Jeden Donnerstag ist Stammtisch bei den Felsenkellerfreunden. Da muss jeder sein Bier selber mitbringen. Herbert Friedrich geht dann ein paar Schritte vom ehemaligen Gefrierhaus in den "Katzergrom" (Katzengraben), holt den riesigen Schlüssel heraus, öffnet die massive Kellertür und steigt hinab in seinen Keller. Im hintersten der drei Kellerräume lagert er sein Bier - wie seine Vorgänger. Zwei niedrige Sandsteinbänke, auf denen die Fässer abgestellt wurden, belegen das. "Das ist unser Urkeller", sagt dazu Detlef Knapp, der Sprecher der Lonnerstadter Felsenkellerfreunde.
1989 hat Friedrich den damals schon recht verlotterten Keller erworben, um nach altem Ortsbrauch sein Bier zu lagern. "Was mussten wir da an Schutt und Unrat herausräumen", erzählt er. Und, dass zuletzt die Feuerwehr anrückte, um die drei geräumigen Sandsteinkammern sauber zu spülen.
Der Keller, der nach einer eingemeißelten Inschrift von einer Brauerei Jäger 1832 angelegt wurde, lag damals fünf Stufen unter dem Wegniveau. Friedrich verlängerte den Kellerhals und mauerte einen neuen Eingang mit einem schön geschwungenen Giebel. Andere taten es ihm nach. Daraus wurde die Gemeinschaft der Felsenkeller-freunde.
Ihr heutiges Domizil, direkt neben den zehn Kellern um den Katzergrom, war das ehemalige Gemeinschaftsgefrierhaus. Kellerfreund zu sein, bedeutet
zulangen können. Ob bei Baumaßnahmen oder auch in der Quellenforschung. 2009, die 1100-Jahr-Feier des Marktes stand an, begannen die Felsenkellerfreunde den Bestand an Felsenkellern im Ort zu inventarisieren. 22 existieren noch. Der älteste ist der bei der ehemaligen Brauerei Schorr nahe bei der Kirche. Er ist seit 1600 nachgewiesen.
"Die Eigentümer herauszufinden, war teilweise recht schwierig", meint Knapp. Durch die Forschungsarbeit der Felsenkellerfreunde wurden auch etliche Grundbuchänderungen initiiert.

Bis zu 18 Brauereien


Im Jubiläumsjahr begannen sie mit öffentlichen Kellerführungen, zu denen auch Privatleute die Türen öffneten.
Aber zuvor musste die örtliche Keller- und damit Braugeschichte aufgearbeitet werden. "In Lonnerstadt gab es zwei Arten von Kellern, die Brauereikeller und die der Hausbrauer", sagt Kellerfreunde-Sprecher Knapp. Bis zu 18 Brauereien sind im Mittelalter im Marktflecken nachgewiesen. "Praktisch war fast jedes Haus eine Gastwirtschaft", schätzt Knapp.
Das lag daran, dass Lonnerstadt an der uralten Handelsstraße von Nürnberg nach Würzburg lag. Die Aisch querte man, bevor es die steinerne Brücke in Höchstadt gab, durch eine Furt bei Sterpersdorf. Da die nicht immer passierbar war, war in Lonnerstadt eine Rast angesagt.
Auch später blieb der Ort bei Nürnberger Kaufleuten beliebt, weil er in reichsstädtischen Besitz gelangt war. Und zu handeln gab es auch was: Hopfen, wie das Ortswappen belegt.
Die "Hausbrauerkeller" sind deutlich jüngeren Datums. Die meisten von ihnen, so hat Knapp herausgefunden, wurden in den 20er und 30er Jahren angelegt. Als Folge des bayerischen Hausbraurechtsgesetzes. "Man wollte damit der Landbevölkerung ein sicheres Lebensmittel zur Verfügung stellen", erläutert Knapp. "Ein Bauer mit bis zu zehn Hektar Landbesitz durfte im Jahr zehn Hektoliter brauen lassen; die mit mehr Land 15 Hektoliter." Voraussetzung war der Anbau von Gerste oder Hopfen. Der Bauer musste die Brauzutaten an die Brauerei liefern und - einen Felsenlagerkeller nachweisen.

Gemeinsam gegraben


So entstanden die meisten Keller: Einer begann einen Eingang in den Sandstein zu graben und andere, deren Anwesen nicht so günstig am Felsen lagen, schlossen sich ihm an. So entstanden Keller mit bis zu zehn und zwölf Abteilungen. Bis in die 80er Jahre wurde von diesem Hausbraurecht Gebrauch gemacht.
"Aus der Zeit gibt es auch eine Anekdote", ergänzt Friedrich. "An einem Samstag im Frühjahr wurde beim Schorr gefasst. Der ganze Kirchplatz stand voller Fuhrwerke. Da kam die damals neue Gemeindeschwester vorbei und fragte ernsthaft, ob denn alle im Ort Alkoholiker seien." Ganz so sei's nicht gewesen, aber bei manchen Abholern habe die Bierprobe schon den ganzen Tag gedauert. Die Bauern hatten Holzfässer mit 200 bis 250 Liter Fassungsvermögen. Vier bis sechs Wochen sei so ein Fass dann gelaufen.
Vor den "Fasstagen" zog der Büttner von Ort zu Ort, um diese Fässer nachzupichen. Das Pech zwischen den Fassdauben machte die Behälter dicht und keimfrei. Wer noch mehr über Bier in Lonnerstadt wissen will, darf gern zum Stammtisch kommen. "Der ist öffentlich", sagt Friedrich.