Geschlossen präsentierten sich die Freien Wähler im Kreis Erlangen-Höchstadt bei ihrer Jahreshauptversammlung. Zu dieser waren sie im Fischereisaal der Höchstadter Fortuna Kulturfabrik zusammengekommen. Einstimmig wurde ein neuer Vorstand gewählt und für den Rechenschaftsbericht der Vorsitzenden Irene Häusler gab es kräftigen Applaus.
Unabhängige Wählervereinigungen in der Kommunalpolitik gab es bereits in der Weimarer Republik. In Landtag und Europaparlament findet man sie hingegen erst seit wenigen Jahren. Allerdings aus gutem Grund, wie Irene Häusler erläutert. "Heute werden, mehr als früher, kommunalpolitische Weichen überregional gestellt", sagte die Kreisvorsitzende der Freien Wähler. "Wer wirklich für die Bürger vor Ort aktiv sein will, braucht deshalb auf allen Ebenen einen Fuß in der Tür."
Ein auf den ersten Blick logischer Gedanke, der es jedoch juristisch in sich hatte. Denn aus rechtlichen Gründen können die traditionsreichen Wählergemeinschaften sich nicht an überregionalen Wahlen beteiligen. Deshalb gibt es heute den als Verein eingetragenen Kreisverband der Freien Wähler. Daneben existiert eine Kreisvereinigung der überregional als Partei zusammengeschlossenen Freien Wähler. Deshalb wurden in der Kulturfabrik gleich zwei Jahreshauptversammlungen abgehalten.
Für beide Gruppierungen ließ Irene Häusler das Jahr im Landkreis aus politischer Sicht Revue passieren. "Die Entscheidung, den Flüchtlingsstrom unkontrolliert und ungebremst in unser Land zu lassen, wurde für unseren Landkreis zu einer enormen menschlichen und finanziellen Belastung", beklagte die Kreisvorsitzende. Gleichzeitig dankte sie den unzähligen ehrenamtlichen Helfern, die zur Bewältigung der Krise beigetragen hatten. "Zwischenzeitlich konnten die großen Sammelstellen aufgelöst werden. Die Asylbewerber sind nun dezentral in kleinen Einheiten untergebracht. Dies war immer auch das Ziel der Freien Wähler - weil wir uns dadurch bessere Integration und weniger soziale Brennpunkte erhoffen."
Bestätigt sieht sich die FW-Kreistagsfraktion auch bei der weiteren Entwicklung rund um die Stadtumlandbahn. Hier rechnet man mit einer Realisierung der Trasse Nürnberg-Erlangen-Herzogenaurach. "Mehr war für den Landkreis sowieso nie vorgesehen. Wir sollten nur mitbezahlen", beklagte Irene Häusler. Die Freien Wähler wollen hingegen durch bessere Busverbindungen den ländlichen Raum besser an die urbane Achse Erlangen-Fürth-Nürnberg anbinden.


Engagement für Elektrobusse

"Eine von Bürgermeistersprecher Ludwig Wahl initiierte Informationsfahrt nach Künzelsau hat zudem gezeigt, dass der von uns vehement geforderte Umstieg auf Elektrobusse der richtige Weg ist", unterstrich Irene Häusler. Aus Sicht der FW-Chefin ist es deshalb unverständlich, weshalb sich die CSU-Mehrheit diesem Ansatz verweigert. "Immerhin wird von der gleichen Partei in Berlin mehr Engagement für E-Mobilität gefordert."
Anders als im Kreisverband, dort wird der Vorstand für drei Jahre bestimmt, stand für die FW-Kreisvereinigung auch die Neuwahl des Vorstands auf der Tagesordnung.
Intern ist das Jahr 2016 aus Sicht der Führung eher ruhig. "Nach langer Zeit hatten wir einmal keine Wahlkämpfe zu bestreiten", bemerkte Irene Häusler. "Trotzdem werfen die nächsten Wahlgänge bereits ihre Schatten voraus", berichtete Axel Rogner. Denn, so der stellvertretende FW-Bezirksvorsitzende, andere Parteien hätten ihre Kandidaten für die bevorstehende Bundestagswahl bereits benannt. Bei den Freien Wählern gilt es, derartige Personalentscheidungen noch zu treffen. Mit diesen befassen sich im neuen Jahr die Delegierten. ez

Die Gewählten:
Kreisvorstand Einstimmig wurde Irene Häusler (Höchstadt) im Amt als Vorsitzende bestätigt. Ihr zur Seite stehen künftig die ebenfalls einstimmig gewählten Stellvertreter Patrick Prell (Röttenbach), Erich Biermann (Heßdorf), Michael Schölkopf (Eckental) und Günter Brehm (Adelsdorf). Schatzmeister bleibt Axel Rogner (Höchstadt), neuer Schriftführer ist Markus Saft (Kalchreuth). Im Amt der Kassenprüfer wurden Karin Semrau (Röttenbach) und Jochen Kirsch (Möhrendorf) bestätigt.

Delegierte In die Bezirks- und Landesdelegiertenversammlung entsandt wurden: Irene Häusler, Erich Biermann, Patrick Prell, Axel Rogner, Karin Semrau, Günter Brehm, Michael Schölkopf, Steffen Schmidt und Markus Saft. Zu Ersatzdelegierten bestimmt wurden Gerrit Hoppe, Jochen Kirsch, Richard Emrich, Susanne Hocke, Eddi Walz, Andrea Krapf, Karsten Fischkal, Bernhard Seeberger und Regina Dukart.