Um 12.27 Uhr ging ein Anruf bei der Sparkasse Erlangen ein, eine Bombe sei deponiert, die um 12.30 Uhr explodiere. 12.30 Uhr - das Gebäude ist weitgehend evakuiert, keine Bombe zündet. 15.06 Uhr - Entwarnung, es gibt keine Bombe.

Das ist allerdings nur die pure Nachricht, es spielte sich rund um das Hauptgebäude der Sparkasse vielmehr ab.
Es sei ein Anrufer gewesen, der in akzentfreiem Deutsch erklärt habe: "Um 12.30 Uhr geht eine Bombe in der Sparkasse hoch." Drei Minuten, um das Gebäude zu räumen. Das habe mehr oder weniger gut geklappt, erzählen Mitarbeiter der Bank. Man habe schon die Luft angehalten, als man das Gebäude verlassen habe und auf der großen Uhr am Hugenottenplatz den Minutenzeiger auf halb habe umspringen sehen.

Polizei, Rettungswagen und Feuerwehr waren kurz nach der Alarmierung vor Ort. "Eine schwere Entscheidung für den Einsatzleiter", gibt Notarzt Albert Schiele zu. "Die Entscheidung wird immer angezweifelt werden." Was passiert, wenn man davon ausgeht, dass alles nur ein böser Telefonanruf ohne Konsequenzen ist, dann aber tatsächlich eine Bombe hochgeht. Im Zweifel wird immer vom Schlimmsten ausgegangen.

Die Polizei sperrte zunächst den Bereich vor der Sparkasse und forderte das Entschärfungskommando an. Das kommt aus München, was in der Folge für die evakuierten Mitarbeiter und die Besucher der Bank hieß: Draußen in der Kälte warten. Dort verglichen die Betroffenen den Einsatz schnell mit der Räumung des Rathauses vor zwei Tagen, ebenfalls in Erlangen. Dort drohte ein Mann mit einem Messer sich umzubringen.

"Das Warten macht mürbe", meinte ein Bankmitarbeiter. Die beiden Vorstände der Bank, Walter Paulus-Rohmer und Heinz Gebhardt, liefen mit finsteren Mienen über den Platz, eng mit der Polizei zusammen arbeitend.

Bombenentschärfer: Sicherheitsradius wurde erhöht

Aber auch die beiden mussten sich dann ein weiteres Mal noch weiter von der Bank entfernen. Mit dem Start der Arbeit des Bombenentschärfers wurde der Radius der Sicherheitszone nochmals deutlich erhöht. An den jeweiligen Absperrungen drängten sich die Neugierigen, die zum Teil nur mühsam durch die Polizei hinter die Absperrungen bringen ließen. Es entwickelte sich ein regelrechter Wettbewerb, um die unglaublichsten Ausreden, warum man unbedingt über den Platz müsse, um sich dann an der Polizei vorbeischieben zu wollen. Doch diese wies immer wieder auf die Gefahr hin, die manch uneinsichtigem Zeitgenossen nicht in den Kopf wollte, durch kam jedenfalls niemand.

Thomas Heideloff, Einsatzleiter des Rettungdiensts des Bayerischen Roten Kreuzes, sagt, dass man zwei Rettungswagen bereitgestellt habe. "Innerhalb von zehn Minuten können wir zehn weitere Wagen herbringen, eine weitere Verdopplung ist innerhalb von 20 Minuten möglich." Die zwei Wagen reichten allerdings aus, seien diese vor allem für die Einsatzteams der Polizei respektive des Entschärfungskommandos da. Auch die Feuerwehr ist mit einem Einsatzleitwagen vor Ort, während der Suche nach der Bombe mit einem Löschfahrzeug. Auch hier wird in wenigen Minuten nachgerückt, sollte es zur Katastrophe kommen.

Um 15.06 Uhr wird Entwarnung gegeben: "Keine Bombe im Haus." Kein Schaden - zumindest auf den ersten Blick. Denn drei Stunden stand die Bank leer, es wurden keine Geschäfte getätigt, kein Geld einbezahlt oder abgehoben. Der volkswirtschaftliche Schaden ist hoch.

Der Anrufer wird aber keine leichte Zeit haben, wie der Polizeisprecher Rainer Seebauer erklärt. "Wir werden unsere Ermittlungen aufnehmen, um diesen Anrufer zu ermitteln." Eine kurze Nachricht, aber mit vielen Auswirkungen.