Erlanger Forscher identifizieren Gene, die höheres Brustkrebsrisiko hervorrufen: Die Erforschung von Brustkrebs hat in den vergangenen Jahrzehnten essenzielle Erkenntnisse hervorgebracht. So ist heute bekannt, dass das Mammakarzinom ein Überbegriff für viele verschiedene Subtypen der Erkrankung ist und dass sich der Krebs im Rahmen des Metastasierungsprozesses ständig verändert. Weil es diese zahlreichen Arten und Stadien von Brustkrebs gibt, ist eine individuell auf jede Patientin zugeschnittene Behandlung erforderlich, schreibt die Uniklinik Erlangen in einer Pressemitteilung.

Einen "wichtigen Baustein für eine verbesserte Diagnostik und die zielgerichtete Therapie von Brustkrebs" haben internationale Forschungsverbunde unter Beteiligung der Frauenklinik des Universitätsklinikums Erlangen jetzt im Rahmen zweier Studien gefunden: Die Wissenschaftler konnten Gene identifizieren, die im Fall einer vorliegenden Mutation die Eigenschaften von Tumoren beeinflussen können und das Brustkrebsrisiko stark erhöhen.

Erlanger Forscher: Diese Gene beeinflussen auch, ob Brust-Tumor bösartig wird

Bereits in den 1990er-Jahren entdeckten Wissenschaftler, dass durch eine vorliegende Mutation in den Genen BRCA1 und BRCA2 das Brust- und Eierstockkrebsrisiko steigt. Denn die jeweils nach dem Vorbild der beiden gesunden Gene gebildeten Proteine seien maßgeblich daran beteiligt, Schäden an Zellen zu reparieren und damit auch die Entstehung von Krebs zu verhindern. Im Fall einer Mutation sei der Mechanismus zur Reparatur von Doppelstrangbrüchen gestört.

Dass Genmutationen auch die Tumoreigenschaften beeinflussen können, zeigten Forscher jetzt im Rahmen der groß angelegten PRAEGNANT-Studie in Kooperation mit der Mayo Clinic in Rochester (Minnesota, USA). Dafür wurden die Daten von über 2.500  Frauen mit metastasiertem Brustkrebs analysiert und mit Brustkrebspatientinnen verglichen, bei denen der Krebs noch nicht gestreut hatte.

„Die Auswertung der erhobenen Daten ergab, dass bei Frauen mit metastasiertem Brustkrebs häufiger eine Mutation in den Genen BRCA1 und BRCA2 vorlag als bei Patientinnen ohne Metastasen“, erklärt Peter Fasching, Professor für Translationale Forschung an der Frauenklinik des Uni-Klinikums Erlangen. PRAEGNANT zeige außerdem, dass Frauen mit triple-negativem Brustkrebs und BRCA1-Mutation häufiger Hirnmetastasen bildeten als Patientinnen ohne die Genveränderung. Obwohl die Prognose von Mutationsträgerinnen und Nichtmutationsträgerinnen mit metastasiertem Brustkrebs ähnlich war, hätten Unterschiede in den Tumoreigenschaften wesentliche Auswirkungen auf die Behandlung und auf zukünftige Studien zu zielgerichteten Therapien.

So kann die Studie der Erlanger Forscher Brustkrebspatienten helfen 

Vor einer Brustkrebstherapie müsse ein Tumor erst einmal entdeckt werden und das möglichst in einem frühen Stadium. Auch hier könne die Analyse von Genen sinnvoll sein, vor allem dann, wenn Brustkrebs innerhalb einer Familie gehäuft vorkommt. In einer weiteren internationalen Studie, konnten Forscher unter Erlanger Beteiligung neben den bisher bekannten Hochrisikogenen BRCA1 und BRCA2 jetzt weitere Gene identifizieren, darunter ATM (Ataxia teleangiectasia mutated), CHEK2 (Checkpoint kinase 2) und PALB2 (Partner and localizer of BRCA2).

Die Studie verdeutliche darüber hinaus, welche Gene eine eher untergeordnete Rolle in der Risikobewertung spielen. Dadurch sei es möglich, Frauen und Männer aus vorbelasteten Familien künftig genauer und effizienter genetisch zu beraten. „Die Identifizierung von Risikogenen ermöglicht es uns, die bisher gängige, aber sehr zeit- und kostenintensive ‚Gen-für-Gen‘-Sequenzierung durch die sogenannte Panel-Diagnostik zu ergänzen“, so Fasching.

„Dabei werden mehrere Gen-Sets gleichzeitig begutachtet. Die Studie verdeutlicht, welche Gene für die Aufnahme in diese Panels zur Vorhersage des Brustkrebsrisikos klinisch am nützlichsten sind.“ Wird bei einem Menschen eine Genmutation festgestellt, könne er im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen engmaschiger kontrolliert werden. So stiegen die Chancen, Brustkrebs oder dessen Vorstufen frühzeitig zu entdecken.