Nach der gelungenen Premiere am vergangenen Donnerstag war sich Christiane May-David ganz sicher, dass auch der zweite Aufführungsabend am vergangenen Freitag ein voller Erfolg werden würde. May-David hatte, nachdem es in den vergangenen Jahren beim Theater-Projekt immer recht lustig zu ging, für diesmal ein sehr anspruchsvolles Drama gewählt, die "Maria Stuart - Battle oft he Queens" frei nach Friedrich von Schiller.

Das war für alle Beteiligten keinesfalls eine leichte Aufgabe. Die dafür besser geeignete Aula stand wegen der noch nicht abgeschlossenen Rekonstruktion des Gymnasiums nicht zur Verfügung. Kurzerhand wurde die Turnhalle für die Aufführung entsprechend hergerichtet. Vom Kulissenhintergrund über die Beleuchtung bis hin zur Tontechnik stimmte alles. Nun kam es nur noch auf die Leistung der Akteure an. Und diese war einfach perfekt! Da gab es keine Hänger und keine Versprecher - die Laien-Schauspieler legten sich ins Zeug und boten eine Leistung, die man sich von manchem Profi wünschen würde.

Skepsis bei den jungen Männern

Danach gefragt, warum es gerade die "Maria Stuart" sei, die inszeniert wurde, antworteten die jungen Frauen der Gruppe spontan: "Uns gefielen die Rollen der beiden rivalisierenden Frauen besonders." Die jungen Männer waren anfangs ein wenig skeptischer, denn immerhin ging es um einen Stoff, der im Unterricht schon nach allen Seiten hin "zerlegt" wurde. Bei der Arbeit am Schauspiel schmolz ihre Reserviertheit immer mehr und in der Vorstellung spielten sie groß auf.

Selbst die Nebenrollen wurden mit ganzer Leidenschaft gespielt. Leandra Gröpner (Maria Stuart) steigerte sich zu einem Spiel, von flüsternd leise bis zu schreiend laut, das in Erstaunen versetzte. Daniela Madden verlieh ihrer Elisabeth das Königliche mit Würde und berechnender Gelassenheit. Der schmale Grat zur Unberechenbarkeit wurde gut sichtbar. Fabian Dellermann (Lord Leicester), Yannik Südbeck (Lord Burleigh, Tim Meister (Graf Sherwsbury), Luis Becker (Mortimer), Bastian Kuth (Paulet) und Alexandra Seppel (Hanna) setzten ihr ganzes Können und ihr Temperament ein, um ihre Figuren überzeugend agieren zu lassen. Eigentlich müsste jeder namentlich genannt werden, stattdessen soll Christiane May-David bei den Schluss-Ovationen zitiert werden: "Ihr wart wunderbar."

Viele Stunden einstudiert

Christiane May-David bringt viele Erfahrungen aus den Inszenierungen der vergangenen Jahre mit und nutzte die Gelegenheit, in Lehrgängen ihre Fähigkeit in der Theaterarbeit ständig zu vervollkommnen. Mit der "Maria Stuart" hat sie wohl ihr Meisterstück vollbracht. Beim Einspielen an diesem Abend entfaltet sie ihre Qualitäten. Die unmittelbare Vorbereitung auf die Vorstellung war gekennzeichnet durch gründliche stimmliche Übungen, gepaart mit flüssigen Bewegungs-Intervallen und eine geschickte psychologische Vorbereitung auf das Schauspielen. Die Darsteller waren voll bei der Sache und man kann den Eindruck haben, sie "fressen ihrer Lehrerin aus der Hand".

May-David sagte: "Die Arbeit mit diesen Schülern der 10. und 11. Jahrgangsstufen hat mir besondere Freude gemacht, obwohl die Einstudierung sehr, sehr viele Stunden der Freizeit bei den Schülern erforderte." Sie befürchte, dass die G8 für solche außerschulischen Initiativen keine Gelegenheit mehr lasse. Es sei jetzt schon zu verzeichnen, dass die Bereitschaft der Schüler, an solchen Projekten mit zu arbeiten, immer mehr nachlasse. May-David gleicht dies aus mit feinfühliger künstlerischer Arbeit.