer schwierigen Zeit", die der Pfarrer durchaus als segensreich bezeichnet.

Diese Erfahrungen sind direkt aus den Umständen erwachsen. "Aufgrund der notwendigen Distanz und der Abstandes haben wir eine Nähe und Verbundenheit gespürt." Kemmer bezeichnet dieses besondere Gefühl als Gebetsgebundenheit. "Wer glaubt, ist nie allein", hatte Papst Franziskus gesagt. So wusste Kemmer, dass andere mitbeten, wenn er jeden Abend in der Andacht betete oder am Sonntag den Gottesdienst feierte.

Möglich war das auch, weil die Pfarrei beides live im Internet übertragen hat. 14 Tage nach beginn der Einschränkungen wurde der erste Stream ausgestrahlt, der sehr gut angenommen wurde. Dem folgten dann noch 50 weitere mit insgesamt über 34 000 Aufrufen. "Es ist ein großes Gefühl der Dankbarkeit bei den Menschen", sagt Kemmer, "sie haben gespürt: Wir sind für sie da."

Priester nehmen auch Stellvertreterdienst wahr

Und das auch, wenn man sich nicht persönlich begegnet. Denn, so formuliert es Kemmer: "Wir Priester nehmen auch einen Stellvertreterdienst wahr." Das Signal war: Gottesdienste finden statt, auch mit den Gläubigen zu Hause. Zudem war die Kirche täglich für persönliche Gebete geöffnet, die Kommunion konnte am offenen Tabernakel geistig empfangen werden.Denn dass die Kommunion nicht möglich sei, so Kemmer, bedeute nicht, Christus sei nicht gegenwärtig.

Hinzu kamen andere Aktionen und Hilfsangebote. "Die Menschen waren froh über das, was wir ihnen angeboten haben", so Kemmer. Er ist dankbar für die Unterstützung, denn ihm ist wichtig, dass die Menschen spüren, dass der Priester bei ihnen ist, auch wenn er physisch nicht anwesend sein konnte.