Wie königlich-bayerisch waren die hiesigen Franken eigentlich? Und wann genau ist Herzogenaurach bayerisch geworden? Das waren Fragen, die sich die Schüler der Arbeitsgruppe Geschichte der Realschule stellten. Im Stadtarchiv haben sie eifrig Akten gewälzt für ihre Ausstellung "200 Jahre bayerische Verfassung - 100 Jahre Freistaat Bayern" und viel Interessantes zutage befördert.

Für den Herzogenauracher Stadtrat war es 1918 jedenfalls trotz vier unsäglich langer Jahre Krieg, zahlreicher Entbehrungen und großer Not ganz klar, dass dem bayerischen Königspaar anlässlich seiner Gold-Hochzeit ein teures Geschenk gemacht werden müsse. Die Wittelsbacher waren als Monarchen beliebt, das zeigen auch die Feierlichkeiten zum 700. Regierungsjubiläum des Hauses 1880.

Ein dreitägiges Programm wurde von den Herzogenaurachern auf die Beine gestellt, mit Zapfenstreich, Festzügen, Gottesdienst, Parademusik, "Redeakt", landwirtschaftlichem Bezirksfest, musikalischer Unterhaltung und Volksbelustigungen im Weihersbach. Die Verehrung für den Monarchen war allenthalben zu spüren.

Dem Märchenkönig Ludwig II. hatte man in Herzogenaurach ein Denkmal errichtet, doch die Zuneigung zum Prinzregenten Luitpold war weitaus tiefer. Das belegen auch die im Stadtarchiv Herzogenaurach überlieferten Akten und Dokumente. Schon zu Lebzeiten galt Luitpold als beliebtester Monarch in der Geschichte Bayerns. Seine Geburtstage wurden groß gefeiert, auch in Herzogenaurach.

Dabei war am Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert vieles offen gewesen, und die bayerische Übernahme an der Aurach keineswegs sicher. Wohin die Reise für die Herzogenauracher gehen würde, war Ende 1802 noch nicht klar, als der Kurfürst von Bayern das Hochstift Bamberg erstmals in Besitz genommen und der letzte Fürstbischof Christoph Franz von Buseck auf seine Regierungstätigkeit verzichtet hatte. Eine fast 800 Jahre währende Zugehörigkeit Herzogenaurachs zu Bamberg endete zunächst damit.

Durch die Säkularisierung, festgelegt im Reichsdeputationshauptschluss von 1803, wurde diese Entwicklung auch rechtlich bestätigt. Allerdings fiel noch im selben Jahr per Staatsvergleich zwischen Bayern und Preußen vom 30. Juni 1803 das Amt Herzogenaurach an Preußen, und wurde dem preußischen Fürstentum Bayreuth einverleibt. Der für Preußen unglücklich verlaufene Krieg mit Frankreich bedeutete, dass Herzogenaurach - zusammen mit den Fürstentümern Ansbach und Bayreuth - im Oktober 1806 von Franzosen besetzt und 1807 an Frankreich abgetreten wurde. Erst 1810 übergab Napoleon die französische Provinz Bayreuth, in der das Amt Herzogenaurach lag, an das Königreich Bayern.

Der frisch gebackene König Maximilian I. Joseph brachte beachtliche Neuerungen auf den Weg, die für damalige Verhältnisse deutschlandweit als fortschrittlich und liberal gelten konnten. An allererster Stelle steht die neue Verfassung von 1818, in der bürgerliche und politische Freiheiten festgeschrieben, eine erste Kammer (Adel und Klerus) und eine Volksvertretung geregelt wurden, auch der Monarch war an sie gebunden.

Auf lokaler Ebene ist das Gemeindeedikt von 1818 das zentrale Dokument, das nicht zuletzt Städten wie Herzogenaurach ein gewisses Maß an Selbstverwaltung ermöglichte. Institutionen, die in dieser Zeit geschaffen wurden, wie die bayerische Landwehr, wirkten integrierend.

Mit ihren Staatsreformen hatten sich die bayerischen Monarchen sukzessive den Respekt der Bürger verschafft. 1918 war es damit vorbei. Der überhaupt erste deutsche Monarch, der gestürzt wurde, war König Ludwig III. von Bayern.

Auch durch Herzogenaurach fegte der Revolutionswind. Doch das ist bereits eine andere "bayerische Geschichte" in Herzogenaurach.

Die Schau ist noch bis 17. März im Stadtmuseum zu sehen: Samstag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr

Führungen auf Anfrage an stadtmuseum@herzogenaurach.de.