Zwei Jahre sind ins Land gezogen, seit die kommunale Technikerschule am Berufsbildungszentrum ihre ersten Schüler begrüßen konnte. Am Dienstag folgte der nächste Schritt: Der erste Jahrgang stellte sich den Prüfungen. 33 Schüler (von anfangs 34) sind den weiten Weg gegangen. Jetzt können sie sich, sofern der Abschluss erfolgreich abgelaufen ist, mit dem Titel "Staatlich geprüfter Maschinenbautechniker" schmücken. Gleichzusetzen ist diese Qualifikation dem Bachelorabschluss einer Fachhochschule, wie Oberstudiendirektor Georg Uschalt erläutert.

29 junge Menschen haben sich außerdem einer Zusatzprüfung in Mathe unterzogen. Die bringt gewissermaßen das Fachabitur und berechtigt zum Weiterstudieren.

Für die 66 jungen Facharbeiter, die in den beiden Jahrgängen die Schulbank drücken, kam die neue Schule gerade recht.
Hier konnten lange Wartezeiten vermieden werden, wie sie bei den umliegenden Schulen der Region zu verzeichnen sind. "Ich wüsste nicht, ob ich das sonst gemacht hätte", sagt Sascha Strössig aus Gerhardshofen. Der 23-Jährige ist bei Schaeffler ausgebildet worden und war ein Jahr als Facharbeiter angestellt. Dann hat er sich entschlossen, den Techniker zu machen, um ein Studium anzuhängen.

Schule war ein Glücksfall

Für den jungen Mann war es ein Glücksfall, dass die Technikerschule in Herzogenaurach eröffnete. Er habe sich spontan entschlossen, diesen Weg zu gehen, sich sofort an der Schule beworben und sei auch gleich genommen worden.

Das Glück hatten auch Elke Bodendorfer und Daniel Braun. Auch sie mussten keine Wartezeiten in Kauf nehmen. Wobei sich der 27-jährige ehemalige Mitarbeiter einer kleinen Erlanger Firma bereits an der dortigen Schule beworben hatte und auf eine lange Warteliste kam. Der Großenseebacher will zurück ins Berufsleben, als frisch gebackener Techniker sucht er nun einen neuen Arbeitgeber.

Ein Studium hingegen strebt die junge Kfz-Mechatronikerin aus Höchstadt an. Sie habe sich entschlossen, in die Industrie zu wechseln, "da kann man mehr machen".

Auch Oberstudiendirektor Georg Uschalt hat verfolgt, dass sich Studium und Rückkehr ins Berufsleben etwa die Waage halten. Viele sehen nämlich auch die besseren Aufstiegschancen im eigenen Betrieb, wenn sie den Techniker in der Tasche haben. Viele der Schüler, die meist zwischen 20 und 27 Jahre jung sind, kommen aus dem Landkreis selbst und dort zu einer großen Zahl von Schaeffler. Dieses Unternehmen habe sich neben dem IHK-Gremium damals auch erfolgreich für eine Technikerschule am Standort stark gemacht, sagt Uschalt.

Maximalzahl soll ausgeschöpft werden

Das Glück mit den fehlenden Wartezeiten wird seiner Aussage nach allerdings nicht lange anhalten. Schon jetzt habe man einen Zulauf an Interessenten, der bis zum Schuljahr 2017/18 reicht. Damit liege man zwar immer noch um Jahre besser als andere Schulen der Region, aber etwas Geduld ist bei den künftigen Schülern dennoch gefragt. Immerhin will man auch künftig die Maximalzahl von 33 Schülern pro Klasse ausschöpfen.

Ab dem Schuljahr 2014/15 soll sich die Schülerzahl außerdem verdoppeln. Denn dann wird neben der kommunalen Fachschule für Maschinenbautechnik, wie die Einrichtung korrekt heißt, auch noch die Mechatronik-Technik angeboten, ebenfalls zunächst mit einer Eingangsklasse. Platz erhält man durch den Umbau der früheren Bauhallen. Dieser Berufsschulzweig ist ja nach Neustadt ausgegliedert worden. Insgesamt verfügt das Berufsbildungszentrum Herzogenaurach-Höchstadt über gut 1600 Schüler, davon 1200 am Standort Herzogenaurach und der Rest in Höchstadt.

Gegen Mittag fiel die Anspannung bei Lehrern und Schülern gestern gleichermaßen ab. Ein Teil der Prüfungen war geschafft. Im EDV-Raum bereitete sich Lehrer Daniel Beck auf den Nachmittag vor. Die kleinen Zettel mit den Passwörtern für den Computerzugang lagen bereit - 18 Rechner, 18 Passwörter. Wer kommt auf so seltsame Namen wie "Doderi 97" oder "Begeri 63"? Das Internet!" Denn hierfür hat Beck Passwort-Generatoren bemüht. "Dann muss man sich keins ausdenken".

Ein Tisch am Computer

Seine eigene Kreativität war hingegen bei der Prüfungsaufgabe selbst gefragt. Mit einem speziellen Programm mussten die Prüflinge einen Scher-Hub-Tisch konstruieren. 96 Stunden Vorbereitungszeit, so Beck, habe ihn das Austüfteln bereitet.

Mit dem ersten Jahrgang der Technikerschule ist auch Fachbereichsleiterin Bärbel Vogel sehr zufrieden. Die Schüler haben auch bei den Projektarbeiten viel Phantasie und Können gezeigt, sagt die Diplomingenieurin für Verfahrenstechnik, die sich vor zehn Jahren zur Lehrerin ausbilden ließ. Eine Drehmaschine haben sie beispielsweise in Gemeinschaftsarbeit angefertigt, oder aber einen Motorrad-Aufsteller. Und das massive stählerne Beamerstativ für eine kleine Feuerwehr bei Burghaslach ist so stabil, dass die 420-fache Sicherheit gewährleistet ist. Das musste man bei der Dokumentaion zwar nicht extra aufführen, sagte Beck. "Aber ich wollte das wissen" und so habe er das die Schüler ausrechnen lassen.