Wenn am Weißen Sonntag in den katholischen Gemeinden die Kommunionkinder erstmals zum Tisch des Herrn gehen dürfen und in vielen evangelischen Gemeinden das Fest der Konfirmation begangen wird, dann feiern die Angehörigen der griechisch-orthodoxen Kirche ihr Osterfest.

In Herzogenaurach leben 326 Menschen mit griechischem Pass. "Freilich sind nicht alle Mitglieder und Angehörige der griechisch-orthodoxen Kirche", bemerkt Georgios Halkias. "Viele sind Mohammedaner aus dem Süden unseres Landes, aus der Grenzregion zur Türkei."

Die griechisch-orthodoxe Bevölkerung ist voller Vorfreude auf das Osterfest. "Wie in der römisch-katholischen Kirche ist Ostern für uns das höchste Fest im Kirchenjahr", sagt Themistokles Karalis, der für die ausländischen Arbeitnehmer und deren Einstellung bei Ina-Schaeffler zuständig war.

Dass der griechische Kalender dem römisch-katholischen eine Woche hinterher hinkt, hängt mit der Kirchenspaltung der christlichen Kirche 1054, dem sogenannten "Schisma", und der Kalenderreform im 16. Jahrhundert zusammen.


Mit der ganzen Familie


"Ostern ist für uns auch ein richtiges Familienfest", betont Christina Alexiou aus der Herzogenauracher Flughafenstraße. "Zu Hause in Griechenland kommen alle Familienangehörigen und auch die Nachbarn in der Osternacht oder am ersten Feiertag zusammen. Es wird gegessen und getrunken und der Auferstehung von Christus gedacht. Wir fahren beispielsweise von hier zu unserer Tante nach Karlsruhe und feiern dort mit der Verwandtschaft.

Längst hat Loukas Alexeiou die Vorbereitungen für das Festessen am Sonntag getroffen. Lamm- und Zickleinbraten gehören zum opulenten Mahl am Mittag; am Nachmittag wird zum Kaffee das beliebte "tsoureki" gereicht. Das ist ein ähnlich dem fränkischen Hefezopf geflochtenes Hefeteiggebäck, das in der Mitte mit einem feuerroten Osterei verziert wird.

Rot ist die Farbe des griechischen Osterfests und die griechischen Ostereier schlechthin. "Sie erinnern uns an das Blut, das Christus am Kreuz für die Menschheit vergossen hat", erklärt Alexeious Schwägerin Melina. "Am Gründonnerstag habe ich zahlreiche Eier dunkelrot gefärbt. Früher haben wir das zu Hause in Griechenland mit Schalen von roten Zwiebeln gemacht. Heute nehme ich künstliche Farben." Die Farbe bleibt 40 Tage in einem Gefäß 40 Tage , bevor sie an Christi Himmelfahrt entsorgt wird.

"In der Osternacht stoßen die Gläubigen Eier gegeneinander und der, dessen Eierschale nicht zerbricht, gilt als der Sieger". Ähnliches kennt man im Fränkischen vom "Eiergacksen", wobei die Jugendlichen den Sieger ausmachten und derjenige die "angegacksten Eier" mit nach Hause nehmen durfte, der mit einem unversehrten Ei als Sieger von der Wiese ging.

Melina hat eine lange, entbehrungsreiche Zeit hinter sich. Seit Aschermittwoch hat sie gefastet, auf Süßigkeiten, auf Fleisch und Fisch verzichtet, um sich auf die Auferstehung vorzubereiten. Umso mehr freut sie sich auf das Festmahl an Ostern.

Das griechische Brauchtum in der Vorosterwoche, der Karwoche in der lateinischen Christenheit verwandt, unterscheidet sich kaum von dem der katholischen Kirche. "Wir gehen täglich zur Kirche, beten und am Donnerstag wird dann in der Nacht das heilige Grab vorbereitet. Der Korpus einer Christusfigur wird auf einen Tisch gelegt und für die Auferstehungsfeier in der Osternacht mit Blumen geschmückt."

Melina berichtet weiter: "Zu Hause in Griechenland beginnt am Ostersamstag gegen 23 Uhr der Gottesdienst, der meist zwei Stunden oder länger dauert." Mit den Worten "Christos anesti" (Christus ist auferstanden) verkündet der Priester den Gläubigen das Osterwunder, gibt ihnen den Friedenskuss und die Gläubigen antworten mit "er ist wahrhaftig auferstanden". Gleichzeitig wird das Osterlicht, eine brennende Kerze, weitergereicht. Dieses Osterfeuer soll sich der Legende nach zu Ostern am Grab Christi in Jerusalem selbst entzünden. Mancherorts werden in Griechenland Feuer entzündet und es werden sogar Raketen abgeschossen.


Patengeschenke


Und weil das Licht eine besondere Rolle spielt, wird es auch als Geschenk an Ostern weitergegeben. So erhalten Kinder von ihren Paten zu Ostern eine Kerze als Geschenk. Melina Alexeiou hat für ihr Nürnberger Patenkind Alexandra eine weiße Kerze vorbereitet, die mit einem Geschenk geschmückt ist. Die Sechsjährige wird heute Abend bei der Osterandacht glücklich sein, wenn sie ihre Kerze - verziert mit einer Barbiepuppe - vorzeigen kann. "Jedes Kind möchte die schönste Osterkerze haben und da muss man sich als Pate schon anstrengen, dass die Kleinen nicht enttäuscht sind, wenn sie miteinander wetteifern", so Melina. Aber solche Geschenkorgien, wie man sie an Weihnachten in Deutschland kennt, "gibt es bei uns zu Hause nicht".

Hin und wieder sieht man bei Prozessionen in der Ostern acht auch blaue Kerzen. Melina klärt auf: "Blau sind Kerzen von Familien, die gerade Trauer tragen. Sie färben auch die Eier nicht rot, sondern blau."

Ein wenig wehmütig erinnern sich die Alexeious und Apotheker Georgios Halkias an Osterfeste in der griechischen Heimat. Die Alexeious lebten gegenüber von Korfu an der griechischen Westküste, der Apotheker südlich der weltbekannten Meteora Klöster. "Wenn wir von der Ostermesse nach Hause kamen, dann wartete eine wohlschmeckende scharfe Suppe, die Mageiritsa, auf uns. Sie bestand aus Innereien vom Lamm, gewürzt mit Zitrone, Zwiebel, Fenchel und gestreckt mit ein wenig Reis. Dazu gab es Fladenbrot mit Zaziki und die Männer genossen Ziporo (starken Traubenschnaps), Ouzo oder roten Wein", schwärmt Halkias. Ein absoluter Höhepunkt beim Ostermahl am Mittag sind gebratenes oder gegrilltes Lamm und Zicklein oder das Nationalgericht Kokoretsi: "Kleingeschnittene Lammdärme, die nach sorgfältiger Reinigung spulenartig auf Spieße gewickelt werden und mit gewürzten Tomaten, mit Paprika und Zwiebeln gefüllt sind. Die sind bei uns noch beliebter als Döner Kebap in der Türkei."

Herzogenaurachs griechisch-orthodoxe Christen feiern die Osternacht mit Landsleuten in der katholischen St. Bonifatius Kirche in Erlangen oder dem eigenen Gotteshaus in Nürnberg in der Oberen-Kanal-Straße.