Es gibt immer einen Ort, an dem sich fast alles wieder einfindet, was irgendwann verloren gegangen ist. Kleine und größere Dinge, Ramsch ebenso wie Gegenstände von Wert. Die beiden Rathausmitarbeiterinnen Franziska Kröger und Sophie Nickisch bewahren die Sachen, die bei ihnen im Büro landen, sorgfältig auf - für den Fall, dass ihre Besitzer sich bei ihnen melden. Als Mitarbeiterinnen im Bürgerbüro der Stadt Herzogenaurach sind die beiden Verwaltungsfachangestellten auch für das Fundamt der Stadt zuständig.

"Das wird im laufenden Verkehr zwischengeschoben", beschreibt Franziska Kröger den Arbeitsaufwand für das Fundamt. In der Hauptsache seien sie und ihre Kollegin im Bürgerbüro im Einsatz. Wie viel Zeit sie tatsächlich in das Katalogisieren und fürs Lagern von Fundsachen investieren, können sie nicht sagen.
Schließlich wird das Rathaus nicht täglich von einer Welle aus Verlorenem überrollt. Eher tröpfeln die Stücke übers Jahr verteilt ein.
"Das skurrilste Fundstück war eine Zahnprothese, die wurde aber schnell wieder abgeholt, schließlich hat der Verlierer das bei der nächsten Mahlzeit bemerkt", erinnert sich Nickisch schmunzelnd. Im Bürgerbüro steht ein Metallschrank für die kleineren Fundstücke, wie Brillen, Handys, Geldbeutel und dergleichen. Für sperrige Fundstücke steht im Flur ein Panzerschrank. Sehr selten wird Schmuck ins Fundbüro gebracht, fällt den beiden Mitarbeiterinnen auf und sie vermuten, dass dieser wahrscheinlich gar nicht erst abgegeben wird.

Wundern müssen sich die beiden Rathausmitarbeiterinnen schon über einige Fundstücke, so zum Beispiel über eine ziemlich große Damenhandtasche mit viel Inhalt. "Sowas muss man doch vermissen", meinte Franziska Kröger. So finden sich in den Schränken auch eindeutige Stücke von Kindern, wie Geldbeutel mit Inhalt. "Die trauen sich wahrscheinlich daheim nicht zu sagen, dass sie ihr Taschengeld verloren haben", vermutet Sophie Nickisch.

Wenn sich bei den Fundstücken kein Hinweis auf den Besitzer findet, landen sie eben in den besagten Schränken. Wenn sich ein Hinweis auf den Eigentümer findet, wird dieser angeschrieben. Über den Finderlohn muss sich der Verlierer dann selbst mit dem Finder einig werden.

Bei den Festen füllen sich die Schränke

Bei der Ansammlung von Brillen, Uhren und sonstiger kleinerer Fundsachen vermuten die beiden Verwaltungsangestellten aber auch, dass "viele Leute wahrscheinlich überhaupt nicht wissen, dass es uns gibt", meinte Kröger dazu. So rufen zwar manchmal Leute an, wenn sie etwas verloren haben, aber oft ist zu diesem Zeitpunkt das Fundstück überhaupt noch nicht abgegeben.

Während der Stadtfeste, insbesondere bei der Sommerkirchweih, füllen sich dann die Schränke. Darunter auch mal ein Laptop und immer wieder Mobiltelefone in allen Variationen, Geldbeutel mit und ohne Inhalt, auch die Polizei bringt Fundgegenstände vorbei. Die Stücke werden katalogisiert, mit Fundort, Funddatum und sonstigen wichtigen Merkmalen versehen. Werden die Sachen nicht mehr abgeholt, hat nach sechs Monaten der Finder Anspruch auf das Fundstück, allerdings nicht auf Mobiltelefone oder Laptops, "wegen des Datenschutzes werden derartige Stücke nur an den Eigentümer herausgegeben", erklärt dazu Sophie Nickisch.

Was in den Stadtbussen alles so liegen bleibt, ist im Fundbüro nicht bekannt. "Das regeln die selbst." Auch die Fundsachen aus den Schulen und den Bädern kommen nicht ins Rathaus. Manchmal bringen Arztpraxen oder die Fachklinik Jacken oder sonstige Fundsachen vorbei. "Die sammeln das einige Wochen und bringen es vorbei, in dieser Zeit kann der Verlierer aber schon angerufen haben und nach dem ersten negativen Bescheid meldet er sich nicht mehr", erklärte Franziska Kröger.

Bauhof bewahrt Fahrräder auf

Fundfahrräder werden im städtischen Bauhof eingelagert. Wenn sich der Verlierer nach der gesetzlichen Aufbewahrungsfrist nicht meldet und auch der Finder darauf keinen Anspruch erhebt, werden die Fundfahr-räder versteigert. Die Einnahmen daraus, wie auch von den übrigen Fundgegenständen fließen dann einem Spendenkonto zu.