Laden...
Herzogenaurach
Ästhetik

Herzogenaurach: Verschiedene Ansichten über den Bau eines Zauns

Ein Mann baut in Herzogenaurach einen Zaun vor seine Thujahecke, damit man nicht in seinen Garten schauen kann. Den Nachbarn gefällt das nicht.
Artikel drucken Artikel einbetten
Der Zaun des Anstoßes (grau) gefällt nicht jedem in der Nachbarschaft. Fotos: Niklas Schmitt
Der Zaun des Anstoßes (grau) gefällt nicht jedem in der Nachbarschaft. Fotos: Niklas Schmitt
+1 Bild

Am 16. Juni diesen Jahres ging in der Redaktion eine E-Mail ein, in der die höfliche Frage gestellt wurde, ob der Fränkische Tag Interesse an einem kleinen Bericht über einen fast zwei Meter hohen und in graues Plastik gehüllten Zaun habe. Der Fränkische Tag hatte Interesse. Denn beteiligt sind nicht nur einige Nachbarn, die ungenannt bleiben wollen und sollen, sondern auch die Stadt Herzogenaurach sowie das Landratsamt Erlangen-Höchstadt. Nachbarn und Behörden also, näher an der deutschen Befindlichkeit kann man kaum sein.

Worum geht es konkret? Oberflächlich liegt der Fall ziemlich klar. Der vor etwa einem guten halben Jahr gebaute Zaun ist höher, als es der für das Baugebiet in Herzogenaurach gültige Bebauungsplan vorschreibt. Hinzu kommt, dass der Zaun dem ästhetischen Empfinden der auf der gegenüberliegenden Straßenseite wohnenden Nachbarn widerspricht.

Kein Streit zwischen Nachbarn

Kompliziert ist der Fall alleine wegen der Beziehungsgeflechte innerhalb der Nachbarschaft und der Zuständigkeiten der Behörden. Nachbar B sagt deutlich, "ich habe keine Lust, mich mit den Nachbarn zu streiten", und betont, dass es keinen Streit zwischen den Parteien gibt. Man habe den Nachbar X darauf hingewiesen, dass man den Zaun nicht schön finde. Dieser habe daraufhin aber nicht reagiert und den Zaun nicht gleich wieder abgebaut.

Nachbar A fasst die Situation so zusammen: "Es geht rein sachlich darum, dass es ein hässliches Gebilde und zum anderen nicht erlaubt ist." Sogar Spaziergänger blieben stehen und schüttelten mit dem Kopf. Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten und gestritten wird hier ohnehin nicht. Aber Regel ist Regel, da lässt sich nicht dran rütteln wie an einem jahrealten Jägerzaun.

Zwischen den Zuständigkeiten

Der Zaun selbst, so Nachbar A, sei auch gar nicht das Problem, denn der habe eine ähnliche Farbe wie die dahinter stehende Thujahecke. Das Problem sei das durch die Stangen geflochtene Plastik. Also ruft Nachbar A im Ordnungsamt der Stadt Herzogenaurach an. Nicht, um Nachbar X anzuschwärzen, sondern bloß, um nachzufragen, ob der Bau des Zauns so gestattet sei. Die Stadt hat ihn an das Landratsamt verwiesen. "Einer stellt eine Regel auf", sagt Nachbar A dazu, "hat aber nicht die Befugnisse, diese zu kontrollieren."

So ist das. Das bestätigt auch das Planungsamt der Stadt, die auf die Internetseite verweist, in der zumindest der Bebauungsplan Nr. 39, der für besagtes Grundstück gilt, einzusehen ist. Darin heißt es: "Einfriedungen dürfen eine Höhe von 1,20 m über Oberkante Gehweg an öffentlichen Verkehrsflächen bzw. Oberkante der Privatwege, Fuß- und Radwege nicht überschreiten. Diese Beschränkung gilt nicht für Hecken." Weiter wird darin festgelegt, dass Einfriedungen nicht aus Rohrmatten, Stacheldraht, Kunststein, Riemchenverkleidungen oder Platten aus Kunststoff bestehen dürfen, sondern einfache Naturholzzäune, einfache Eisenzäune, Maschendrahtzäune - im Idealfall mit Hinterpflanzung - sein müssen. Das hat die Stadt 1982 festgelegt.

Das Landratsamt sagt nichts

Darf Nachbar X nun diesen Zaun da stehen haben? Nachfrage beim Landratsamt, das für die Einhaltung des Bebauungsplanes zuständig ist. "Da es sich um eine Angelegenheit der Bauaufsicht handelt, die dem Datenschutz unterliegt, ist diese nur zwischen Grundstückseigentümer, Bauherrn und der Bauaufsichtsbehörde zu diskutieren. Angaben gegenüber der Öffentlichkeit sind daher nicht möglich." Soweit das Landratsamt.

Nachbar C hat gegenüber dem FT nun aber gesagt, dass er am 17. Juni ein Auto vom Landratsamt am gegenüberliegenden Zaun gesehen habe. Es wurde gemessen und auch Fotos gemacht. Das Landratsamt wollte dies nicht bestätigen, verweist aber auf Artikel 54 der Bayerischen Bauordnung. Das Landratsamt ist, so steht darin, als Bauaufsichtsbehörde zuständig, wenn nicht anders geregelt. "Sie können in Wahrnehmung dieser Aufgaben die erforderlichen Maßnahmen treffen." Vielleicht und unter Umständen hat das Landratsamt erforderliche Maßnahmen getroffen.

Und das, obwohl Nachbar A sagte, dass das Landratsamt, an das ihn die Stadt verwiesen hatte, meinte, dass man im Landratsamt gar nicht in der Lage sei, alle Bebauungspläne zu überprüfen. Darin sieht Nachbar B eine große Gefahr. Ihm seien diese Art Zäune in den letzten Jahren häufiger aufgefallen. Wenn das geduldet würde, kämen auch andere auf die Idee, das so zu machen. Wenn nun auf beiden Seiten solche blickdichten Zäune stünden, "dann haben wir einen Plastikkanal."

Alles ist möglich

So steht der Zaun da und kann nicht anders. Vielleicht muss er oben abgeschnitten werden, vielleicht muss nur das Plastik entfernt werden oder vielleicht müssen sich die Nachbarn auf der anderen Seite an den Anblick gewöhnen. Alles ist möglich, je nachdem, wie sich die Behörden entscheiden.

Mit Nachbar X wurde, so ging aus den Gesprächen hervor, bisher nur einmal gesprochen, um ihn darauf hinzuweisen, dass man den Zaun nicht schön finde. Seitdem hielt man den sachten Groll über den grauen Wall still zurück.

So wird über das Motiv des Zaunbaus gemutmaßt und der Kopf geschüttelt. Die letzte Hoffnung im ästhetischen Gartenclinch sollen also die Paragrafen des Bebauungsplanes schenken, deren letzte Aktualisierung vom 19. Juli 1982 stammt.

Nur wird damit nicht geklärt werden können, was schön ist und was notwendig, sondern nur, wie es sein soll. Ob sich so Streit vermeiden lässt?