Die Frage "Steht er gerade oder doch nicht?" blieb bis zum Schluss unbeantwortet. Die Kerwasburschen hatten ihre Meinung, die Musiker der Ehemaligen eine andere und die Zuschauer, die immer alles besser wissen, sowieso wieder eine andere. Letztlich beschied Armin Gumbrecht "es passt" und gab das Zeichen zum Loch auffüllen.

Zuvor dirigierte Gumbrecht noch "einen Schub nach Süden". Aufstöhnen und Zucken bei den Zuschauern, sie sahen den Baum schon mitten hinein in die dicht stehenden Wohnwagen der Schausteller stürzen. Also gab es einen Ruck nach Norden, die Blicke richteten sich wieder alle nach oben, auch der Bürgermeister nickte zustimmend. "Ob a Physiker des so gnau sicht, da hobi scho mei Zweifel", hieß es da in den Reihen der Musiker. Dabei hatte sich Bürgermeister German Hacker (SPD) mächtig ins Zeug gelegt, an den Schwalben geschoben und sogar am Ende zur Schaufel gegriffen.


"Schön zu sehen, dass auch der öffentliche Dienst mal schwitzt", kommentierte SPD-Stadtrat Peter Prokop, der das Geschehen aus sicherer Entfernung beobachtete, den körperlichen Einsatz des Stadtoberhaupts. Aber auch SPD-Fraktionssprecher Curd Blank und Fraktionskollege Dieter Händel ließen das durchschwitzte "grüne" T-Shirt nicht unkommentiert. "Zuschauen ist auch ganz schön", meinte Händel und "auch die Chefs müssen mal malochen", war die Meinung von Blank.

Auftrag der Aufstellmeister

Von den beiden Capos der Kirchweihburschen, Armin und Jürgen Gumbrecht, bekam Blank gleich zu Beginn einen Auftrag. So bemängelte Armin Gumbrecht den nicht vorhandenen Sicherheitsabstand zu den Wohnwagen. "Da vorne am Spielplatz haben wir mal angefangen und müssen jedes Jahr ein Stück weiter rücken, das ist ein Fall fürs Ordnungsamt", schimpfte der Kirchweih-Oldie. "Schon gespeichert", versprach Blank, was zu einer Anfrage im Stadtrat oder einem Ausschuss führen dürfte.

Unter den im Schatten stehende Zuschauern des Baumaufstellens befanden sich auch Bürgermeister Zeljko Bigovic und seine Stellvertreterin Liiljana Lukacevic aus Nova Gradiška. Sie beobachteten das Geschehen besonders interessiert, denn den Brauch eines Kirchweihbaumes gibt es in Kroatien nicht.

Am Tag vorher hatte CSU-Stadtrat Bernhard Schwab angefragt, wie in Nova Gradiška Bäume gepflanzt werden. "Wir graben ein Loch, nicht sehr groß und stellen den Baum rein und gießen ihn, damit er wächst", erzählte Zeljko Bigovic. "Dann kommst morgen zu uns, unsere Bäume sind etwas größer und gießen müssen wir auch nicht", lud Schwab den kroatischen Bürgermeister ein.

Pia und Marille vorneweg

Der rund 30 Meter lange Baum aus dem Birkenbühl wartete seit Freitag im Baubetriebshof auf seinen Transport. Dort ging es dann am Samstagmittag um 14 Uhr los: Es zogen die beiden Kaltblüter Pia und Marille, und vorneweg das "Hellermobil" mit den Musikern und dringend notwendigen Getränken, schließlich zeigte das Thermometer 37,5 Grad Celsius. So nahmen die Kerwasburschen den Weg über Ring- und Flughafenstraße in Richtung Innenstadt. Begleitet von den Oldtimer-Bulldogs und einem Oldtimer-Feuerwehrauto, gleich mit der Werbung zum Tag der offenen Tür am kommenden Sonntag. In der Hauptstraße vor der Brauerei Heller wurde ein "Tankstopp" eingelegt, denn es galt die Getränkevorräte aufzufüllen. Auf dem Weg zum Festgelände landete dann auch der eine oder andere Euro im Sparschwein der Kerwasburschen, als Gegenleistung eines Bechers Kirchweihbiers.

Nach knapp eineinhalb Stunden schweißtreibender Arbeit zogen Kirchweihburschen und die Oldies, begleitet von den Ehemaligen und Zweiter Bürgermeisterin Renate Schroff vorneweg zum Kirchweihgelände.