Der Online-Shopping-Markt boomt - die Herzogenauracher Einzelhändler und Fachgeschäfte müssen kämpfen. Für Bürgermeister German Hacker (SPD) steht fest: "Wir müssen die Innenstadt stärken." Online-Shopping auf regionaler Ebene ermöglichen, das will die Stadt nun mit dem neuen digitalen Herzomarkt: Unter www.herzomarkt.de können Herzogenauracher zukünftig die Produkte und Angebote ihrer lokalen Händler, Gastronomen, Handwerker und Dienstleister finden und anschließend per Click-and-Collect im Geschäft abholen oder sich die Ware nach Hause liefern lassen.

Projektleiterin Judith Jochmann und ihr Team im Amt für Stadtmarketing arbeiten bereits seit 2015 an verschiedenen Strategien, um die Digitalisierung der Innenstadt voranzubringen. Bei einem Workshop mit 34 Händlern aus Herzogenaurach sprachen sich alle Teilnehmer für den Herzomarkt aus, woraufhin das Projekt im Sommer 2020 mit einer Testphase startete. Die Software, die den digitalen Marktplatz ermöglicht, nennt sich Locamo.de und ist bereits ein deutschlandweites Netzwerk von regionalen Fachgeschäften.

Markus Kapler, Geschäftsführer der Firma Locamo aus Weingarten, weiß genau, wieso das Konzept von Locamo so erfolgreich ist: "Wir bieten den Händlern das Beste aus zwei Welten an. Einerseits können sie ihre Produkte regional an die Herzogenauracher verkaufen, andererseits werden sie durch unsere Suchmaschinenoptimierung deutschlandweit auf Vergleichsportalen gelistet." Betriebe können einen bestehenden Online-Shop integrieren, ihre Produkte direkt über Locamo anbieten oder auch nur einen kostenlosen Standardeintrag wählen. "Vor allem Unternehmern, die gerade neu in die Online-Welt einsteigen, wird dadurch sehr geholfen."

Vermittler geht auf die Betriebe zu

Nun gilt es, möglichst viele Herzogenauracher Händler an Bord zu holen. Hier setzt die Stadt auf die Imakomm.akademie GmbH für Marketing und Kommunalentwicklung, die seit einiger Zeit die Entwicklung der Innenstadt betreut. Die Imakomm soll als Vermittler zwischen den Unternehmern und der Stadt Herzogenaurach sowie zwischen den Unternehmern und Locamo agieren. "Wir gehen im Namen der Stadt auf die Betriebe zu und fragen, was sie brauchen", erklärt Peter Markert, Geschäftsführer der Imakomm. "So können wir die Händler ohne Zwang an das Projekt heranführen."

Gute Erfahrungen

Der Experte weiß, dass die Corona-Krise den Einzelhandel und die Gastronomie in die Knie zwingt und somit die Innenstadt an Attraktivität verliert. Es sei wichtig, Frequenz für den Handel zu schaffen und die Innenstadt zu stärken.

Bisher kommt das Angebot bei den Unternehmern gut an: Stefan Müller, der bereits seit der Testphase im letzten Jahr mit seinem Online-Shop für Ringfoto Müller auf Locamo unterwegs ist, sieht den Vorteil des Herzomarkts klar und deutlich: "Im Prinzip ist es wie ein weiteres Schaufenster", erzählt er, "so können die Kunden online sehen, welche Produkte wir überhaupt vermarkten." Er habe durch den digitalen Marktplatz von Locamo durchaus schon neue Kunden gewonnen und sehe vor allem eine Chance für Händler, die sich in Herzogenaurach noch keiner großen Bekanntheit erfreuen. Auch Georgios Halkias appelliert an seine Kollegen aus dem Herzogenauracher Regionalhandel: "Je mehr sich für den Herzomarkt registrieren, desto besser." Der Leiter der Apotheke am Markt sieht eine große Chance im regionalen Online-Handel und hat selbst vor Kurzem einen neuen Schritt gewagt: Über den Herzomarkt verkauft er nun hochwertiges Olivenöl und Essig.

Ziel der Stadt ist es außerdem, irgendwann eine systematische, lokale Lieferung über einen Kurierservice zu organisieren. "Wir sind da schon im Gespräch, aber aktuell ist der Bedarf noch nicht da", erläutert Judith Jochmann, "die Herzogenauracher Fachgeschäfte organisieren sich da gerade ganz gut allein und liefern selbst oder haben ehrenamtliche Helfer." Der Herzomarkt sei keine schnelle "Lockdown-Lösung", sondern solle für alle Beteiligten vor Ort Anlass sein, Digitalisierungsprozesse im eigenen Gewerbe zu prüfen beziehungsweise auf den Weg zu bringen und in den Herzomarkt einzubringen, betont die Projektleiterin.