Erich Petratschek hat die Faxen dick. Schon fast erbost reagiert er auf die in diesen Tagen neu entflammte Diskussion über die Parkplatz-Situation in der Innenstadt. "Jetzt müssen Fakten her", sagte er sich und schritt zur Tat.

Der SPD-Stadtrat lieh sich ein Messrad und rollte dieses von vielen möglichen Parkplätzen hinein in die Innenstadt. Begleitet hat ihn dabei der FT. Es ergab sich ein für manche vielleicht überraschendes Ergebnis: Sowohl das Parkdeck als auch der Großparkplatz an der Schütt liegen näher als die Alternativen.

Petratschek hatte als Ausgangspunkt folgende Parkflächen ausgesucht: die Schütt mit Großparkplatz und Parkdeck, den Realschul-Parkplatz, das Vereinshaus und den von den Freien Wähler als Alternative ins Spiel gebrachten Anwohnerparklatz am Rahmberg (Edergasse). Endpunkt war jeweils die Innenstadt, und zwar ein paar Punkte in der Hauptstraße, und auch der Marktplatz, zentral gelegen beim Ellwanger. Ein Ergebnis vorweg: Zum Ellwanger ist's vom Parkdeck deutlich kürzer als vom Vereinshaus oder aus der Edergasse.

Petratschek sieht sich durch das Ergebnis in seinen Aussagen bestätigt, dass man von der doch angeblich ach so weit entfernt gelegenen Schütt in wenigen Minuten bequem überall in der City ist. Die längste Etappe zum Marktplatz dauerte vom Parkdeck gerade mal zweieinhalb Minuten. Nimmt man den Weg zum Parkscheinautomaten und das Verschließen des Fahrzeugs zeitlich noch dazu, sind's immer noch weniger als vier Minuten. "Das sind keine Zeiten und Strecken", sagt der Stadtrat. Das könne jeder auf sich nehmen.

Zentraler Punkt Marktplatz

Nochmal Marktplatz: Zum Zielpunkt Ellwanger sind's vom Parkdeck genau 213 Meter und 2:35 Minuten (gestoppt mit dem iPhone 10). Das war deutlich kürzer als der Rest, wobei der Realschulparkplatz mit 3:21 Minuten (253 Meter) als Zweitbester abschnitt. "Dort sind tagsüber immer Stellplätze frei", sagt Petratschek. Vom Anwohnerparkplatz Edergasse (280 Meter weg) brauchte er 3:37 Minuten und vom Vereinshaus sogar 3:49 Minuten. Da sind's 302 Meter. Auch die Wege vom Großparkplatz in die Hauptstraße sind kurz. Bis zum Nürnberg-Tor-Platz zum Beispiel vergingen keine zwei Minuten.

Vom Anwohnerparkplatz am Rahmberg könnten die Kirchgänger profitieren. Für sie wäre das sicherlich ein Zusatzangebot, nachdem der Hubmannparkplatz ja noch für Jahre entfällt. Aber die Schütt ist auch nicht weiter weg.

Neugierige Passanten

Wenn ein in der Stadt bekannter Kommunalpolitiker mit einem seltsamen Rädchen durch die Stadt spaziert und obendrein von einem Reporter mit Kamera begleitet wird, dann fangen sich die Beiden schon mal neugierige Blicke ein. Manch einer bleibt stehen und gibt seinen Senf zum Thema ab.

Parkplatznot in Herzogenaurach? Da müsse man sich schon fragen, ob es nicht wichtigere Themen gibt in der Stadt. Das meinte Rudi Nagel, den wir am Kuwesteg treffen. Auf der anderen Seite der Innenstadt, beim Anwohnerparkplatz Edergasse, äußert sich Nachbar Fritz Bucher. "Wennsd in die Kerng willsd, bisd do besser dran." Und auf dem Marktplatz beobachtet Helmut Glaß die Aktion. Wenn das neue Rathaus fertig gebaut ist, sollte man auf jeden Fall auf dem Hubmannareal wieder einen Parkplatz schaffen. Maximal zwei Stunden Parkzeit, und alle Probleme wären gelöst.

Wildparkerei

Auf dem Spaziergang - Petratschek schlenderte gemütlich, um die Zeiten nicht zu verfälschen - fielen aber auch andere, unschöne Dinge auf. Die mehrfach gerügten Wildparker, zum Beispiel vor der Sparkasse oder am Alten Rathaus an der Zufahrt zum Marktplatz, sind nicht verschwunden.

Obwohl die Stadt, zur optischen Verdeutlichung ein Schild "Absolutes Halteverbot" aufgestellt hat, stehen dort immer noch Fahrzeuge. Und vor der Sparkasse hielt während der Begehung eine junge Frau und spazierte gemütlich am Vehnturm vorbei in die östliche Hauptstraße. Da hätte sie auch gleich an der Schütt parken können.