Die Anfrage der CSU-Fraktion "Information über die Stellungnahme des Agenda-AK Energie und Bericht zum aktuellen Stand des Energiewendekonzepts der Stadt Herzogenaurach" führte im Stadtrat zu einer langen Diskussion. Auslöser der Anfrage und der Diskussion war eigentlich die Versorgung des Wohnbaugebietes "Am Behälterberg" im Stadtteil Niederndorf mit Nahwärme durch die Herzo Werke.
Der Agenda-Arbeitskreis Energie hatte unlängst gefordert, dass die Stadt bei der Planung von Neubaugebieten künftig immer auch ein Konzept zur umwelt- und klimafreundlichen Energieversorgung des Gebietes von einem unabhängigen Fachplanungsbüro für Energieversorgung erstellen lässt.
Für das Neubaugebiet in Niederndorf sollte eine Untersuchung durchgeführt werden, welche Art der Energieversorgung insbesondere im Bereich der Wärmeversorgung machbar und wirtschaftlich sinnvoll ist.
Nach Berechnungen der Herzo Werke sei die Versorgung mit Erd- bzw. Biogasumwandlung in elektrische Energie und Abwärme mittels Blockheizkraftwerk, Kessel und Pufferspeicher aber unwirtschaftlich, führte Bürgermeister German Hacker (SPD) aus. Er wehrt sich auch dagegen, den Bauherren des geplanten Wohnbaugebietes "ein Energiekonzept aufs Auge zu drücken". Außerdem gehe es gerade mal um ein Promille des Wärmebedarfs der Stadt.
Die meisten Häuser würden bewusst per Bebauungsplanvorgabe Südausrichtung haben und über verschattungsfreie Satteldachflächen verfügen, um eine gute Solarthermie- und Photovoltaik-Nutzung zu gewährleisten. So fördere die Stadt sehr wohl - auch auf Zutun des AK Energie - den Bau von Passivhäusern und Solarthermie. "Aus dem Thema ist ein Elefant geworden. Hätte ich bei der Versammlung mit den Grundstücksinteressenten den Mund gehalten und die Fernwärme und das Gas nicht ins Gespräch gebracht, hätten wir die jetzige Diskussion nicht", erklärte Hacker. Wiederholt verwies der Bürgermeister auch auf ein Gutachten des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) zum Heizkostenvergleich.


CSU stimmte im Beirat dagegen

Aus Sicht des Arbeitskreises Energie sind die Beschlüsse des Stadtrates und des Ausschusses nicht ausreichend, um die beschlossene Energiewende erfolgreich umzusetzen. Am Beispiel des Neubaugebietes in Niederndorf zeige sich, dass nicht einmal die Möglichkeit einer detaillierteren Analyse zur umweltfreundlichen Energieversorgung genutzt werde. "Die Chance, dem globalen Klimawandel mit all seinen Folgen entgegenzuwirken, wurde damit vertan", führt AK-Sprecher Johannes Kollinger dazu in seiner Stellungnahme aus. "Der Begriff ,Nachhaltigkeit‘ und das Motto der Agenda 21, ,Global denken, lokal handeln‘ scheinen in Herzogenaurach noch nicht angekommen zu sein", schreibt Kollinger.
Dies wies Bürgermeister Hacker zurück und bescheinigte Johannes Kollinger zwar ein großes Fachwissen, "aber wir haben in der Stadt, insbesondere bei den Herzo Werken auch Menschen mit Fachwissen", erklärte der Bürgermeister. Über die Anfrage der CSU zeigte sich der SPD-Fraktionssprecher Curd Blank etwas verwundert. Scheinbar habe sich die CSU-Fraktion nicht richtig informiert, schließlich sei der Punkt im Agenda-Beirat auch mit den CSU-Stimmen abgelehnt worden.
Konrad Körner und sein CSU-Stadtratskollege Kurt Zollhöfer hätten Kollinger zu diesem Thema auch gerne in der Sitzung des Stadtrates gehört, und Körner zeigte sich verwundert, dass der Fachmann nicht eingeladen wurde. Hacker verdeutlichte, dass das bei einer Sitzung des Stadtrates nicht gehe. Bei einer Ausschusssitzung sei das kein Problem.
"Bei allem Verständnis für eine Verärgerung über einen abgelehnten Antrag bitte ich aber dennoch darum, die Kirche im Dorf zu lassen und nicht die 99 Prozent sehr guten Entscheidungen und vielfach sehr guten Ergebnisse einfach zu ignorieren", erklärte das Stadtoberhaupt. Zudem wies Hacker darauf hin dass das Thema Energiewende immer wieder im Planungsausschuss behandelt wird und die neue Klimaschutzbeauftragte Mignon Ramseck-Ullmann voraussichtlich am 3. Mai im Ausschuss über den aktuellen Stand berichten wird.