Große Wellen hat vor gut zwei Wochen eine Kritik des Karnevalsclubs Herzogenaurach (KCH) am städtischen Vereinshaus geschlagen. Pünktlich zum Sessionsende hatten die Narren angekündigt, künftig keine Veranstaltung mehr in dem städtischen Veranstaltungssaal abhalten zu wollen. Vor allem der Wirt stand da in der Kritik. Jetzt holte Bürgermeister German Hacker (SPD) die beiden Kontrahenten an einen Tisch. Mit dem vorläufigen Ergebnis: Eine Rückkehr des KCH ins Vereinshaus ab 2015 ist offenbar möglich.

2014 hingegen "werden wir definitiv nicht ins Vereinshaus gehen", sagte KCH-Vorsitzender Gerd Engert gestern auf Anfrage des FT. Da feiert der Verein nämlich sein 50. Jubiläum und bemüht sich, für die Prunksitzungen einen anderen Rahmen zu finden. Es soll im kommenden Jahr ein größerer Saal sein, teilt die Stadtverwaltung in einer Presseerklärung mit.
Diese hat Bürgermeister German Hacker nach der Unterredung verschickt, an der auch Gerd Engert für den KCH und Vereinshauspächter Serkan Bektas teilnahmen. Unterzeichnet haben beide Kontrahenten, moderiert wurde das Abstimmungsgespräch von German Hacker.

Verhandlungsbereit

Nach dem Jubiläumsjahr aber könnte das "Uraha Helau" dann schon wieder im Vereinshaus erschallen. Wörtlich steht in der Presseerklärung: "Für die Folgejahre ist man bereit, nach klarer Vorbesprechung ins Vereinshaus zu gehen". Was für den KCH konkret Folgendes bedeutet: "Wenn die Vorgaben eingehalten werden, dann können wir darüber reden", sagt Engert. Zu den maßgeblichen Vorgaben gehört für ihn vor allem die Sauberkeit, in den Toiletten, aber auch im Saal. Das habe man so besprochen und abgemacht. "Wir werden das kontrollieren", erläutert Engert weiter und kündigt vor den Prunksitzungen eine Begehung des Hauses an. Zu weiteren Einzelheiten wollte er keine Stellung beziehen. Man habe vereinbart, sich nicht weiter zu äußern.

Neubau nicht vor fünf Jahren

Für Bürgermeister German Hacker war es wichtig, "die beiden Seiten zusammenzuführen", wie er auf Anfrage des FT sagte. Er hat gewissermaßen als Moderator fungiert und zeigte sich zufrieden. "Wir haben ein gutes Ergebnis erzielt". Immerhin habe man erreicht, dass der Verein das Vereinshaus wohl wieder nutzen wolle.
Was generell mit dem städtischen Veranstaltungsgebäude geschehen werde, könne man jetzt noch nicht sagen. Ob Sanierung oder Neubau, diese Frage werde sich erst in ein paar Jahren stellen. Hacker selbst favorisiert den Abriss des Hauses mit Neubau eines Kultursaals oder einer Stadthalle am gleichen Standort. Diese "Idealvorstellung" könne aber keinesfalls vor fünf Jahren angepackt werden. Denn erst müsse die Umgestaltung des benachbarten Hubmannparkplatz es geschafft sein. Zwei Großbaustellen in unmittelbarer Nähe würde die Innenstadt gleichzeitig nicht verkraften.

Das allerdings war bei der Unterredung im Rathaus kein Thema. Da ging es darum, "die Unstimmigkeiten im Nachklang der diesjährigen Prunksitzungen aus der Welt zu schaffen". Das sei auch gelungen, sagt Hacker. Darauf geht auch der Wortlaut der Pressemitteilung ein: "Bei dem einstündigen, guten und kooperativen Gespräch wurden verschiedene Themen, wie zum Beispiel einerseits die Sauberkeit im Vereinshaus und die Verlässlichkeit der verfügbaren Tontechnik und andererseits auch das Verhalten vereinzelter Mitglieder des Vereins angesprochen. Beide Gesprächspartner haben dabei durchaus auch Verständnis für die Haltung der anderen Seite gezeigt".

Bürgermeister Hacker zeigte sich froh, "dass sich beide Seiten gut angenähert haben und Kompromisse schließen konnten". Und weiter: "Beide Seiten haben sich bewegt, das ist sehr gut", sagte er. Die Stadt werde zusammen mit dem Pächter das Thema Tontechnik noch genauer beleuchten, damit eine sichere Versorgung gewährleistet ist.

Ob Kinder- und Seniorenfasching im Jubiläumsjahr 2014 im Vereinshaus stattfinden, ließ Gerd Engert als weiteres Ergebnis der Unterredung noch offen. Der Verein wolle erst die heiße Phase der Session planen.

Abfall und Alkohol

In der gemeinsamen Erklärung heißt es, den KCH betreffend, weiter: "Logistische Schwierigkeiten wie den auftretenden Abfall durch das Abschminkmaterial der zahlreichen kleinen und großen Künstler und das Ausschenken von privatem Alkohol will man mit den Mitgliedern klären und verbessern". Auf der anderen Seite habe Serkan Maktav klar gestellt, "dass das Thema Sauberkeit, insbesondere der Toiletten, in Zukunft definitiv kein Problem mehr sein wird". Man werde hierfür - je nach Veranstaltung - auch zusätzliche Reinigungen veranlassen oder für den Abend zum Beispiel eine Toilettendame zur Verfügung stellen.

Kein Thema für beide Seiten stellte laut Pressemitteilung aus dem Rathaus das Thema Preise des angebotenen Essens dar. Einerseits sollen die angebotenen Speisen eine gute Qualität haben und andererseits sollen sie günstig sein und mit gutem Personalservice angeboten werden. Letzteres habe einfach einen Mindestpreis, stellte Serkan Maktav fest. Er bemühe sich, die Preise so moderat wie möglich zu halten.

Am Donnerstag Thema im Stadtrat

Spannend könnte in diesem Zusammenhang die Stadtratssitzung am Donnerstagabend (ab 18 Uhr) werden. Denn in einem Antrag spricht der SPD-Stadtrat Gotthard Lohmaier auch das Vereinshaus an. Der Wortlaut seines Antrags: "Wie geht die Stadt Herzogenaurach, immerhin Eigentümer des Vereinshauses, mit den Klagen verschiedener Vereine hinsichtlich der Situation bei Veranstaltungen in dieser Örtlichkeit um? Der KCH ist ja nicht der erste Verein, der sich über einzelne Aspekte beschwert, zum Beispiel über Missstände vor Ort oder über die finanziellen Bedingungen".

Bürgermeister German Hacker will in der Sitzung Stellung zu dem Antrag beziehen, der im öffentlichen Teil behandelt wird.