Holt sich Deutschland dieses Jahr zum dritten Mal den Europameister-Titel? Vom 4. bis 6. Oktober findet die Europameisterschaft der Berufe in Belgien statt - Fliesenleger Björn Bohmfalk tritt für Deutschland an.

"Als erstes musste ich mich auf Bezirksebene in meinem Wohnort Aurich in Ostfriesland qualifizieren. Dafür mussten praktische und schulische Leistungen mindestens die Note gut haben. Danach auf Landesebene, und 2010 wurde ich dann auch Bundessieger", erzählt der Fliesenlegermeister Björn Bohmfalk. Nachdem er den Wettkampf gegen den Bundessieger von 2011 gewann, tritt er nun für Deutschland in Belgien im Fliesenlegen an.

"Vor drei Monaten haben wir die genaue Aufgabe erhalten: Ein Rennauto auf einer Rennstrecke mit der Jahreszahl am Boden. Seit drei Wochen trainieren wir täglich. Mitte August waren wir auch schon bei einem öffentlichen Training im Wohnungsbauministerium in Berlin", berichtet Bundestrainer Günther Kropf aus Niederndorf bei Burghaslach. Für das Traning musste Björn Bohmfalk sich Urlaub nehmen, eine Bezahlung gebe es dafür nicht, sagt Kropf. "Viele Teilnehmer müssen eine solche Chance ablehnen, da sie nicht genug Geld und Zeit haben."

Das vorgegebene Bild mit bestimmten Maßen und Farben müsse mindestens drei Mal vorher im Training gefliest werden, sonst habe man keine Chance, denn die Zeit beim Wettbewerb sei sehr knapp, klärt der Bundestrainer auf. "Eine weitere Schwierigkeit ist, dass 30 Prozent der vorgegebenen Aufgabe kurzfristig vor Beginn des Wettbewerbes geändert werden. Das kann man vorher nicht trainieren, da muss dann die Strategie vor Ort neu besprochen werden."

Drei Tage oder 18 Stunden, dürfen die Teilnehmer für ihre Aufgabe brauchen: Zunächst muss der Rohkörper, der befliest wird, selbst von den Kandidaten gebaut werden. Die Fliesen müssen selbst zugeschnitten werden - oftmals besteht eine Fliese aus sechs verschiedenen Teilen. Zudem muss das vorgegebene Bild noch gefliest und verfugt werden. Nicht nur wegen des hohen Zeitdrucks müssten die Nerven stark sein, es seien auch viele Zuschauer, Kameras und Fotografen vor Ort.

18 Stunden Zeit


Am Ende der 18 Stunden bewertet eine Jury, unter ihr auch der deutsche Bundestrainer, die fertigen Arbeiten der Teilnehmer. "Es wird wirklich streng bewertet, zum Beispiel nach Maßgenauigkeit, Ebenheit, ob alles nach dem Plan gefliest wurde und ob die Farbe übereinstimmt", erklärt Kropf. Doch der Bundestrainer sei sich sicher, dass Björn eine gute Chance auf eine Medaille bei der Europameisterschaft hat. Einen Preis gibt es nicht für den Sieg - nur der Titel "Europameister" ehrt den Gewinner.

Oft hindert aber auch das Alter an der Teilnahme der Europa- oder Weltmeisterschaft. "Bei der Europameisterschaft darf man nicht älter als 25 sein. Noch strenger ist es bei der Weltmeisterschaft, da darf man höchstens 22 Jahre alt sein", weiß Bohmfalk. Für ihn ist das aber kein Problem: Nach der Europameisterschaft ist er mit seinen 21 Jahren noch nicht zu alt für die Weltmeisterschaft. Im Juli 2013 findet diese in Leipzig statt.

"Dafür muss er sich wieder neu qualifizieren, aber ich bin mir sicher, das schafft er. Natürlich ist es wieder eine Nervensache, aber er hat einen Vorsprung von Technik und Erfahrung", ist Günther Kropf zuversichtlich. Möglicherweise holt sich Deutschland dann zum vierten Mal den Weltmeistertitel, seit Kropf im Jahre 1997 Bundestrainer wurde.

"Die Technik, die ich bei der Europameisterschaft anwenden werde, habe ich so nie in der Schule gelernt - nicht mal in meiner Meisterschule", erzählt Björn. Es seien ganz andere Herausforderungen als normal.
Doch während seiner Trainingszeit in Niederndorf geht es nicht nur ums Fliesenlegen. "Wir haben auch schon die Umgebung angeschaut, die Nürnberger Burg zum Beispiel. Mir gefällt es hier sehr gut", betont der Ostfriese.