Es war eine mächtige Linde, die da einst auf der Anhöhe zwischen Herzogenaurach und Haundorf stand, dort wo jetzt der Olympiaring an der Einfahrt zum neuen Stadtteil Herzo Base ist. Drei Jahrhunderte stand der stattliche Baum dort auf dem höchsten Punkt zwischen den beiden Ortschaften, 1648 als Friedenslinde gepflanzt, direkt nach dem Ende des dreißigjährigen Kriegs. 1951 wurde der alternde Riese zu Boden gerissen, gefällt durch einen starken Sturm.

Doch die Erinnerung ist geblieben, auch an die drei steinernen Zeitzeugen, die um die Linde errichtet worden waren, aber nicht bis in die Neuzeit überdauerten. Von den beiden Martersäulen und dem Kreuz blieb nur eine im Original stehen. 2010 ist sie restauriert worden, fünf Jahre später folgte ein neues Steinkreuz. Komplettiert wurde die Dreiergruppe nie - und sie wird es auch nicht werden. Denn eine zusätzliche Marter wird nicht mehr erstellt.

Irreversibel

Das ist das Ergebnis jahrelanger Überlegungen. Das Ensemble sei irreversibel, wurde jetzt dem Stadtrat respektive Haupt- und Finanzausschuss als Ferienausschuss erläutert. Christian Hoyer, der stellvertretende Leiter des Stadtarchivs, gab in der Sitzung am Donnerstagabend einen Überblick und erläuterte die beabsichtigte Vorgehensweise.

Statt einer weiteren Marter wird es eine Informationstafel geben, denn Geschichte muss erhalten bleiben, die Erinnerung an die mächtige Linde und ihre Begleiter soll nicht verblassen. Diese Tafel soll in Wort und Bild über die Geschichte der "Zweimarterlinden-Gruppe" informieren. Ihr Standort soll am gegenüberliegenden Fußweg sein.

Zu dem Ergebnis "Infotafel statt Marter" ist nach Hoyers Aussagen der Denkmalschutz gekommen. Das wäre, wie schon an anderer Stelle auf der Herzo Base, die eleganteste Lösung. Die ursprüngliche Überlegung, aus vorhandenen Fragmenten einer anderen Martersäule - der "Lohhofer Marter" - einen neuen Bildstock an diesem Standort zu errichten, wurde inzwischen fallen gelassen.

Für eine Marter sprach bislang die Überlegung, dass damit die Symmetrie des früheren Ensembles wieder hergestellt werden könnte. Auch Bürgermeister German Hacker hatte sich noch im November mit einer solchen Lösung angefreundet (der FT berichtete). Unklar war da noch, ob man dafür diese Marter aus vorhandenen Bruchstücken, die im Grunde dort nicht hingehören, oder ein vollkommen neues Exemplar hernehmen sollte. Für eine Infotafel hatte damals schon die Leiterin des Stadtarchivs, Irene Lederer, argumentiert. Damit würde man sich der geschichtlichen Bedeutung des Areals durchaus bewusst werden. Der Denkmalschutz schloss sich dieser Ansicht an.

Lohhofer Marter kehrt zurück

Dieser Beschluss bedeutet aber nicht, dass die genannten Marter-Fragmente weiterhin unter Verschluss bleiben. Seit zwei Jahrzehnten sei die "Lohhofer Marter" inzwischen eingelagert, erläuterte Christian Hoyer in der Sitzung. Vorhanden sind zwei große, bereits restaurierte Bruchstücke. Der Kopf, die so genannte Aedicula, gilt als verloren.

Der Ausschuss beschloss jetzt einstimmig, dass diese Martersäule rekonstruiert und an ihrem ursprünglichen Standort wieder aufgestellt werden soll. 30 000 Euro hat man dafür vorgesehen.

Im Ferienausschuss war die Freude groß, dass der Abschluss der alten Sitzungsperiode so harmonisch vonstatten ging. Stephan Wirth (CSU) lobte, auch als Vorstandsmitglied des Heimatvereins, die Bemühungen des Bürgermeisters: "Ich find's einfach schön, dass das so gemacht wird." Der neue SPD-Fraktionsvorsitzende Holger Auernheimer pflichtete ihm bei. Manfred Welker (Stadtrat der Freien Wähler und Keisheimatpfleger) begrüßte es, dass die vorhandenen Teile der Lohhofer Marter wieder ans Licht kommen. Auch die Grüne Retta Müller-Schimmel befürwortete die Infotafel. Es sei wichtig zu wissen, was in der Vergangenheit gewesen ist.

Die Zweimarter-Linde

Die Freude über den Frieden war im Jahr 1648 in einem durch 30 Jahre Krieg zerrissenen Deutschland groß. Der Überlieferung nach pflanzten die Überlebenden aus Dankbarkeit auf der Anhöhe am Weg zwischen Herzogenaurach und Haundorf eine weithin sichtbare Friedenslinde als markantes Zeichen.

Daneben wurden zwei Martersäulen aufgestellt. Die rechte Martersäule trug die Jahreszahl 1711, war aber vermutlich älter. Ähnlich verhält es sich mit der linken Martersäule, die inschriftlich in das Jahr 1802 datiert wurde, aber ihrem Stil nach ebenfalls älter war. Wolf Lang aus Herzogenaurach soll sie aus Dankbarkeit für einen glimpflich verlaufenen Unglücksfall aufgestellt haben. Im Jahr 1762 errichteten Haundorfer Bürger bei der Zweimarterlinde ein Kreuz zum Dank dafür, dass ihr Dorf von den Schrecken des Siebenjährigen Krieges verschont blieb.

Die altersschwache Linde stürzte am 9. Juni 1951 nach einem Unwetter in sich zusammen. Jahre später entfernte man auch die Martersäulen. Am 31. Juli 2015 wurde auf Initiative des Herzgenaurachers Steinkreuzforschers Helmut Fischer ein erneuertes Steinkreuz neben der Martersäule aufgestellt, die im November 2010 in die Nähe ihres ehemaligen Standorts zurückgekehrt war. maw