Fluch und Segen der Gloabalisierung" war genau das richtige Thema, dem sich das Männerforum Herzogenaurach widmete. "Eine lebhafte Diskussion der Runde offerierte die unterschiedliche Sichtweisen auf die globalen Vorgänge in dieser Welt", erklärt Organisator Gotthard Eichstädt.

Drei Gäste berichteten aus eigenem Erleben von Zuständen aus Übersee: Pfarrer Johannes Mann aus Nicaragua, Pater Désiré Sawadogo aus Burkina Faso und Hans Meister aus Peru. 27 Männer lauschten den drei Impuls-Beiträgen mit anschließender Diskussion. Optisch begleitete den Abend das Misereor-Hungertuch.

Pfarrer Johannes Mann von der Reformierten Kirche in Erlangen besuchte im März letzten Jahres in einer Erlanger Delegation die Partnerstadt San Carlos in Nicaragua. Anschaulich berichtete er von der Armut im Land und den für einen Mitteleuropäer sehr gewöhnungsbedürftigen Verhältnissen. "Nicaragua ist eines der 20 ärmsten Länder der Erde." Pfarrer Mann schilderte den Gegensatz Nicaraguas zum reicheren Nachbarland Costa Rica. Die Städtepartnerschaft engagiert sich Schulprojekten, im Gesundheitsbereich und im Projekt "Arrete" zum Schutz von Frauen vor Gewalt.


Ein armes Land in Afrika


Pater Désiré Sawadogo stammt aus Burkina Faso, einem noch ärmeren Land, das fast ganz am Ende der globalen Wohlstandsskala liegt. Burkina Faso ist ein Binnenland ohne Küste und nennenswerte Bodenschätze. Es ist ein Agrarland, das bis auf den Südwesten unter Dürre leidet. Die dort angebaute Baumwolle ist gegenüber der hoch subventionierten aus Brasilien auf dem Weltmarkt nicht konkurrenzfähig. 30 Prozent des Staatshaushalts von Burkina Faso dient dem Schuldendienst.

"Die Lebenserwartung beträgt für Männer 40 Jahre, für Frauen 42 Jahre. Die Alphabetisierung liegt zwischen 20 und 30 Prozent. Nur etwas mehr als 20 Prozent besitzen in Burkina Faso einen Schulabschluss." Die Runde hörte still zu bei den Schilderungen des Afrikaners. Pater Désiré zitierte das Motto, mit dem die Menschen dort täglich leben: "Wenn du den Esel nicht schlägst, bewegt er sich nicht." Er gab aber nicht der Globalisierung die Schuld für die Entwicklung, sondern nannte auch Versäumnisse in seinem Land, wo mehr für Bildung und Gerechtigkeit getan werden müsse.

Zum Abschluss seines Impulses zitierte Pater Désiré den Sozialwissenschaftler und Theologen Karl-Wilhelm Horst: "Es geht nicht um Ideologie, sondern vor allem darum, das eigentlich Wesentliche des Lebens in gemeinsamer Praxis zu sichern: Ernährung, Licht und Wärme, das Miteinander und den Frieden. Es reicht nicht, über die Mängel nur zu lamentieren. Es geht um das Praktizieren des Besseren und darum, nicht darauf zu warten, dass die Zukunft uns von oben verordnet wird."

Als Dritter referierte Hans Meister über sein Engagement für die Menschen in Peru. Sein erster Einsatz als Entwicklungshelfer galt dem Widerstand gegen einen Staudammbau und den Menschen zumindest zu einer Entschädigung zu verhelfen. Peru ist eines der rohstoffreichsten Länder der Erde. Besonders Kupfer und Gold wird abgebaut. Konzerne aus Nordamerika und Australien kaufen in großen Stil Land für den Bergbau auf. Sie zahlten 25 Dollar pro Hektar.

Auf Nachfrage bestätigte Hans Meister, dass die Regierenden mit den Global Playern kooperieren, in den 1990ern Alberto Fujimoro, heute Ollanta Humala. Die Konzerne machen Riesengewinne.


Sein Handeln überdenken


Doch: "La Oroya in Peru zählt zu den zehn am stärksten verschmutzten Orte der Welt", erzählt Meister. "Denn im Bergbau wird das Gold mit Zyanid aus dem Erdreich gespült. Damit werden die Böden und das lebensnotwendige Wasser inklusive der Amazonas-Zuflüsse vergiftet."

Positive Aspekte der Globalisierung sprach Lorenz Raith an. Firmen wie Schaeffler können auf technischem Gebiet auf segensreiche Projekte hinweisen. Raith wies auch auf die ethische Verantwortung hin und nannte in diesem Zusammenhang Hans Küngs Projekt "Weltethos".

Pfarrer Mann erinnerte an die Werte, die jeder vorleben sollten. "Mit Recht erkennen wir in korrupten Regierungen und Eliten in der Dritten Welt Mitverantwortliche an den Zuständen in ihren Ländern. Aber wenn wir uns wie große Firmen - auch aus dieser Region - an der Korruption beteiligen, machen wir uns mitschuldig." Als praktisches Beispiel für werteorientiertes Handeln nannte Pfarrer Mann, auf kirchlichen Friedhöfen keine Steine aus Kinderhand zu verwenden.