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Erlangen
Corona-Studie

Forschung aus Erlangen: Dieses Protein könnte die Corona-Anfälligkeit beeinflussen

Ob nach einer Corona-Infektion ein milder oder schwerer Verlauf erfolgt, war für viele Menschen kaum absehbar. Doch Erlanger Forschern ist es nun gelungen, ein Protein ausfindig zu machen, dass eine künftige Vorhersage erlauben könnte.
 
Studienergebnisse: Dieses Protein könnte Corona-Verläufe vorhersagen
Was lange Zeit unklar war, könnte jetzt gelüftet werden: Mit welcher Härte ein Corona-Verlauf abläuft, könnte dank eines Proteins, das Forscher aus Erlangen fanden, künftig vorhergesagt werden können. Foto: fernandozhiminaicela /pixabay.com
  • Protein ist neue Hoffnung von Erlanger Corona-Forschern
  • Corona-Risikofaktor soll prognostizieren, wie schwer Krankheitsverlauf ausfällt
  • Biomarker: Entscheidend ist Konzentration des Proteins

Manche Menschen, die sich mit dem Coronavirus infizieren, merken kaum etwas davon. Andere wiederum erkranken schwer und müssen stationär behandelt werden. Über die Risikofaktoren herrscht auch heute -  ein Jahr nach dem weltweiten Ausbruch der Covid-19-Pandemie - noch keine absolute Klarheit. Erlanger Forscher haben nun Hinweise auf einen Biomarker entdeckt, der schwere Krankheitsverläufe vorhersagen und vielleicht sogar eine Therapie ermöglichen könnte.

Sicher ist bisher: Ältere Menschen haben eine höhere Chance, schwer an Covid-19 zu erkranken. Andere Faktoren, wie beispielsweise Rauchen, erhöhen das Risiko schwerer Krankheitsverläufe. Auch Übergewicht kann schwere Verläufe begünstigen.

Über die Mechanismen, die das Risiko einer schweren Corona-Erkrankung erhöhen, herrscht jedoch noch keine Einigkeit. Und immer wieder erkranken Menschen schwer, die eigentlich keiner Risikogruppe angehören. 

Corona-Krankheitsverlauf: Konzentration des Proteins soll Vorhersage ermöglichen

Zwei Erlanger Mediziner - Dr. Georg Weber, stellvertretender Klinikdirektor und leitender Oberarzt an der chirurgischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen, und Dr. Alan Bénard, Mitarbeiter an der chirurgischen Klinik - schüren nun die Hoffnung auf eine verbesserte Identifikation schwerer Verläufe. Sogar eine Therapie sei möglich. 

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Die beiden haben zusammen mit weiteren Forschern der Arbeitsgruppe „Cellular immunity in inflammation and cancer“ am Universitätsklinikum Erlangen einen wichtigen Frühindikator dafür entdeckt, ob die Virusinfektion mild oder schwer verlaufen wird: den Immunbotenstoff Interleukin-3. Die Ergebnisse der Untersuchung erscheinen in der Zeitschrift „Nature Communications“.

Interleukin-3 ist ein Protein, welches die natürliche Immunabwehr des Menschen anregt. Dabei regt es den Blutbildungsprozess an und wird deshalb beispielsweise nach Knochenmarktransplantationen, bei genereller Blutarmut oder nach einer Chemotherapie eingesetzt, um die Blutbildung zu fördern.

Immuntherapie: Neue Behandlungsmethode könnte Lunge vor Befall durch Coronaviren schützen

Weber und Bénard haben nun in einer Studie nachgewiesen, dass ein niedriger Interleukin-3-Spiegel im Blutplasma häufig mit einem schweren Covid-19-Krankheitsverlauf einhergeht.  Interleukin-3 spiele für die Organisation der Immunantwort des Körpers eine große Rolle. Es rege am Ort des Geschehens einer Entzündung – zum Beispiel einer Lungenentzündung ausgelöst durch SARS-Cov-2 – die dortigen Zellen dazu an, das Protein CXCL12 zu bilden.

„Dieses Protein kommuniziert mit den plasmazytoiden dendritischen Zellen – unspezifischen Immunzellen, die normalerweise in der Blutbahn zirkulieren. CXCL12 ‚lockt‘ sie gewissermaßen in die entzündete Lunge, wo sie die Vermehrung der auslösenden Viren eindämmen“, erklärt Dr. Weber. Anders ausgedrückt: Indirekt verbessert Interleukin-3 die Immunabwehr des Körpers deutlich und fokussiert diese.

Für einen schweren Verlauf kann der Interleukin-3-Spiegel also einen wichtigen Anhaltspunkt bieten. Bisher konnte man diese Einschätzung nur an weitaus gröberen Kriterien festmachen – etwa am Alter oder bestimmten Vorerkrankungen.

Mögliche Therapie per Inhalat

„Es können aber auch Menschen, die keinerlei Risikogruppe angehören, wenig Interleukin-3 im Blut haben. Bei diesen kam bislang ein schwerer Verlauf eher überraschend und eine adäquate medizinische Versorgung möglicherweise zu spät“, gibt Dr. Weber zu bedenken.

Nun könnten auf Grundlage der Studienergebnisse zu einem früheren Zeitpunkt wichtige Entscheidungen über die Behandlung von Covid-19-Patienten getroffen werden. Mehr noch: Perspektivisch sei auch denkbar, eine Immuntherapie zu entwickeln, bei der Interleukin-3 in Form eines Inhalats zum Einsatz komme, um zielgenau die Lunge vor dem Befall durch Viren zu schützen.

 

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