Jugend und Politikverdrossenheit? Von wegen: Die Junge Union (JU) möchte mit einer eigenen Liste in den Kreistag Erlangen-Höchstadt einziehen. Die Jugendorganisation der CSU hat so viele eigene Bewerber, dass sie selbst eine Kandidatenliste für den Kreistag aufstellt.

Allen voran steht Maximilian Stopfer, Kreisvorsitzender der JU. Die 60 Plätze der JU-Liste seien voll, unter den ersten 20 Listenplätzen für die Kreistagswahl sollen zehn Frauen vertreten sein, sagt Stopfer. Die Topkandidaten stehen auch schon fest: Er, Johanna Weichlein, Konrad Körner und Nico Kauper sollen die ersten vier Listenplätze belegen.

Damit die JU für die Kreistagswahl kandidieren kann, müssen im ganzen Landkreis 400 Stimmen zusammenkommen. Ab 19. Dezember sollen die Unterschriftenlisten in den Rathäusern ausliegen.

"Wir brauchen den ganzen Landkreis", sagt der 22-jährige Stopfer. Sieben Ortsverbände zählen momentan zum Kreisverband der JU. Fast in jeder Ortschaft des Landkreises seien Mitglieder vertreten, selbst wenn es dort keinen Ortsverband gibt. Momentan seien rund ein Viertel der Listenplätze nicht Mitglieder der JU. Die Altersgrenze für eine Mitgliedschaft in der JU ist 35 Jahre, sagt der Herzogenauracher CSU-Stadtrat Konrad Körner, der mit 27 Jahren selbst schon zu den alten Hasen in der JU zählt.

Kreistag verjüngen

Mit diesem "großen neuen Projekt" der JU solle der Kreistag seinen Ruf als "Rentner- und Beamtenparlament" endlich loswerden, sagt Stopfer. Dazu brauche es für die Sitzungen des Kreistages "arbeitnehmerfreundliche Regelungen". Der Sitzungsbeginn um 9 Uhr sei eine ungünstige Zeit. Um das zu ändern "brauchen wir erst einmal junge Leute im Kreistag", so Stopfer.

Inhaltlich möchte die JU den Schwerpunkt vor allem auf die Themen Mobilität und Digitalisierung legen. An vernünftigen Busverbindungen habe sich unter Landrat Alexander Tritthart (CSU) viel getan. Nur in der Nacht sei es noch schwer, mit den Öffentlichen zu fahren. Die Idee: Ein "Flexbus", der mittels App angefragt wird und nur bei Bedarf fährt. In das neue 365-Euro-Jugendticket müssten auch Studenten und Besitzer einer Ehrenamtskarte aufgenommen werden. Im Bereich Digitalisierung müsse der Landkreis vorangehen. Anträge sollen auch online eingereicht werden, mit Livestreams aus den Sitzungen soll die Transparenz erhöht werden.