"Das Internet ist mitnichten der Tod des stationären Handels. Vorausgesetzt, lokale Händler und Dienstleister sehen das E-Commerce nicht als Schreckgespenst, sondern als Wegbereiter einer Service-Revolution." Das behauptet der Unternehmensberater Andreas Haderlein. Er begleitet Herzogenauracher Einzelhändler in einem Prozess, der den lokalen Anbietern Online-Kompetenz und eine gemeinsame Strategie verschaffen soll. Die Stadt braucht ein "digitales Dachmarketing", wie es Bürgermeister German Hacker (SPD) formuliert.

Am Montagabend unternahmen Stadt, Berater und Einzelhandel den ersten Schritt. In einem fünfstündigen Workshop setzte man sich mit den Herausforderungen des erfolgreichen Bewegens in einer digitalen Welt auseinander. Und da gab's im Pressegespräch am Dienstag schon das erste Lob des Wirtschaftsmarketingexperten. 25 Einzelhändler folgten der Einladung bereits am ersten Tag - eine Menge, wie Haderlein findet. In Wuppertal, wo er ebenfalls ein lokales Onlineportal aufbaute, waren es 60 Interessenten. Nur: Wuppertal hat 350 000 Einwohner.

Vorrangiges Ziel des Arbeitstreffens sei es gewesen, eine Initialzündung für den Aufbau der Online-Kompetenz auf lokaler Ebene zu geben, wie Stadtmarketing-Chefin Judith Jochmann erläuterte. Gemeinschaftlich soll herausgefunden werden, welche Chance das Internet bringe und wie man diese Zukunft nutzen könne. "Gemeinschaftlich" bedeute den Zusammenschluss von Handel. Stadtmarketing und Fördergemeinschaft.
Im Grunde sei alles ganz einfach, sagte Andreas Haderlein. Der lokale Handel dürfe sich nicht mehr nur auf das reale Geschäft vor Ort beziehen, sondern müsse auch die Welt des Internets für sich entdecken. Haderlein: "Man muss beide Welten vereinen."

Die so genannten Großen des Online-Handels würden den Weg andersherum gehen. Sie würden jetzt sogar reale Geschäfte eröffnen. Die realen, lokalen Händler hätten diesen Vorsprung vor Ort. Durch eine gute Vernetzung im Internet könnten sie zusätzliche Wege nutzen.

Wenn man bei Google heute das Stichwort "Schnellhefter" eingebe, dann stoße man auf die großen Anbieter dieser Welt. Wenn man Herzogenaurach dazufüge, dann müsse man sofort auf Ellwanger stoßen, sagte Haderlein. Aber das dürfe nicht alles sein. Ein lokaler Marktplatz dürfe kein Schaufenster bleiben, sondern müsse einen zusätzlichen Service bringen. Haderlein: "Es geht um die Warenverfügbarkeit. Das muss man auf eine Serviceebene bringen." Und dem Kunden müsse klar werden, dass der Händler vor Ort mit seiner lokalen Kompetenz flexibler und schneller sei als die vermeintlich große Konkurrenz.

Ein Auftritt müsse deshalb auf die Suchmaschinen optimiert werden, sagte der Experte. Ein Einzelhändler allein aber könnte seinen Onlineshop nur mit viel Aufwand gestalten. Deshalb brauche es den Zusammenschluss unter einem gemeinsamen lokalen Dach.

Tatsache ist laut Haderlein aber auch, dass die Kaufkraft aus den Innenstädten verschwinde. "Der Strukturwandel im Einzelhandel ist da", sagte er. Und da wirke das Internet wie ein Brandbeschleuniger. Deshalb müsse man insofern entgegenwirken, dass man eben auch diese andere, fremde Welt entdecke und nutze. Viele Kunden schauen erst und kaufen dann auch im Internet, berichtete Bürgermeister Hacker. Das bringe auch dem lokalen Händler eine Chance. Hacker: "Warum sollte man den Markt den Großen überlassen?".

Nach der Auftaktveranstaltung will man nun die Ideen sortieren und strukturieren. In einem nächsten Schritt soll es darum gehen, "eine für Herzogenaurach passgenaue Vorgehensweise zur Stärkung und Förderung der lokalen Online-Kompetenz zu entwickeln, zu diskutieren und abzustimmen", schreibt Judith Jochmann.