Irgendwann war es ihm genug. "Wir haben einfach zu viele Sachen. Unser Haus ist voll", sagt Herbert Eder. Als Konsequenz verhängte der 61-Jährige sich selbst einen Trödelstopp - nach 30 Jahren auf nahezu jedem Flohmarkt in der näheren Umgebung. Klar, dass sich in dieser Zeit einiges angesammelt hat. Nun will er wieder Platz schaffen und geht dabei äußerst pragmatisch vor. Was zwei Jahre lang auf dem Dachboden oder im Keller lag und nicht angefasst wurde, wird verkauft - oder zumindest zum Verkauf angeboten.

"Am Dienstag habe ich begonnen, die ersten Gegenstände in die Garage zu bringen", erklärt Eder. Am morgigen Sonntag (11 bis 17 Uhr) haben die Besucher des ersten Herzogenauracher Garagenflohmarkts dann die Gelegenheit, zwischen Ölgemälden, Lithografien, fast hundert Jahre alten Gläsern oder rund 600 Schallplatten zu stöbern. "Ich habe mir vorgenommen, dass für jedes Stück, das neu angeschafft wird, ein altes raus muss."

Dechsendorf als Vorbild
Ein Modell, das offenbar nicht für jeden Trödel-Fan so leicht umzusetzen ist. "Das ist wahrscheinlich ein richtiger und guter Weg - sofern man es fertig bringt. Ich weiß nicht, ob ich das auch könnte", sagt Eckart Gügel, der den Garagenflohmarkt zusammen mit Kai Förster auf die Beine gestellt hat. Mit ihren Familien sind die beiden Freunde regelmäßig auf Flohmärkten unterwegs, die Garagen-Variante in Dechsendorf hat es ihnen jedoch besonders angetan. "Die machen das seit vier Jahren wirklich hervorragend", lobt Gügel. "Nicht das Verkaufen steht dort im Vordergrund, sondern das Herumlaufen. Es ist wie ein Ausflug. Weil keine Stände dicht an dicht auf den Straßen stehen, herrscht kein großes Gedränge. Außerdem kommt man viel leichter miteinander ins Gespräch."

Auch für Kinder sei diese Form des Trödelns deutlich interessanter. "Wir nehmen uns immer eine Brotzeit mit, machen uns mit dem Bollerwagen auf den Weg und erkunden die Gegend", sagt der 49-Jährige. Selbst in bereits bekannten Umgebungen könne man so immer wieder etwas Neues entdecken.

Wiederholung möglich
Im März kamen Förster und Gügel auf die Idee, für einen Tag auch in Herzogenaurach die Garagen zu öffnen. "Jedoch nicht in der ganzen Stadt, das wäre einfach zu groß und viele würden sich wohl verzetteln", sagt Gügel. Daher konzentriert es sich zunächst auf den Westteil. Falls die Veranstaltung gut angenommen werden sollte, könne er sich jedoch vorstellen, sie im kommenden Jahr in einer anderen Gegend in Herzogenaurach fortzusetzen. "Auch Niederndorf oder das Lohhof-Gebiet mit seinen vielen Fuß- und Radwegen würde sich anbieten."

Herbert Eder sieht dem Sonntag ohne große Erwartungen entgegen. "Man muss erstmal sehen, wie groß der Zustrom ist", sagt er. Entspannt ist er auch deshalb, weil sich Aufwand und Kosten in Grenzen halten. Denn Standgebühren werden nicht fällig - schließlich handelt es sich um die eigene Garage. Die für die Organisatoren anfallenden Kosten wurden stattdessen über Sponsoren ausgeglichen. "Bis auf 55 Cent haben wir alles wieder rausbekommen", freut sich Gügel. "Das war eine Punktlandung."

Offen für alle
Über 50 Stände haben sich bereits angemeldet. Auch in dieser Woche klingelte bei Gügel und Förster noch einige Male das Telefon. "Ungefähr 20 weitere Garagenbesitzer haben sich bei mir gemeldet und wollen mitmachen", so Gügel. Das sei allerdings gar nicht nötig. Jeder dürfe gerne seine Garage öffnen und verkaufen. Lediglich auf den Übersichtskarten können sie nicht mehr vermerkt werden, schließlich sind diese längst gedruckt. "Für die Kinder sind sie wie eine kleine Schatzkarte, denn unter jedem roten Punkt verbergen sich andere interessante Gegenstände", sagt Gügel.

Seine Garage in der Dr.-Fröhlich-Straße 12 ist nicht nur der offizielle Infostand, sondern - natürlich - ebenfalls Verkaufsfläche. 150 seiner 600 Brettspiele bietet der passionierte Sammler an. Tabu sind hingegen die 5000 Comics aus den Achtzigerjahren, die weiter an ihrem angestammten Platz bleiben dürfen. Auch wenn sie zum Teil seit Jahren nicht angefasst wurden.

Die Trödel-Tipps der Organisatoren:

Schnäppchenjäger Zwar startet der Garagenflohmarkt am Sonntag offiziell um 11 Uhr, erste Schnäppchenjäger dürften sich jedoch schon vorher auf den Weg machen. "Ich habe die Standbesitzer noch einmal darauf hingewiesen, dass sie ihre Garage schon vorher öffnen sollten", sagt Mitorganisator Eckart Gügel. Wer ein Schnäppchen machen will, sollte sich also etwas früher auf den Weg machen.

Nicht stressen Einen Anspruch auf Vollständigkeit sollten die Besucher nicht an den Tag legen, rät Gügel. Alle Garagen zu besuchen, wäre zeitlich schwierig und würde zudem nur stressen.

Kein Auto Immer wieder komme es vor, dass mit dem eigenen Wagen von Garage zu Garage gefahren werde. "Man kann natürlich größere Strecken mit dem Auto überbrücken, aber die Gegend sollte man schon zu Fuß erkunden", bittet Gügel.

Hollywoodschaukel Die Wohnanlage der Lebenshilfe (Würzburger Straße 33) spart auf eine Hollywoodschaukel und bietet dafür neben Trödel auch auf Spendenbasis Kaffee und Kuchen an.