Sehr harmonisch seien die Vorberatungen im Finanzausschuss gelaufen, meint SPD-Fraktionsvorsitzender Curd Blank. Zum Streiten biete der Haushalt für 2015 kaum einen Anlass, ergänzt er.

Für Herzogenaurach sei das in diesem Jahr ein "Durchschnitts-Etat". Dennoch erlaube er es, alle Aufgaben zu erledigen und die Voraussetzungen für die ganz großen Projekte zu schaffen, die in den kommenden Jahren durchgezogen und auch finanziert werden müssen. Rund 60 Millionen Euro an liquiden Mitteln respektive Rücklagen ermöglichen es laut Blank, diese Mammutaufgaben auch wirklich umzusetzen.

Blank hatte gemeinsam mit Retta Müller-Schimmel und Maximilian Maydt von den Grünen zum Pressegespräch geladen. Beide Fraktionen erläuterten ihre Vorstellungen zum Etat und fixierten ihre Schwerpunkte. Rot-grün bildet im Stadtrat die Mehrheit.

Einig sind sich die Sprecher der beiden Fraktionen darin, dass der Haushalt 2015 sich vor allem durch seine Weichenstellung bis weit hinein in die Zukunft auszeichnet. Viele Planungen würden angestoßen und vorangetrieben, denn große Projekte stehen ins Haus, sagte Müller-Schimmel. Ob Südumgehung oder Stadtumlandbahn, Rathaus oder Stadthalle, Schütt-Sanierung oder Herzo Base - in den kommenden Jahren werden Beträge in deutlich zweistelligem Millionenbereich erforderlich. Curd Blank: "Es ist ein für viele Jahre zukunftsweisender Haushalt."

Neue Straßen

Doch nicht nur diese Mammutaufgaben prägen den Etat, es bleibe genügend Geld für viele Pflichtaufgaben. Dazu zählt Blank auch die Erneuerung von schadhaften Straßen und Kanälen. Vor Jahren habe ein Ingenieurbüro eine lange Liste erstellt, deren Abarbeitung sich noch lange hinziehen dürfte. Ein paar Sachen packe man aber an, sagt der SPD-Fraktionschef, wie zum Beispiel die Adlerstraße: "Die ist überfällig", sagt Blank.

1,7 Millionen Euro fürs Parkdeck an der Schütt, mehr als zwei Millionen Euro für Kinderhorte, eine gute Million für die Feuerwehren - weitere Ansätze, die den Menschen zugute kommen, wie Müller-Schimmel sagte. Damit der wachsende Berg an Aufgaben auch bewältigt werden kann, soll das Personal im Rathaus entsprechend aufgestockt werden. So seien ein Ehrenamts-Koordinator ebenso beabsichtigt wie eine hauptamtliche Stelle für den Klimaschutz. Herzogenaurach leiste viel für die Energiewende, meint Blank. Jetzt müsse das umgesetzt werden, was erarbeitet wurde.

Mit inzwischen mehr als zehn Millionen Euro machen die Personalkosten bei den Ausgaben einen der dicksten Brocken aus. Dabei müsste man noch dreieinhalb Millionen Euro draufrechnen, warf Retta Müller-Schimmel ein; nämlich dann, wenn man nicht mehr auf eine ehrenamtlich tätige Freiwillige Feuerwehr zählen könne. Man habe mal ausgerechnet, was berufstätige Einsatzkräfte die Stadt denn kosten würden. Überhaupt sei das Ehrenamt nicht hoch genug zu bewerten, meinte die Grüne und stellte in Frage, ob das dauerhaft so bleiben werde.

Stadthalle mit Adidas?

Nicht in allen Punkten sind sich rot-grün einig. "Die Südumgehung bräuchte ich nicht", meint Müller-Schimmel entgegen der Meinung der SPD. Und auch bei der Stadthalle ist der Juniorpartner skeptischer. Man sollte ernsthaft prüfen, ob ein von Adidas geplantes Konferenzzentrum auf der Herzo Base nicht gleichzeitig als Stadthalle genutzt werden könnte, meinte Max Maydt. In vielen Städten sei so eine eigene Halle für die Kommunen ein Draufzahlgeschäft. Maydt: "Man muss sich nicht gegenseitig Konkurrenz machen. Vielleicht braucht's eine Stadthalle ja gar nicht mehr!" Ganz so weit will Curd Blank nicht gehen, aber sprechen sollte man mit Adidas auf jeden Fall. Vielleicht gebe es ja eine Form der Beteiligung.

Die grüne Stadträtin Müller-Schimmel fand das Schlusswort. "Herzogenaurach wird sich sehr verändern", sagte sie. "Die Sachen sind im Fluss". Und an die Bevölkerung richtete sie den Appell: "Bürger, beteiligt euch, gestaltet mit."

Die Haushaltssitzung des Stadtrates ist am 29. Januar.