Am Ende der Würzburger Straße findet sie man seit ein paar Jahren, auch an anderen Stellen der Stadt sind sie schon vorhanden und künftig werden die speziellen Aufpflasterungen im Stadtgebiet überall dort entstehen, wo Straßen saniert oder neu gebaut werden. Gemeint sind die so genannten Bodenindikatoren, also weiße Pflasterungen mit Rillen. Sie dienen sowohl Blinden und Sehbehinderten als auch Nutzern von Rollatoren oder Rollstühlen beim Überqueren von Straßen.

Was beim Ausbau der Würzburger Straße auf eine Initiative des städtischen Behindertenbeauftragten Wolfgang Jörg hin umgesetzt wurde, ist inzwischen Gesetz. Es ist vorgeschrieben, dass an Straßen fühlbare Elemente für Behinderte angebracht werden.

Diese Indikatoren verfügen über unterschiedliche Rillen: In Längsrichtung können sie von den Sehbehinderten mit Blindenstock oder auch den Füßen ertastet werden. Daneben sind Pflaster mit Querrillen angebracht. Diese zeigen den Nutzern von Rollatoren an, dass sie dort bequem die Fahrbahn überqueren können. Weil der anschließende Bordstein entsprechend abgesenkt ist. Und dem Blinden signalisieren sie, dass er dort falsch ist.


Runde "Bobbel"

Die Sehbehinderten haben aber noch eine zusätzliche Hilfe: so genannte, mit Noppen besetzte Aufmerksamkeitsfelder. Diese "runden Bobbel", wie es der Schwabe Jörg bei einem Ortstermin mit dem FT bezeichnete, sagen dem Spaziergänger "Achtung, da kommt was". Solche Felder münden dann meist auf die genannten Querungshilfen oder führen zu Bushaltestellen.

Wolfgang Jörg ist mit der Zusammenarbeit mit der Stadt zufrieden. Man sei im Rathaus offen für Anregungen und setze auch viel um. "Man muss konstruktiv im Dialog sein, dann kann man auch etwas bewegen", sagt Jörg.
In der Innenstadt beispielsweise. Auf dem Gehweg in der westlichen Hauptstraße und auch auf dem Marktplatz und zum Schlosshof hin wurden Furte angelegt mit flachem, geschliffenem Pflaster. Diese sind einfacher zu befahren als das mittelalterliche Kopfsteinpflaster. Allerdings steht eine wichtige Maßnahme noch bevor: die Fußgängerzone zwischen Sparkasse und Vereinsbank.

Dort aber ist das historische Pflaster in Bögen verlegt, eine Furt könne man dort also nicht schaffen. Und eine Verfugung hilft laut Jörg wohl auch nicht. "Dort bliebe nur eine Generalsanierung", sagt der Behindertenbeauftragte. Die aber käme sehr teuer und würde wieder eine längere Bauzeit in Anspruch nehmen. Außerdem sei zu klären, ob die Stadt nicht Fördergelder zurück zahlen müsste. Und ob ein komplett anderes Pflaster politisch gewollt ist, sei auch eine Frage. Langfristig aber, so ist sich Jörg sicher, "wird man nicht drum herum kommen."
Doch zurück zum "gewöhnlichen" Straßenverkehr. Auch an den Bushaltestellen tut sich was. An zwei Stellen hat man inzwischen so genannte Kassler Boards gebaut. Diese sind laut Jörg 18 bis 24 Zentimeter hoch und erlauben es einem Rollstuhlfahrer, einfach und höhengleich in den Bus zu gelangen. Denn der könne durch Kippen entsprechend abgesenkt werden. Allerdings klappe das momentan nur mit den Stadtbussen, aber auch neue Überlandbusse sollen ab 2018 entsprechend ausgestattet werden. So soll auch die Zahl dieser Kassler Boards im Stadtgebiet weiter steigen, freut sich Jörg.


Weitere kommen hinzu

Von den, gesetzlich vorgeschriebenen Querungshilfen habe man, auf das Stadtgebiet verteilt, bereits mehr als 20. Und an jeder neuen Maßnahme sollten welche hinzukommen. Wie beispielswiese zuletzt droben bei der Vipa, sagt Jörg.

Seit 2003 ist das Bayerische Behindertengleichstellungsgesetz in Kraft. Durch dieses soll gewährleistet werden, dass Menschen mit Behinderungen gleichberechtigt und selbstbestimmt am Leben in der Gesellschaft teilhaben können. Ein wesentlicher Bestandteil davon ist die barrierefreie Gestaltung öffentlicher Wege, Plätze und Straßen. Sie sollen also für Menschen mit Behinderungen ohne besondere Hindernisse und vor allem ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sein.

Seit 2011 regelt eine DIN-Norm den Einsatz von Bodenindikatoren im öffentlichen Raum. Manchen Städten geht das nicht weit genug, wie zum Beispiel Bamberg. Dort wurde 2014 ein Leitfaden erstellt. Dieser greift die häufigsten städtebaulichen Maßnahmen auf und macht den Einsatz der Indikatoren in der jeweiligen Situation leicht verständlich, wie im Bamberger FT berichtet wurde.