Mittwochs und samstags belebt sich Herzogenaurachs Innenstadt zwischen dem Fehnturm und der westlichen Hauptstraße bis hin zur Brauerei Heller. Hier finden Hausfrauen und sonstige Käufer, die frische Lebensmittel nicht im Supermarkt und als Billigartikel beim Discounter kaufen wollen, frische und qualitativ hochwertige Artikel: Wurst und Fleisch aus dem Thalheimer Tal, Käse aus allen Alpenländern, Eier, Hähnchen, Suppenhühner und Nudeln von fränkischen Erzeugern, eine große Auswahl von frischem und geräucherten Fisch aus deutschen und europäischen Gewässern, Obst und Gemüse von heimischen Händlern, vom Nürnberger Großmarkt oder aus dem Knoblauchs land bezogen, und nicht zuletzt Pflanzen und Blumen aus einer oberfränkischen Gärtnerei, knapp 50 Kilometer von Herzogenaurach entfernt gezogen.

"Fränkisch gestrickt"

Und
überhaupt: die Anbieter am Markt in der Aurachstadt sind alle "fränkisch gestrickt". Sie kommen aus der Stadt selbst und kennen ihre Kundschaft aus dem "ff", wie das Ehepaar Glasauer von der Ecke Goethe-/Gartenstraße, Gerald und Carmela Tourniaire vom Kirchenplatz oder die Rudrichs aus Höfen.
Robert Glasauer hat den Handel mit Obst und Gemüse vor Jahren von seinem Vater übernommen, der als "Flüchtling und alter Hase" schon in den 50er Jahren seinen Handel aufgebaut hatte und anfangs noch mit dem Transporter über Land gefahren ist, um seine Kundschaft per Hausverkauf zu bedienen. Dann kamen Kantinen und der Großhandel dazu, heute sind es gut besuchte größere Gaststätten in Buch/Weisendorf oder Büchenbach, Altersheime und "Casinos", wie sich noblere Kantinen heute nennen, die von Glasauer Junior beliefert werden.
Zweimal wöchentlich stehen Glasauer und sein Kollege Tourniaire bei Wind und Wetter vor der Herzogenauracher Sparkasse, immer höflich und gut aufgelegt, auch bei Hitze, Regen oder Schneefall. Beide führten ihre Geschäfte bereits, als es in der Stadt lediglich zwei "Supermärkte" gab, deren Angebot mit dem ihren aber längst nicht mithalten konnte: den "Verbraucher Schmidt" am Eingang zur Goethestraße (heute Postfiliale und Telekommunikation Norbert Scholian) und den Lebensmittelmarkt "Hanika" (später Edeka) am Ende der Hauptstraße.
Ob es da nicht einen Konkurrenzkampf um die Käufergunst gibt? "Nein, wir sind Kollegen, und wenn Not am Mann ist, dann helfen wir uns gegenseitig und wenn es die Zeit erlaubt, dann gibt es auch Privatgespräche. Bisweilen blüht der Flachs, es wird geblödelt und oft hilft man sich gegenseitig beim Auf- und Abbau des Marktstandes", so Robert Glasauer.
Und was genauso wichtig ist: die Ehefrauen "passen", was im Fränkischen soviel bedeutet wie " sie identifizieren sich mit dem Geschäft ihrer Männer und sie können zupacken". Außerdem ergänzen sich die beiden wunderbar: die gebürtige Sizilianerin Carmela, (verheiratete Tourniaire) vor 20 Jahren an die Aurach gekommen und der Liebe wegen hier geblieben, und die Glasauerin, die gemütliche Fränkin aus Buch/Weisendorf, die in der elterlichen Gaststätte das Arbeiten gelernt hat. Klaus-Peter Gäbelein