Der Erfolg reißt nicht ab: Bereits zum fünften Mal in Folge und insgesamt zum achten Mal ist eine von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen (FAU) nominierte Forscherpersönlichkeit für eine Humboldt-Professur ausgewählt worden: Prof. Dr. Vincent C. Müller erhält den höchstdotierten internationalen Forschungspreis in Deutschland, teilt die Pressestelle der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg mit.

Als Pionier der jungen Disziplin der Philosophie und Ethik von Künstlicher Intelligenz (KI) sowie als Vermittler zwischen geisteswissenschaftlichen und technologischen Themen soll  Prof. Müller auf diesem Gebiet helfen, eine Leitvision für eine „humane KI“ in Deutschland zu entwickeln. Er wird dafür 3,5 Millionen Euro erhalten.

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz wird in allen Lebensbereichen immer selbstverständlicher. Je mehr KI wir nutzen, desto größer wird auch die Einsicht, dass es gewisse Standards und Rahmen braucht, damit KI wertebasiert, verantwortungsbewusst und menschenzentriert entwickelt und verwendet wird. Sonst kann es zu Ausgrenzung und Benachteiligung kommen.

Die Erforschung und Anwendung verantwortungsvoller KI ist eine noch sehr junge Disziplin. Prof. Dr. Vincent C. Müller kann durchaus als einer ihrer Pioniere bezeichnet werden. Schon bevor das Thema eine breitere gesellschaftliche Diskussion auslöste, hat er sich mit der Philosophie und Ethik von Künstlicher Intelligenz befasst.

Dabei genießt er auch in den Computerwissenschaften einen hervorragenden Ruf: Er ist eine der wenigen Personen außerhalb der Informatik, die als Fellow an das Alan Turing Institute in London berufen wurden. Seine Expertise stellt er auch der Politikberatung zur Verfügung, zum Beispiel als Experte in der Global Partnership on Artificial Intelligence, einer globalen Initiative, an der auch Deutschland beteiligt ist und die 2020 zur Förderung der verantwortungsvollen Entwicklung und Nutzung von KI ins Leben gerufen wurde.

Als Humboldt-Professor an der FAU soll Prof. Vincent C. Müller eine Brücke zwischen technischem und geisteswissenschaftlichem Know-how schlagen sowie über die Grenzen der Universität hinaus zu Industrie und öffentlicher Verwaltung. Außerdem soll er an der FAU ein neues, internationales und interdisziplinäres Centre for Philosophy and AI Research (PAIR) aufbauen, das zum Knotenpunkt der KI-Philosophie an der FAU werden soll.

Auch eine Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS in Erlangen ist geplant, um die Entwicklung vertrauenswürdiger KI-Systeme zu unterstützen. Vincent C. Müller wurde für die Humboldt-Professur ausgewählt und ist derzeit in Berufungsverhandlungen mit der FAU. Werden diese erfolgreich abgeschlossen, wird der Preis 2022 verliehen.

Der aus Deutschland stammende Vincent C. Müller ist seit 2019 Professor in der Philosophy and Ethics-Gruppe der Eindhoven University of Technology, Niederlande. 1999 wurde er an der Universität Hamburg promoviert. Danach wurde er zunächst Assistant, dann Associate und schließlich Full Professor am Anatolia College in Thessaloniki, Griechenland.

Er war immer wieder als Gastwissenschaftler an Universitäten in den USA und Großbritannien (2005 bis 2006 in Princeton, 2011 bis 2014 in Oxford, 2016 in Leeds, 2018 Turing Fellow am Alan Turing Institute in London). Er ist Präsident der EUCognition – European Society for Cognitive Systems und außerdem Vorsitzender der Topic Group „Ethical, Legal and Socio-economic issues“ bei euRobotics, dem internationalen Non-Profit-Verband für Akteure der europäischen Robotik.
 
Die Alexander-von-Humboldt-Stiftung zeichnet mit der Professur weltweit führende und im Ausland tätige Forscherinnen und Forscher aller Disziplinen aus. Die Alexander-von-Humboldt-Professur soll es deutschen Hochschulen ermöglichen, Spitzenkräfte nach Deutschland zu holen und ihnen eine langfristige Perspektive für die Arbeit in Deutschland zu bieten.

Die aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung finanzierte Professur ist mit bis zu fünf Millionen Euro über fünf Jahre dotiert.