Die Herzogenauracher Stadträte wurden vor Beginn der Sitzung mit einem Ständchen überrascht. Die Melodie "Schau hi, da liegt a toter Fisch im Wasser - den mach mer hi, den mach mer hi", bezog sich aber nicht auf Bürgermeister German Hacker (SPD) oder die Mitglieder des Stadtrates. Am Sitzungstag war nämlich "Equal Pay Day", der internationale Aktionstag für Entgeltgleichheit zwischen Männer und Frauen, den es seit 40 Jahren in der USA gibt und der 2008 nach Deutschland schwappte.
Bei dem Text, den die Frauen des Katholischen Frauenbundes im Rathaus sangen, ging es um die Lohngleichheit bei Gesundheitsberufen. Die Frauen mit roten Schals oder roter Tasche sangen: "Hört's zua, wir fordern gleichen Lohn für Frauen - Jaha! Da hört's no zua! Da hört's no zua", so ging das rund 15 Minuten, immer mit einem anderen Text, denn der tote Fisch kann endlos gesungen werden.
Der Aufritt vor dem Sitzungssaal hatte natürlich schon
einen ernsten Hintergrund. "Viel Dienst, wenig Verdienst" wurde die Lohnfindung im Gesundheitswesen überschrieben. Denn, wer im Gesundheitswesen arbeitet - und das sind rund 80 Prozent Frauen - steht in der Gehaltsstatistik weit unten. Aber diese Menschen werden in Zukunft immer wichtiger, denn es drohen dramatische Engpässe. So werden im Jahr 2020 etwa 33 000 Vollzeitstellen in medizinischen Fachberufen nicht besetzt werden können.
Noch problematischer soll es im Pflegebereich kommen, so werden 2020 etwa 212 000 Vollzeitstellen unbesetzt bleiben. Aber auch in anderen Berufen verdienen die Frauen durchschnittlich immer noch etwa 25 Prozent weniger als Männer - obwohl sie gleich oder sogar noch besser qualifiziert sind. Noch immer erhalten Frauen sogar bei gleicher Tätigkeit weniger Lohn als ihre männlichen Kollegen.
Um diese Ungerechtigkeit endlich zu beenden, steht bei vielen Frauenorganisationen der Equal Pay Day auf dem Programm. Er markiert den Tag Ende März, bis zu dem Frauen "nacharbeiten" müssen, um dasselbe zu verdienen wie ihre männlichen Kollegen im vorangegangenen Jahr.