Bürgermeister German Hacker (SPD) wird sich in den nächsten Wochen mit Sicherheit auf einige Anträge und im Stadtrat gefasst machen müssen. Erstmals gab es in Herzogenaurach eine "Bürgerinnenversammlung", veranstaltet vom Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB). Die Herzogenauracher Vorsitzende des KDFB, Ille Prockl-Pfeiffer konnte dazu in der Gaststätte "Heller" mehr als ein Dutzend Frauen begrüßen. "Das ist ein Experiment und ein erstes Mal ist auch in Herzogenaurach immer ein Wagnis", meinte die CSU-Stadträtin. "Warum brauchen Frauen eine eigene Bürgerversammlung?", fragte Prockl-Pfeiffer in die Runde. Schließlich gibt es doch eine jährliche Bürgerversammlung, zu der Frauen genauso gehen können wie Männer. Doch nach wie vor sind Frauen dort deutlich unterrepräsentiert und melden sich auch viel seltener zu Wort als Männer.
Das habe dann auch zur Folge, dass die Themen, die den Frauen am Herzen liegen, dort nicht genügend Beachtung finden. Obwohl mehr als die Hälfte der Bevölkerung Frauen sind, nehmen an einer traditionellen Bürgerversammlung nur wenige Frauen teil.
"Gerade in unserem direkten Umfeld ist es aber besonders sinnvoll dafür zu sorgen, dass die Sichtweisen und Ideen von Frauen berücksichtigt und ernst genommen werden", meinte die CSU-Stadträtin.
Deshalb ermuntert der Frauenbund seine Zweigvereine, eine Bürgerinnenversammlung ins Leben zu rufen. Was Frauen in ihrer Gemeinde oder Stadt brauchen, wissen sie selbst am besten. Aber sie müssen Wege finden, um ihre Ideen einzubringen und dafür zu sorgen, dass diese Ideen auch bei den Entscheidungsträgern ankommen. So sind Frauen oft Profis, wenn es um die Ortskenntnis geht. Das hängt auch damit zusammen, dass sie - je nach Lebensmodell - häufig mehr Wege zurücklegen als Männer. Vor allem dann, wenn sie vielfältigen Rollen gerecht werden müssen, haben Frauen wichtige Wegeketten zurückzulegen. Beginnend Kindertagesstätten über Arzt und Arbeitsplatz bis hin zum Supermarkt und Musikschule sowie Sportverein oder auch noch zu Eltern oder Schwiegereltern. Es ist bewiesen, dass eine teilzeitberufstätige Frau mit Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen deutlich mehr Wege zurück legt, als ein vollzeiterwerbstätiger Mann oder eine vollzeiterwerbstätige Frau ohne Fürsorgepflichten.
"Frauen wissen in ihrem persönlichen Umfeld sehr gut, was gebraucht würde: Sie sehen vieles in einer anderen Perspektive als Männer. Sie haben einen besonderen Blick dafür, wie die unmittelbare Umwelt menschengerechter gestaltet werden kann", sagte Ille Prockl-Pfeiffer, denn Frauen seien alles andere als eine Randgruppe.
An den Thementischen wurde eifrig diskutiert, dabei ging es weniger um Politik, sondern die Bedürfnisse der Frauen sollten in die Städteplanung mit einfließen. Neugestaltung für die Zukunft, "eine Stadt der kurzen Wege", war zu lesen, denn der öffentliche Nahverkehr wird zu rund zwei Dritteln von Frauen und Kinder genutzt. Themen waren: Wohnen, Leben und Arbeiten sowie Einkaufen in Herzogenaurach, die internationale Kleinstadt, Gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in der Stadtpolitik, Ehrenamt, Frauen und Gesundheit sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
So ging es im "World Café" auch um Fragen des Einkaufs und zur Gastronomie in Herzogenaurach. "Ich bekomm' eigentlich fast alles was ich brauche", wurde beispielsweise geschrieben, allerdings wurde das Angebot an Kinderkleidung bemängelt. Und erstaunlich, nicht wenige Frauen vermissen in Herzogenaurach einen Baumarkt. Dabei geht es weniger um Bohrmaschinen oder ähnlichem, die Fachgeschäfte haben nicht alles im Angebot und gewisse Artikel müssen erst bestellt werden.
Ein Wunsch der Teilnehmerinnen ist auch, den Wochenmarkt zu erweitern oder auf einen Freitag zu legen, denn regionale Produkte werden gerne gekauft.
Auch wohnen im Alter war ein Thema, insbesondere neue Wohnformen und Wohnprojekte, ebenso das kulturelle Leben in der Stadt. So wäre eine Theatergruppe ebenso wünschenswert wie ein Kabarett. So sollten sich die Stadt oder ein Investor mit einer Demenz-WG und Senioren-WG beschäftigen.Für berufstätige Mütter wäre zudem eine Ferienbetreuung während der Herbstferien sehr wichtig.
Die Vorschlags- und Wunschliste der Frauen ist lang, ihnen war aber auch klar, dass nicht alles wünschenswerte auch machbar ist. Deswegen wollen sei sich stärker einbringen und natürlich auch gehörtwissen, schließlich ist Herzogenaurach eine internationale Stadt und werde es noch mehr, wenn die weiteren Flüchtlinge eintreffen. Deswegen rief Prockl-Pfeiffer auch dazu auf, sich ehrenamtlich zu engagieren.