In unmittelbarer Nähe der Herzogenauracher Stadtpfarrkirche, inmitten eines historischen Ensembles, stehen zwei Häuser, die manches gemeinsam haben. Beide zählen zu den ältesten Gebäuden der Stadt. Beide sind im Innern marode. Für beide gibt es einen Rettungsplan. Doch bei beiden scheint das jeweilige Vorhaben ins Stocken zu geraten. Davon gehen zumindest zwei Stadträte der CSU aus, die sich nun mit einem Antrag an die Stadt wenden.

Die Rede ist vom Seelhaus und vom kleinen Spital. Ersteres grüßt auf der nördlichen Seite des Kirchenplatzes die Passanten, von außen hübsch anzusehen mit seinem restaurierten Fachwerk. Das zweite Haus steht neben dem Stadtmuseum, am Fußweg zur Hauptstraße hin, und wirkt verwahrlost. Im Inneren trifft dieser Zustand auf beide Häuser zu.

Das Seelhaus möchte die Stadt selbst in Angriff nehmen. Nachdem man von einem Verkauf Abstand genommen hatte, sollen dort nach einer Sanierung Appartments eingerichet werden. So hat es der Stadtrat beschlossen. Doch der Plan scheine in Gefahr zu geraten, berichten die beiden Stadträte Ille Prockl-Pfeiffer und Franz-Josef Lang. Denn offenbar sei der beauftragte Architekt abgesprungen. Jetzt fordern die Politiker einen Bericht an und fragen: "Gibt es einen neuen Architekten?"

Das kleine Spital sieht einer anderen Nutzung entgegen. Es war von der Stadt in private Hände gegeben worden, zu einem symbolischen Verkaufspreis. Bedingung war, dass der neue Besitzer das Gebäude restauriert. Die Frist, so sagte Lang im FT-Gespräch, laufe wohl bald aus. Doch von außen sei kein Fortschritt zu erkennen. Die CSU will nun wissen: "Was tut sich wirklich"?

Ihr Hauptaugenmerk aber gilt dem Seelhaus. "Dieses wichtige kulturhistorische Gebäude sollte schnellstmöglich einer sinnvollen Nutzung zugeführt werden", lautet die Forderung. Denn die Stadt sollte kein historisches Gebäude so lange leer stehen lassen. Und: "Es ist ein absolutes Kulturgut und muss einer dem Stiftungszweck sinngemäßen Nutzung zugeführt werden. Es steht im Ensemble des Kirchenplatzes an herausragender Stelle und sollte ein Haus der Begegnung und des Austausches sein."

Ein Ort der Kommunikation

Wie sich die beiden Stadträte das vorstellen, beschreibt Ille Prockl-Pfeiffer. Sie könne sich dort eine Art Weltcafé vorstellen, ein "Haus international", das der Kommunikation dient, auch mit Gästen der Stadt und Flüchtlingen. Dieser Vorschlag sei von Bürgern gekommen, ebenso wie der eines Treffpunkts für Vereine, die kein eigenes Heim haben.

Ihr Kollege Franz-Josef Lang ergänzt: "Das Seelhaus gehört der Bürgerschaft von Herzogenaurach." Dort hatten über Generationen hinweg Bürger gewohnt, die zu den Institutionen in der Stadt zählten, berichtet Lang. Man sollte den vorderen, historischen Teil des Anwesens der Öffentlichkeit zugänglich machen. Im hinteren Teil könnten ja durchaus trotzdem ein oder zwei Appartments entstehen. Auch Lang schwebt eine mögliche Nutzung vor: Räume für die Museumspädagogik.

Wörtlich heißt es in dem Antrag: "Somit kehrt wieder Leben in dieses außergewöhnliche Haus ein, es wird ein interessanter Treffpunkt für alle Bürger und Gäste aus aller Welt in Herzogenaurach sein und wäre ein gutes Zusatzangebot bei allen Museumsbesuchen." Die Kultur quasi als belebendes Moment der Innenstadt - auf der "Museums-Meile" wären beide Anwesen geradezu prädestiniert hierfür, meint Lang.

Der Verwaltungsleiter im Rathaus, Gerhard Höfler, wollte auf Anfrage noch keine detaillierte Auskunft geben. Eine Information erfolge in der Sitzung des Kulturauschusses am kommenden Montag, sagte er. Beim Seelhaus räumte er Verzögerungen ein und bestätigte, dass die Stadt nach wie vor das Bestreben habe, das Gebäude zu sanieren. Nach wie vor stehe außerdem der Auftrag Wohnnutzung im Raum. Jetzt müssten Konzepte entwickelt werden. Zum kleinen Spital könne er vor Ende des Vertrags nichts sagen.