Udo Gans wird von seinen Kollegen besonders genau beäugt. Er darf als erster in der Polizeiinspektion Herzogenaurach die blaue Uniform tragen. Als einer von 500 Testern in Bayern wird er bis März 2015 die neue Kluft genau unter die Lupe nehmen, aufschreiben, was verbessert werden könnte und sicherlich den ein oder anderen verwunderten Blick auf der Straße abbekommen.

"Ich bin stolz und glücklich, dass ich zu den Testern gehöre", sagt Polizeihauptmeister Gans. Dabei musste das Los erst entscheiden, wer der "Auserwählte" in Herzogenaurach sein wird. "Es gab feste Vorgaben", erzählt Dienststellenleiter Norbert Hacker. "Die Testperson musste männlich, im Außendienst tätig und zwischen 40 und 50 Jahre alt sein." Fünf Kollegen seien in Herzogenaurach damit in Frage gekommen. Da vier von ihnen sich bereit erklärt hatten, musste das Los entscheiden.
"Das haben wir dann ganz offiziell in der Morgenbesprechung ausgelost", sagt Hacker.

Das Los musste entscheiden
Im Februar diesen Jahres war klar, dass Udo Gans der Tester für die Uniform in Herzogenaurach sein wird. Danach ging es für ihn zur Bereitschaftspolizei nach Nürnberg, wo er komplett vermessen wurde, damit die Test-Uniform auch passt.

Vom 1. August an bis zum März 2015 wird er nun die blaue Uniform im Dienst tragen und vierteljährlich einen Bericht abgeben. "Wir können aber jeder Zeit über ein Formular im Intranet Verbesserungsvorschläge an die Bekleidungskommission schicken", sagt Gans. Der Testzeitraum wurde so gewählt, dass sowohl kalte als auch heiße Tage in die Testphase fallen. Die uniformierten Polizisten werden zur Einführung der neuen Kleidung dann eine komplette Grundaussattung bekommen. Besonders ist, dass es nun eine Sommer- und eine Winterjacke geben wird.

"Die Multifunktionsjacke begeistert die Kollegen", sagt Hacker. Man kann zum Beispiel das Innenfutter rausnehmen, wenn es zu warm wird. Eine weitere Neuerung ist, dass in großen silbernen Buchstaben der Schriftzug "Polizei" auf der blauen Jacke zu lesen ist.

"Über die Farbe ist noch nicht entschieden", betont Hacker indes. Dass es zu den blauen Uniformen nach österreichischem Vorbild kommt, ist jedoch sehr wahrscheinlich. Eine Kommission hatte zuvor elf Modelle begutachtet. Mit 77 Prozent gewann die österreichische Uniform vor der aus Baden-Württemberg mit zehn Prozent. Trotzdem werden auch vereinzelt Kollegen die Uniform aus dem Nachbarbundesland testen. Die Einführung der neuen Uniform soll dann auch die Einheitlichkeit der Beamten verbessern.

Alte Uniform aus dem Jahr 1972
Die beige-bambus-farbene Uniform, die momentan noch in Bayern getragen wird, stammt aus dem Jahr 1972. "Da gab es natürlich immer wieder kleine Änderungen oder neue Kleidungsstücke im Sortiment, im großen und ganzen ist die Uniform aber dieselbe wie 1972", sagt Hacker. Dass da die Kollegen nicht immer einheitlich gekleidet sind, ist für Hacker daher auch nicht verwunderlich.

Bisher bekamen Polizeibeamte bei ihrer Einstellung eine Grundausstattung und anschließend ein monatliches Bekleidungsgeld in Höhe von 22,50 Euro.

Mit diesem Geld waren sie dafür verantwortlich, sich selbst mit neuen Kleidungsstücken einzudecken oder alte zu ersetzen. "Wie das Projekt finanziert wird, ist noch nicht bekannt", sagt Hacker. Er kann sich aber gut vorstellen, dass das Bekleidungsgeld für eine gewisse Zeit wegfalle, da die Beamten alle eine Grundausstattung bekommen werden. Allerdings seien Kosten in Höhe von rund 15 Millionen im Gespräch.

Besonders die Polizeibeamtinnen freuen sich auf die neue Uniform. "Als die jetzige Uniform eingeführt wurde, gab es noch gar keine Frauen bei der bayerischen Polizei", erklärt Hacker. "Daher sind die Schnitte auch nicht für Frauen gemacht."
Die neue Polizeiuniform wird es hingegen auch in einer weiblichen Ausführung geben. Dafür gibt es ebenfalls Testerinnen, allerdings keine in Herzogenaurach.

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