"Man soll neugierig sein!" Bürgermeister German Hacker lädt die Bürger dazu ein, beim Spaziergang durch die Stadt und rund um die Großbaustelle am Schloss mal innezuhalten. Und neugierig zu sein. Denn die Stadt hat im Zuge dieser Jahrhundert-Maßnahme, die noch bis mindestens zum Jahresende 2022 dauert, eine besondere Freiluft-Ausstellung organisiert. Der Bretterzaun an der Großbaustelle wurde mit viel Wissenswertem und zahlreichen Fotos bestückt. "Es ist ein Wust an Informationen", sagte Hacker bei der Eröffnung am Dienstag.

Schlossgeschichte

Vor allem wird die Geschichte des Schlosses beleuchtet, das im 18. Jahrhundert durch den Bamberger Fürstbischof Lothar Franz von Schönborn seine heutige Gestalt erhielt, dessen Geschichte aber bis ins zwölfte Jahrhundert zurückreicht, als es eine Burg gewesen ist. Das Schloss, das seit 1967 auch schon Teil des Rathauses war. Des Rathauses, das nun abgerissen worden ist und zurzeit neu errichtet wird.

"Aus der Geschichte des Herzogenauracher Schlosses, als eindrucksvolles Zentrum der Stadt, speist sich das Selbstverständnis und die Identität des Gebäudes", heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt. Und so ist eine Art Freiluft-Galerie entstanden. Auf rund 35 Metern Bauzaun entlang der Rathausbaustelle ist eine Dokumentation über die Geschichte des Schlosses und des Rathausgebäudes entstanden.

Die Besucher erfahren Neues, Wissenswertes und Kurioses über die Historie von Schloss und Rathaus im Herzen der Stadt. Die Bürger werden zu einem Spaziergang durch die Jahrhunderte eingeladen. Und können sich davon überzeugen, dass der Standort mittendrin im Herzen der Stadt wohlbegründet sei, wie Hacker anmerkte.

Erste Grabungsbilder

In der Freiluft-Ausstellung mit dem Titel "Zeitreise für Zaungäste" sind erstmals Bilder von den archäologischen Grabungen zur Lage des aufgehenden Mauerwerks des mächtigen Bergfrieds zu sehen, freut sich die Stadt in der Pressemitteilung. Der Betrachter erfährt zudem, dass sich im Mittelalter ein Zwinger dort befand, wo heute die Schlossterrasse ist. An der Nordseite des Anwesens wurde 1838 ein Gefängnis gebaut. Luftaufnahmen vom Abbruch sowie Innenaufnahmen erinnern an das bisherige Rathaus.

Zusammengestellt wurde die Zeitreise unter Mitarbeit der Archäologen, des Stadtmuseums und der am Bau beteiligten Stellen. Sie alle waren am Dienstag zur Eröffnung zugegen. Für die Dokumentation werden witterungsbeständige Banner verwendet. Sie sollen idealerweise bis zum Ende der Ausstellung dort bleiben. Sofern sie nicht vorher verblassen, wie Stadtmarketingschefin Judith Jochmann anmerkte.

Auch in englisch

Bürgermeister Hacker weist darauf hin, dass sich die Bürger auch auf der Webseite der Stadt (www.herzogenaurach.de) dauerhaft informieren können. Da gebe es Antworten auf alle möglichen Fragen rund um das Großprojekt. Des Weiteren sind Webcams im Einsatz. Und wer direkt beim Betrachten der Ausstellung weitergehende Infos haben möchte, gelangt über einen QR-Code auf die passende Seite. Außerdem gibt es auf der Internetseite der Stadt eine englische Version der Ausstellung.

Sehschlitze nutzen

German Hacker möchte den Bürgern aber nicht nur Appetit auf die Ausstellung machen. Denn die Neugier der Bürger bezieht sich ja schließlich auch auf das Geschehen auf der Baustelle selbst. Zum Glück habe man für den Bauzaun Holz hergenommen, "ein guter Werkstoff", wie Hacker sagte. Denn Holz schrumpft. Und so seien überall zwischen den Brettern Lücken entstanden, wo man durchschauen kann. Als wären diese Sehschlitze von vorneherein so beabsichtigt gewesen.