Die Nachricht ist einfach nur positiv: Herzogenaurach ist weiterhin "Fairtrade-Stadt". Die entsprechende Urkunde wurde aktuell dem Bürgermeister German Hacker (SPD) zugestellt. Die Schüler des Herzogenauracher Gymnasiums brauchen da noch ein wenig Geduld und sie hoffen auf eine entsprechende Zertifizierung.

Bastian Ansorge, Lehrer und Leiter des P-Seminars und zuständig für dieses Thema erklärt, dass man die Bewerbung zur Anerkennung als Fairtrade-School bereits in der Weihnachtszeit eingereicht habe. "Wir warten da noch auf die Antwort", erklärt er. Aber er hört sich optimistisch an, haben die Schüler in Coronazeiten doch einiges stemmen müssen, um dieses Ziel zu erreichen.

"Gestartet haben wir im letzten Schuljahr", sagt er - da habe noch niemand ahnen können, wie das Schuljahr verläuft, vor allem endet. Die Schüler sind bei dem gewählten Thema bei Null gestartet. "Wir haben uns mit der Idee auseinandergesetzt, was wir machen können und was die Ziele in der Schule sind", erklärt der betreuende Lehrer. Und: "Vor der Coronazeit haben wir schon einiges gemacht."

Appell an die Mitschüler

Die Idee der Kampagne "Fairtrade-Schools" wird in den Bundesländern unterschiedlich unterstützt. So sind in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg die jeweiligen Bildungsministerinnen die Schirmherrinnen der Kampagne. Überall gilt der Grundsatz, dass die Kampagne den Schulen die Möglichkeit bietet, sich aktiv für eine bessere Welt einzusetzen und Verantwortung zu übernehmen. Getragen wird die Kampagne von "TransFair". Deren Idee, dass das Engagement in der Sache nach außen getragen werden soll, um unter anderem Freunden und Familie zu zeigen, wie kreativ man mit fairen Handel an Schulen umgehen kann, wurde am Herzogenauracher Gymnasium umgesetzt.

Auch wenn Corona das ganze Projekt auf der Zielgraden etwas ausgebremst habe, wurde viel umgesetzt, wie Ansorge erzählt, was der Interessierte aber auch in einem Blog nachlesen kann. In einem Video hat die Gruppe zum Beispiel Werbung für das Thema gemacht. Dort erzählen die Schüler: "Wir möchten von unserem P-Seminar Fairtrade einen Appell mit einem kurzen Video weiterleiten." Sie fordern auf, sich zu beteiligen, um Fairtrade an der Schule weiter zu etablieren und das Bewusstsein aller zu stärken.

Ansorge lässt das Jahr kurz Revue passieren. "Im Deutsch-, Religions- und Ethikunterricht wurde sich mit dem Thema beschäftigt." An zwei Unterrichtstagen hielt Julie Mildenberger vom Dritte-Welt-Laden Erlangen Vorträge in der Schule. Filme, unter anderem zur Kinderarbeit beim Kakaoanbau in Ghana und ein Sachfilm zur Herstellung von Schokolade, wurden dabei vorgeführt.

Eine weitere Idee war es, sich mit der Schulkleidung zu beschäftigen. "Wir diskutieren momentan über Schulkleidung", erklärt Ansorge. "Dabei kamen wir auf die Idee, dass wir ein Fairtrade-Hoodie anbieten könnten." Der sei zwar ein wenig teurer, aber eben fair gehandelt. Ein wenig auf Eis - und das nicht nur sprichwörtlich - liege eine andere Idee. "Wir verkaufen an der Schule Fairtrade-Schokolade. Das geht jetzt natürlich nicht." Die süße, in diesem Falle faire Verführung, liege im Kühlschrank des Hausmeisters.

Fairomat ist in Planung

Trotz des Distanzunterrichtes gehe es aber weiter mit dem P-Projekt. Die Schüler haben aktuell die Aufgabe, sich zu überlegen, wie man trotz Corona die Ideen und vor allem die Ideale dieser Ideen weiter konsequent umsetzen kann.

Eines dieser Projekte ist ein Fairomat. "Es ist schwierig, dass die Schüler immer den Verkauf der Schokolade übernehmen", sagt der Lehrer. Es gibt dafür Automaten, die allerdings in der Anschaffung nicht wirklich günstig seien. "Das ist im Schulbudget nicht vorhanden", sagt Ansorge. Durch Spenden soll dieses Projekt finanziert werden. Eltern ließen sich bereits überzeugen, auch Firmen aus Herzogenaurach. Aber da sei noch Luft nach oben, die Schüler hoffen auf weitere Unterstützer dieses Projektes.

Vielleicht bringt die erhoffte Zertifizierung auch noch mal einen Sprung nach vorne. Im Rahmen dieses Prozesses steht seit Mitte Dezember in der Aula der Schule eine Plakatausstellung. Ziel dieser Ausstellung ist es, die Vielfalt des fairen Handels aufzuzeigen und in welchen Bereichen und in welchen Ländern überhaupt schon nach den Richtlinien des Fairtrade-Siegels gearbeitet wird. "Außerdem sollen natürlich unsere Mitschüler für dieses Thema sensibilisiert werden."

Um nun zertifizierte Fairtrade-School zu werden, müssen teilnehmende Schulen fünf Kriterien erfüllen. Da geht es unter anderem um die Einführung eines Schulteams. Mindestens fünf Teilnehmer, Lehrer, Eltern und Schüler müssen dabei sein. Ein weiteres Kriterium ist die Erstellung eines "Kompass". Das ist ein Schriftstück, das die Entwicklung dokumentieren soll. Wichtig sei der Verkauf und Verzehr von fair gehandelten Produkten an der Schule, als drittes Kriterium. Unterricht und die Aufnahme in den Lehrplan sowie Schulaktionen runden das Quintett der Anforderungen ab.

Ansorge freut sich über das Engagement und die Motivation der Schüler. "Bereitschaft und Spaß waren da und alle waren die ganze Zeit aktiv dabei." Wenn nun doch die Zertifizierung kommt, wird die Mühe auch belohnt. Wie es dann weitergeht? Auch darüber machen die Beteiligten sich Gedanken. Denn die gute Idee der Fairtrade-Kampagne soll nach Beendigung des P-Seminars weitergehen. Und erst recht nach Corona.