Greifen die Bürger immer häufiger zum Telefon und wählen den Notruf 112? Der Herzogenauracher Feuerwehrkommandant Rainer Weber will das so nicht bestätigen, gibt aber zu, dass es oft unnötige Alarmierungen gebe.
So griffen Bürger schon zum Mobiltelefon, weil etwa ein Ast auf dem Radweg liege, obwohl man diesen mit ein paar Handgriffen selbst leicht zur Seite ziehen könnte. Oder der Keller steht "vier Zentimeter!!!" unter Wasser, Beispiele haben die Feuerwehren genug. Zu den Aufgaben der Feuerwehren zählt nicht nur der abwehrende Brandschutz, sondern auch die technische Hilfeleistung, beispielsweise bei Autounfällen, Unfällen mit Gefahrstoffen und Hochwasser. Diese Hilfeleistungen stellen inzwischen den weit überwiegenden Teil der Feuerwehreinsätze dar. Bei den Jahresversammlungen der Freiwilligen Feuerwehren klagen Kommandanten und Einsatzleiter immer wieder, dass sich Einsätze im Nachhinein als Lappalie herausstellten.

Die Feuerwehr sei vor Ort und koste nichts, meint der Weisendorfer Kommandant Wilhelm Oed. "Wir sind billige Einsatzkräfte und Mädchen für alles." Von angefahrener Katze oder Katze auf dem Baum bis zur Ölspur - die Feuerwehr werde immer alarmiert. "Die Zuständigkeiten werden mehr und mehr nach unten verschoben. Am Schluss bleibt halt die Feuerwehr übrig."

Mehrmals im Gespräch sagte Rainer Weber: "Wir sind eine Freiwillige Feuerwehr, das scheint vielen Bürgern überhaupt nicht bewusst zu sein." Auch Oed erzählte, dass Bürger im Feuerwehrgerätehaus anrufen und sich hinterher beschweren, dass niemand ans Telefon geht. "Manche Leute denken wirklich, wir sitzen ja sowieso im Feuerwehrhaus rum und schlagen die Zeit tot", meint dazu Rainer Weber etwas ärgerlich. "Vielen scheint nicht bewusst zu sein, dass unsere Feuerwehrleute einer beruflichen Tätigkeit nachgehen und keine Angestellten einer Feuerwehr sind." Er ist sich sicher, dass bei größeren Feuerwehren in etwa zehn Jahren auch hauptamtliche Feuerwehrleute notwendig sein werden.

Konzentration aufs Kerngeschäft

Die beiden Führungskräfte verweisen auch auf eine immer schwieriger werdende Tagesalarmsicherheit aufgrund der demografischen Entwicklung und einer deutlich angespannteren Arbeitsmarktlage. Die Feuerwehren werden sich in Zukunft mehr auf ihr Kerngeschäft konzentrieren müssen, fordert Weber. Dies müsse den Bürgern, aber auch der Politik besser vermittelt werden.

Die Feuerwehren möchten aber keineswegs dazu aufrufen, sich selbst in Gefahr zu bringen. "Im Zweifel sollte immer der Notruf 112 abgesetzt und auf Eigenschutz geachtet werden", sind sich Weber und Oed einig. Die Kehrseite der manchmal unnötigen Einsätze sei jedoch, dass die ehrenamtlichen Feuerwehrleute ihren Arbeitsplatz verlassen müssen und es zu Problemen mit dem Arbeitgeber kommen kann, wenn es sich lediglich um eine Kleinigkeit handelt. Einem Vorgesetzten könne nur schwer vermittelt werden, dass der Mitarbeiter zum Beseitigen einer Ölspur, also zum Straßenkehren, gerufen wurde und deshalb seine Arbeit liegenbleibt oder es zu Ausfällen bei der Produktion kommt. Kein Thema sei das, wenn es um Menschenleben geht.

Wie Weber berichtete, haben sich die Einsatzzahlen nach Inbetriebnahme der Integrierten Leitstelle (ILS) nicht deutlich erhöht. Die Disponenten der ILS müssten sich allerdings auf die Aussagen der Anrufer verlassen können und alarmieren die Rettungskräfte nach einem vorgegebenen Alarmplan.

Inzwischen würden manche Feuerwehrleute selbst reagieren und den Alarm "überhören", weil ihnen der Arbeitsplatz wichtiger ist. So könne es durchaus passieren, dass bei einem wiederholten Fehlalarm einer Brandmeldeanlage, der bei regelmäßiger Wartung vermieten werden könnten, die Leute nicht mehr kommen.
Bei Unfällen oder Verschmutzungen auf Straßen stehe die Feuerwehr jedoch oft lange alleine da und warte auf den Straßenbaulastträger, der die Straße säubern und freigeben müsse. So könne gerade bei den sich häufenden Beseitigungen von Ölspuren der örtliche Bauhof eingesetzt oder eine Spezialfirma geholt werden, denn am Ende sei der Straßenlastbauträger in der Pflicht und der Verursacher muss die Kosten tragen.

Ähnlich verhalte es sich auch bei Türöffnungen, wo es am Ende nicht um eine Gefahr für Menschen oder Hab und Gut gehe. Dafür gebe es Schlüsseldienste, nur sind die nicht nur erheblich teurer, es dauert auch länger.
Ein weiteres Problem sei, dass die Helfer immer wieder unnötig Zeit verlieren, weil Unachtsamkeit und Fehlverhalten anderer Verkehrsteilnehmer die Anfahrt der Rettungskräfte behindern.

Falsch parkende Kraftfahrzeuge, Schaulustige, verstellte Rettungswege und Löscheinrichtungen erschweren zusätzlich eine schnelle Hilfe. Wilhelm Oed hat dazu von aggressiven Autofahrern auch Beispiele parat und weiß von einigen Einsätzen, bei denen seine Leute angepöbelt wurden. Beide Kommandanten betonen aber ausdrücklich, wenn die Sicherheit und Gesundheit sowie das Leben von Menschen in Gefahr ist, wird die Feuerwehr selbstverständlich helfen und das rund um die Uhr an allen Tagen des Jahres.

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