Für Cäcilie Trautner ist es eine große Erleichterung. Die Frau ist schwerhörig und sah sich oftmals gezwungen, von Angeboten in der Öffentlichkeit fern zu bleiben. Jetzt hat sie die Möglichkeit, in städtischen und kirchlichen Einrichtungen besser als bisher zuhören zu können - so genannte induktive Höranlagen machen es möglich. Wer das passende Hörgerät besitzt, kann ohne Rauschen verstehen, auch da, wo konventionelle Geräte in ihre Grenzen stoßen.

Die Herzogenauracherin besucht beispielsweise gern Kirchenkonzerte, aber auch Stadtratssitzungen. Bisher hatte sie kaum eine Chance folgen zu können, auch wenn die Politiker laut und deutlich sprachen. Der Sitzungssaal ist aber seit einiger Zeit mit Induktionsschleifen ausgestattet, die die Situation deutlich verbessern. Cäcilie Trautner kann das bestätigen: "Das ist ein Segen", sagt sie im Pressegespräch zu einem neuen Infoblatt, das Hörgeräteträger auf die jeweiligen Stellen mit induktiven Höranlagen in der Stadt hinweist.

Die Funktionsweise ist relativ einfach. An öffentlichen Stätten, wie eben in Veranstaltungsräumen oder Kirchen, werden Induktionsschleifen verlegt. Im Sitzungssaal sind die hinter der Wandverkleidung versteckt. Sie reagieren auf elektromagnetische Wellen anstatt auf Schall. Der Empfänger benötigt dazu ein Hörgerät, das digitalen Empfang ermöglicht und rauschfrei ist. Mit einem Schalter, so erläuterte der städtische Behindertenbeauftragte Wolfgang Jörg, lassen sich die Geräte umstellen. Für den Empfang ist ein Signal über ein Mikrofon erforderlich.
Jetzt hat Jörg gemeinsam mit Trautner und unterstützt durch die Stadt ein Informationsblatt entworfen. Darin sind die städtischen und kirchlichen Einrichtungen aufgelistet, "die Hörgeräteträgern eine Möglichkeit bieten, Veranstaltungen, Konzerte, Vorträge oder Schulungen in silbenreiner Qualität und optimaler Lautstärke zu verfolgen, sofern sie über ein Hörgerät für induktiven Empfang (Schalter mit "T"-Stellung) verfügen." So steht es in einer Pressemitteilung zum Thema.

Für Wolfgang Jörg ist es auch wichtig, generell über diese Möglichkeit zu informieren. "Viele wissen noch gar nichts über diese Technik", stellte er fest. In jedem Fall müsse der Hörgeräteakustiker den Empfang aktivieren. Cäcilie Trautner ergänzt, dass jedes moderne Hörgerät dafür geeignet sein sollte.

Teilnahme am öffentlichen Leben

Ein Allheilmittel ist das zwar auch nicht. "Sobald mehrere Leute gleichzeitig sprechen, hab ich Probleme", sagt die schwerhörige Frau. "Da stoßen auch moderne Hörgeräte auf ihre Grenzen." Aber jetzt habe sie die Möglichkeit, beispielsweise Predigten oder Reden im Stadtrat präzise und ohne störendes Rauschen zu verfolgen. Trautner: "Das ist sehr wohltuend und ich muss nicht mehr zu Hause sitzen." Behindertenbeauftragter Jörg bestätigt das: "Das erleichtert die Teilnahme am öffentlichen Leben. Das ist der springende Punkt." Damit ist Herzogenaurach wieder einen Schritt barriereärmer, wie Bürgermeister German Hacker anmerkt. Und vielleicht, so hofft Jörg, könne man damit den Anstoß für die Gründung einer Selbsthilfegruppe geben.

Für die Herzogenauracherin kam ihre Behinderung spät. Bis 1997 habe sie normal hören können, dann aber zusehends schlechter. Erst haben normale Lautsprecher noch genügt. Doch jetzt ist sie heilfroh, dass es die induktiven Höranlagen gibt.

Die Einführung dieser Errungenschaft im Sitzungssaal des Rathauses war mit einem lustigen Nebeneffekt verknüpft, wie Bürgermeister Hacker verrät. Beim Wechsel vom öffentlichen auf den nichtöffentlichen Teil der Sitzung habe man einmal vergessen, das Gerät auszuschalten. "Das sendete fröhlich aus dem Sitzungssaal hinaus", sagte der Bürgermeister schmunzelnd. Freilich war das für gesunde Ohren nicht zu hören. Aber Träger von entsprechenden Hörgeräten hätten das klar und deutlich verfolgen können.


Wo gibt es die Anlagen?


Stätten Mit induktiven Höranlagen sind folgende Stellen ausgestattet: Sitzungssaal und Bürgerbüro im Rathaus, Saal der Musikschule, Freizeitheim (Erdgeschoss und erstes Obergeschoss), Vereinshaus, VHS, Kirchen St. Magdalena, St. Otto, St. Josef und evangelische Kirchengemeinde.

Verteiler Das Informationsblatt "Induktive Höranlagen in unserer Stadt" ist des Weiteren im Rathausfoyer, in den teilnehmenden Einrichtungen, dem Herzogenauracher NHO-Arzt Dr. Bucher und bei den Hörgeräte-Akustikern ausgelegt.