Freitag, 10.30 Uhr, die Sonne strahlt vom Himmel, auf dem Marktplatz in Herzogenaurach sitzen Menschen und schauen mit Papierbrillen auf der Nase nach oben. Die Sonnenfinsternis, das Naturspektakel des Jahres, wie es aus jedem Radiosender tönt, will sich niemand entgehen lassen.

Doch zwei Frauen bekommen von dem Trubel um den Mond vor der Sonne nichts mit: Ille Prockl-Pfeiffer und Betty Lehner haben vor dem Ladengeschäft Ellwanger am Marktplatz in Herzogenaurach eine Bank belegt. Sie blasen rote Luftballons auf, die sie an die vorbeilaufenden Passanten verteilen. "Hier, ein Luftballon für Sie! Zum Equal Pay Day", sagt Ille Prockl-Pfeiffer. Viele schauen sie verdutzt an und fragen, was denn das sei.

Die Vorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB) in Herzogenaurach und CSU-Stadträtin erklärt: "Dieser Tag soll auf die Einkommensungleichheit von Männern und Frauen aufmerksam machen. Bis zum 20. März arbeiten Frauen quasi umsonst, und die Männer fangen an diesem Tag erst an, wenn man ihre Jahresverdienste vergleicht." Hauptziel der Aktion sei es, die Debatte über die Gründe für die unterschiedliche Bezahlung wieder anzustoßen.

Der KDFB hat sich den Business and Professional Women angeschlossen, die gegen diese Ungleichheit demonstrieren. "Wir machen das jetzt seit drei Jahren. Als Kennzeichen für den Equal Pay Day gilt eigentlich eine rote Tasche. Wir haben das ein wenig verändert und zum Beispiel vor zwei Jahren ein Lied vor der Stadtratssitzung gesungen oder letztes Jahr rote Suppe ausgeschenkt", sagt Ille Prockl-Pfeiffer.

Es ginge ihnen nicht nur um sich, sondern vor allem auch um ihre Kinder und Enkel. "Die sollen es einmal besser haben", sagt Betty Lehner. Sie selbst bekam die Ungerechtigkeit der unterschiedlichen Bezahlung am eigenen Leib zu spüren. "Ich war 20 Jahre im öffentlichen Dienst als Sekretärin an der Berufsschule tätig. Und dann musste ich erfahren, dass ein Herr, der neu als Sekretär eingestellt worden war, bereits nach fünf Jahren zwei Gehaltsstufen über mir war." Sie habe damals mit Kolleginnen dafür gekämpft, dass sich etwas ändere. "Wir haben mit der Verwaltungsgemeinschaft gearbeitet, die unsere Klagen ans Ministerium weitergegeben hat. Aber es war umsonst", sagt Betty Lehner.

Heute habe sich einiges geändert - aber immer noch sei eine gleiche Bezahlung nicht die Regel. Laut dem statistischen Bundesamt verdienen Frauen mit einem Bruttostundenlohn von 15,83 Euro immer noch 22 Prozent weniger als die Männer, die 20,20 Euro verdienen. "Und das ist unabhängig davon, um welche Jobs es sich handelt", sagt Ille Prockl-Pfeiffer.

Sonst seien zu den Aktionen vom Equal Pay Day immer zehn bis 15 Frauen zur Unterstützung gekommen. Dieses Mals sind die beiden Frauen allein. Warum, wissen sie nicht. "Ich könnte mir schon vorstellen, dass es vielleicht wegen der Sonnenfinsternis ist. Viele haben mir vorher noch gesagt, ich sei doch verrückt, das genau zur gleichen Zeit zu machen", sagt Prockl-Pfeiffer.

Doch ihre gute Laune lassen sie und Lehner sich nicht nehmen. Voller Tatendrang marschieren sie mit ihren Luftballons zum Schuster-Brunnen vor dem Rathaus und binden sie dort an. Auch ein paar Autoantennen werden bestückt. Die beiden Frauen hoffen, dass auch woanders die Leute so auf den Equal Pay Day aufmerksam werden. Das Motto des diesjährigen Equal Pay Day war Transparenz, mit offenen Karten zu spielen, was die Bezahlung von Männern und Frauen angeht.